Drehbuchskandal beim NDR
Doris J. Heinze gesteht: Ich bin Marie Funder
Die geschasste NDR-Fernsehspielchefin schrieb unter dem Namen Marie Funder selbst mehrere Drehbücher. Doch noch ist der Fall nicht geklärt.
Hinter dem Pseudonym Marie Funder verbirgt sich Doris J. Heinze selbst.
Foto: dpa
Hamburg. Die Identität des ersten Phantom-Autors im Fall Doris J. Heinze ist geklärt. Hinter dem Pseudonym Marie Funder verbirgt sich die frühere NDR-Fernsehspielchefin höchstselbst. Sie hat zugegeben, die Drehbücher für den Film "Die Freundin der Tochter" und das nicht realisierte Projekt "Dienstage mit Antoine" geschrieben zu haben. Aus der Feder von Heinze alias Funder stammt außerdem das Treatment für die "Polizeiruf 110"-Folge "Die armen Kinder von Schwerin".
Ursprünglich war der NDR davon ausgegangen, dass es sich bei Marie Funder um die Heinze-Agentin Inga Pudenz handelt. Seit Anfang dieser Woche gab es im Sender aber handfeste Hinweise, dass die suspendierte Fernsehspielchefin die Autorin der beiden Drehbücher und des Treatments ist. Nach Angaben des Senders will sie nun auch offenlegen, wer die fälligen Honorare erhalten hat.
Trotz ihrer Bereitschaft zur Zusammenarbeit ist der Fall Heinze noch längst nicht geklärt. Führte die Fernsehspielchefin auch ihrem Mann Claus Strobel die Feder, der als Niklas Becker im Auftrag des NDR fünf Drehbücher verfasste? Hat sie womöglich auch das Drehbuch der bayerischen Gesundheitsberaterin Monika von L. geschrieben, das die ARD-Tochter Degeto verfilmte? Und wer steckt hinter dem Pseudonym Markus Benz? Unter diesem Namen wurde ein nicht realisiertes Drehbuch für den "Polizeiruf 110" geschrieben.
Der Fall Heinze beschäftigt auch die Spitzen der Öffentlich-Rechtlichen. Bei einem Pressegespräch in Berlin sagte ZDF-Intendant Markus Schächter, er gehe davon aus, dass es beim ZDF "einen Fall Heinze nicht gibt". Er verwies auf das Vier-Augen-Prinzip und die Ombudsleute des Senders: Zudem werde derzeit der erst 2008 verabschiedete Verhaltenskodex des ZDF überarbeitet. Einen externen Ombudsmann gibt es beim NDR nicht. Schächter räumte ein, dass sein Haus ein genehmigtes Drehbuch von Heinze verfilmt, für das sie als NDR-Angestellte nur das halbe Honorar bekomme.
Auf derselben Veranstaltung sagte der Vorsitzende der ARD, Peter Boudgoust, dass die meisten Anstalten seines Senderverbundes gegen einen Fall Heinze gewappnet seien. Für ihn sei das alles eine "große menschliche Enttäuschung". Boudgoust gab aber auch zu bedenken, dass es gegen die "hohe kriminelle Energie", mit der Heinze vorgegangen sei, "keinen hundertprozentigen Schutz" gebe.




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