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Kultur & Live

Drehbuch-Skandal beim NDR

Das System Heinze: Es gibt noch mehr dubiose Fälle

Anfangsverdacht gegen Doris J. Heinze wegen möglicher Korruptions- und Betrugsvergehen - NDR prüft jetzt alle relevanten Projekte.

Doris J. Heinze war 18 Jahre lang Fernsehspielchefin des NDR. Jetzt ermittelt der Staatsanwalt.
Foto: dpa

Hamburg. Die vom Dienst suspendierte Fernsehspielchefin des Norddeutschen Rundfunks (NDR), Doris J. Heinze, hat offenbar ihren Ehemann entgegen dem internen Regularium des Senders nicht nur Honorare für Drehbücher zugeschanzt, sondern sie soll, wie die „Süddeutsche Zeitung“ in ihrer Sonnabend-Ausgabe schreibt, deren Recherchen auf die Fälle aufmerksam machten, auch noch andere ihr nahestehende Personen begünstigt haben. Ein unter dem Pseudonym Marie Funder vorliegendes Drehbuch soll dem Regisseur Josh Broecker zur Realisierung übergeben worden sein. Die Autorin, sagte man ihm, sei für Fragen des Regisseurs nicht zu erreichen. Es wurde dennoch verfilmt und soll im September von der ARD ausgestrahlt werden. In Wahrheit stammte das Drehbuch von der Mitinhaberin der Münchner Agentur Scenario und Agentin von Doris J. Heinze, Inga Pudenz.

Ähnlich war im Fall des Film „Katzenzungen“ verfahren worden, wie der Regisseur Thorsten C. Fischer dem Abendblatt berichtet hatte. Dort stammte das Buch von „Niklas Becker“ – wie man heute weiß, also vom Ehemann der Fernsehspielchefin. Es wurde überarbeitet und verfilmt. Honorar und Wiederholungshonorare für Fischer wurden in einer Einmalzahlung abgegolten – wie auch bei anderen Becker/Strobel-Drehbüchern. Der Vorteil eines solchen „Buy Outs“: Das Projekt erscheint nicht bei jeder Wiederholung neu in den Büchern und entgeht so eventuellen weiteren Nachfragen.

Auch solle die Münchner Agentur Allmedia Pictures, mit der Doris J. Heinze eng zusammengearbeitet hat, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“, etliche hohen Beträge für fiktive, nicht erbrachte Leistungen, kassiert haben – ein Beispiel sei die vorgebliche Überarbeitung des „Polizeiruf 110“-Drehbuchs „Resturlaub“; hier seien an Niklas Becker – inzwischen bekannt als Pseudonym des Heinz-Ehemanns Claus Strobel – 15.000 Euro für eine Überarbeitung geflossen, dabei ist das Drehbuch nach Angaben der Autorin Beate Langmaack genauso verfilmt worden, wie sie es geschrieben habe.

Auch sollen Honorare für den Verzicht auf Wiederholungshonorare für ein nie realisiertes Pudenz-Drehbuch gezahlt worden sein. „Dienstage mit Antoine“, geschrieben unter dem Pseudonym, sei nicht realisiert worden, sagte der NDR der „Süddeutschen“, wegen zu starker inhaltlicher Ähnlichkeit mit den Stoffen kürzlich gesendeter Filme anderer Sender.

Als Autorin zahlreicher Produktionen von NDR und AllMedia finde sich auch eine Gesundheitsberaterin aus Bayern. Sie soll sogar Rechnungen für Filme gestellt haben, zu denen sie nichts beigetragen habe.

Stellen sich alle diese Vorwürfe als stichhaltig heraus, erscheinen auch die Erklärungen des Heinze-Anwalts Gert Benoit in einem anderen Licht, der sagte, es liege kein Betrug vor, denn dem NDR sei kein Schaden entstanden. Allerdings muss sich dann auch der NDR neu fragen lassen, warum alle diese Fälle über lange Jahre offenbar jeder internen Nachprüfung entgangen sein können.

 

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