28.02.13

Kehrtwende

Das Opel-Werk in Bochum ist langfristig gerettet

Rettung für das von vielen schon abgeschriebene Opel-Werk in Bochum: Der Standort soll langfristig bestehen bleiben, sieht ein neuer Sanierungsplan vor. Allerdings gibt es einige Kröten zu schlucken.

Von Nikolaus Doll
Foto: dpa

Neue Hoffnung für die Mitarbeiter: Der Standort in Bochum wird nicht geschlossen
Neue Hoffnung für die Mitarbeiter: Der Standort in Bochum wird nicht geschlossen

Es war eine Punktlandung: Nach monatelangen Verhandlungen haben sich das Opel-Management und die Arbeitnehmervertreter auf ein Sanierungskonzept für die kriselnde GM-Tochter geeinigt. Keinen Tag zu früh.

Aufsichtsratschef und GM-Vize Steve Girsky hatte auf einen Abschluss bis Ende Februar gedrängt und damit gedroht, das von Schließung bedrohte Werk Bochum bereits im kommenden Jahr auslaufen zu lassen. Nun steht die Einigung – allerdings gab es auf dem Weg dorthin gleich zwei Eklats.

Der Krimi begann Donnerstagvormittag kurz vor elf Uhr. Da verkündete der Konzernbetriebsrat, es gebe eine Vereinbarung mit dem Vorstand, das Sanierungsprogramm stehe. Prompt dementierte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel. "Das ist falsch. Die Arbeitnehmerseite hatte noch gar keine Möglichkeit, sich zu beraten. Geschweige denn, sich mit dem Management abzustimmen."

Die Verhandlungen liefen weiter. Am frühen Nachmittag wurde der Abschluss formell bestätigt, das Konzept sei von beiden Seiten unterschrieben, hieß es. Der Bochumer Betriebsratschef Einenkel hat das allerdings nicht.

"Es wurde nur unsere Bringschuld festgelegt, nicht aber, was wir dafür bekommen. Damit kann ich nicht vor meine Belegschaft treten", sagte Einenkel. Er bezweifle, ob das Sanierungskonzept ohne seine Zustimmung überhaupt juristisch verbindlich sei.

Wie urteilen die Beschäftigten?

Entscheidend wird allerdings nicht sein, was die Juristen sagen, sondern wie die Beschäftigten über das Konzept urteilen. Denn was jetzt beschlossen wurde, muss in den kommenden Wochen in formelle Tarifverträge gegossen werden.

Und über die stimmen die Mitarbeiter in den Werken dann ab. Lehnen sie die Bestimmungen ab, greifen die bisherigen Regelungen des Zukunftssicherungsvertrages. Und die sehen einen Kündigungsschutz für die Beschäftigen nur bis Ende kommenden Jahres vor.

Vorstand, Konzernbetriebsrat und IG Metall sind sich sicher, breite Zustimmung für den Sanierungsplan zu bekommen. "Wir haben die Geschäftsleitung dazu gebracht, sich klar zu den deutschen Standorten und Beschäftigten und zu einem langfristig angelegten Zukunfts- und Wachstumsplan zu bekennen und das auch vertraglich festzuschreiben," sagte Konzernbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug.

Seitens des Vorstand hieß es, "für drei Werke gibt es nur gute Botschaften, und Bochum bleibt als Standort erhalten. Eine Lösung, die Opel insgesamt stärkt".

Der sogenannte Mastervertrag umfasst einen Zeitraum bis Ende 2022. Er legt fest, dass alle deutschen Standorte bestehen bleiben sollen. Das Komponentenwerk Kaiserslautern habe eine entsprechende Zusage "über 2016 hinaus bekommen", teilte das Management mit.

In Eisenach, wo derzeit Corsa und Adam vom Band rollen, würden auch nach 2015 zwei Modelle produziert werden. "Rüsselsheim wird gestärkt. Dort werde nach Auslaufen der Astra-Produktion neben dem Insignia ein weiteres Modell gefertigt. Welches stünde noch nicht fest. "Eine Verlagerung der Entwicklung, wie kolportiert wurde, ist nicht geplant", sagte ein Opel-Manager.

Keine Kündigungen bis 2016

Rüsselsheim ist neben einem Produktions- vor allem auch ein Entwicklungsstandort. Den Beschäftigten in Deutschland wird ein Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2016 zugesagt.

Für Bochum gilt das allerdings nicht, das Werk muss kräftig Federn lassen. Die Autoproduktion soll nur noch bis Ende 2016 weiterlaufen, möglicherweise ein Jahr länger, das hängt unter anderem auch vom Erfolg des dort gebauten Zafira ab.

"Wir wollen unser Warenverteilzentrum in Bochum behalten. Und wir wollen insgesamt rund 1200 tarifgebundene Opel-Arbeitsplätze in Bochum sichern – und den Standort zum Komponentenwerk umwandeln", sagte Aufsichtsratschef Steve Girsky.

Rund 600 Arbeitsplätze könnten im Lagerbereich verbleiben, 600 weitere in einer Komponentenfertigung. Welche Teile dort hergestellt werden, müsse noch festgelegt werden, so Girsky. Darüber hinaus will das Unternehmen im Umfeld von Opel Bochum weitere "hochwertige Industriearbeitsplätze" schaffen.

Wo und wie die entstehen, ist allerdings noch nicht klar, an entsprechenden Plänen wird derzeit gearbeitet. Zurzeit hat das Opel-Werk Bochum rund 3300 Beschäftigte. "Mit der Sicherung der Fahrzeugproduktion bis Ende 2016, dem Aufbau einer Komponentenproduktion, der Entwicklungsgesellschaft 'Bochum Perspektive 2022' und der bis Ende 2018 laufenden Transfergesellschaft haben wir einen Weg gefunden, der uns fünf Jahre Zeit verschafft, um im Sinne der Beschäftigten bestmögliche Lösungen zu finden", sagte Konzernbetriebsratschef Schäfer-Klug.

Er räumte allerdings auch ein, die Arbeitnehmer hätten in den Verhandlungen über den Deutschlandplan für Opel mit der Verschiebung von Tariferhöhungen ein "zentrales Zugeständnis" gemacht. Immerhin hätten die Arbeitnehmervertreter die Versuche der Geschäftsleitung abgewehrt, Opel aus dem Flächentarifvertrag zu drängen.

Die Belegschaft würden auch weiter von Tariferhöhungen profitieren. IG-Metall-Chef Berthold Huber erklärte, ab Montag würden noch weitere "entscheidende Details" des Zukunftsprogramms für Opel verhandelt. Danach lege die Gewerkschaft das Paket ihren Mitgliedern vor.

Zurück zu Profitabilität

Sollten die mehrheitlich zustimmen, kann sich die GM-Tochter darauf konzentrieren, den Abstand zu den Konkurrenten zu verringern. Die Unterstützung der Konzernmutter habe Opel, sagte Girsky. GM sichere die nötige Finanzierung für die kommenden Jahre zu, "bis wir wieder zu eigener Profitabilität kommen".

Mitte des Jahrzehnts plane Opel, "wieder die Gewinnschwelle zu erreichen". Girsky hatte besonders hartnäckig auf eine Einigung bis Donnerstag gedrungen. Denn Freitag tritt Karl-Thomas Neumann seinen Job als neuer Opel-Chef an. Und Neumann soll sich ganz auf die Aufholjagd konzentrieren.

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