28.02.13

Freie Evangelische Kirche

Hamburgs größter Feierabendchor

In der Freien Evangelischen Kirche treffen sich immer dienstags Hunderte von Menschen, um im Chor Popsongs oder Schlager zu singen.

Foto: Michael Rauhe
Hamburg singt
Meist sind es Frauen oder junge Mädchen, die zum Singen in die Kirche kommen, Männer sind nur wenige darunter

Hamburg. Wo für gewöhnlich Menschen in Gottesdiensten, Bibelstunden und Begegnungen der vielfältigsten Art zu Christus finden, werden von nun an jeden Dienstag ab 19 Uhr Zusammenkünfte der etwas weltlicheren Art stattfinden: Im Gemeindesaal der Freien Evangelischen Kirche, Michaelispassage 1, treffen sich Sangesfreudige, um in der Chorgemeinschaft "Hamburg singt" unter der Leitung von Niels Schröder Schlager bis Popsongs in anderthalb Stunden lustvoll zu erarbeiten. Mit ganz erstaunlichem Ergebnis, wie die Premiere bewies.

Selbst wenn die Zielsetzung dieses neuen, in Deutschland einzigartigen Laienchor-Events eine andere ist als die der Gemeinde, die "Heilung, Veränderung und Segen" erfahrbar machen möchte, hat das gemeinschaftliche Singen offenbar ähnlich tief greifende, befreiende Wirkung. Begeisterung, Freude, ungeachtet der eigenen sängerischen Unzulänglichkeiten, eine Stimmung wie im Popkonzert mit Klatschen, Kreischen und rhythmischem Wiegen, zeugen davon, dass dieses Chortreffen einem menschlichen Bedürfnis entspricht.

"Cool" strahlte denn auch Niels Schröder, frisch examinierter Schulmusiker, beim Anblick der 600 Laiensänger, die sich per Bus, Bahn, Fahrgemeinschaften oder auf dem Fahrrad unter seine Fittiche begeben hatten. Das darf man fast wörtlich nehmen. Denn viele, die gekommen waren, taten es seinetwegen. Sie kennen den Elmshorner aus seinen vielfältigen Choraktivitäten. "Der Niels kann alle begeistern. Er hat unwahrscheinliches Charisma", so schwärmt Sabine, 44, ebenso wie Eileen, 59, Ingrid, 42, oder Krankenschwester Katharina, 45, die direkt vom Dienst zum Chorsingen gekommen ist. "Singen ist ein wunderbarer Ausgleich. Es bringt Freude und Entspannung", sagt sie. Und auch die beiden 18-jährigen Elisabeth und Ronja hat das spezielle Niels-Virus gepackt. Sie wissen schon jetzt, dass sie kommenden Dienstag wieder dabei sein werden.

Im bis auf den letzten Platz gefüllten Gemeindesaal sind es die Frauen und junge Mädchen, unter ihnen etliche aus Hamburger Gymnasien, die den Ton angeben. Männer und Jungen sind deutlich in der Unterzahl. Was den 66 Jahre alten Peter aus Buxtehude nicht anficht. "Ich bin aktiver Sänger im Männergesangverein 'Treue'. Ich schau mir das hier an und werde wahrscheinlich weitermachen."

Und selbst der 15-jährige Matthias, der Naturwissenschaften studieren will, gibt sich mit Hingabe diesem Event hin, das mit der "Einstimmungshymne", wie Niels sie nennt, hanseatisch schlicht "Wenn Hamburg singt, der Chor erklingt" beginnt und deren Refrain "Moin, Moin" zunächst von allen gesungen wird.

Die Texte, deutsch oder englisch, werden auf zwei Leinwände gebeamt, eine Profiband und geschulte Gesangssolisten heizen die Stimmung an, die mit dem Tina-Turner-Hit "Simply the best" bereits den ersten Höhepunkt mit Johlen, Kreischen und spontanem Aufspringen erreicht. "Bringt ein bisschen Schmutz in die Stimmen", fordert Niels die in drei Gruppen aufgeteilten Hobbysänger auf und wünscht, nachdem er die Töne für die hohen Frauenstimmen im Falsett gesungen hat, "viel Glück". Es klappt, die Stimmung ist bombig, es klingt richtig gut.

Wie schafft es dieser Niels, dieser jungenhafte 30-Jährige mit der kiebigen Kurzhaartolle, buchstäblich Massen zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammenzubringen? Indem er authentisch ist, seine eigene Begeisterung auf andere spontan überträgt und sein Handwerk versteht.

"Ich hoffe, ihr kommt alle wieder", wünscht sich Niels. Vom kommenden Dienstag an kostet das Chorsingen für alle allerdings acht Euro, ermäßigt sechs Euro Eintritt. Das ist manchem Schüler zu viel, selbst wenn es billiger ist als ein Popkonzert.

(M.N.)
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