Medienmacher "FAZ" vor Einstieg bei "Frankfurter Rundschau"

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Verlagskreise: "FAZ" will "Frankfurter Rundschau" in abgespeckter Form als Regionalzeitung für Rhein-Main-Gebiet fortführen.

Die Übernahme der "Frankfurter Rundschau" (FR) durch die "FAZ" steht offenbar unmittelbar bevor. Da dem zahlungsunfähigen Blatt Ende des Monats das Geld ausgeht, ist Eile geboten. Wie es in Verlagskreisen heißt, will die "FAZ" die "FR" in abgespeckter Form als Regionalzeitung für das Rhein-Main-Gebiet fortführen. Geplant ist die Übernahme von etwa 30 Redakteuren sowie von mehreren freien Mitarbeitern. Texte zu überregionalen Themen sollen offenbar von der "FAZ" zugeliefert werden. Gedruckt wird die "FR" künftig von der Frankfurter Societäts-Druckerei, einem Schwester-Unternehmen der "FAZ". In informellen Vorgesprächen soll das Bundeskartellamt signalisiert haben, dass es die Übernahme als zulässiges Sanierungskartell durchwinken würde. Zustimmen müssen dem Deal noch die Fazit-Stiftung als "FAZ"-Hauptgesellschafter sowie die fünf "FAZ"-Herausgeber.

Für die "FR"-Druckerei soll sich dem Vernehmen nach die türkische Çalik Holding interessieren. Mitarbeiter der Digital-Abteilung der Zeitung, in der die viel gerühmte "FR"-App entwickelt wurde, könnten zum Berliner Verlag ("Berliner Zeitung", "Berliner Kurier") wechseln, der dem bisherigen "FR"-Hauptgesellschafter M. DuMont Schauberg gehört. Für die Berliner soll Rouven Schellenberger, bisher in der "FR"-Chefredaktion verantwortlich für digitale Medien, ein Konzept für ein Digital Lab Berlin mit zehn bis 15 Mitarbeitern entwickeln. Da aber die Mehrzahl der etwa 480 "FR"-Beschäftigten mit einer Entlassung rechnen muss, wird sich der Betriebsrat am Montag mit SPD-Chef Sigmar Gabriel in Potsdam treffen. Man will mit ihm über einen Sozialplan sprechen. 40 Prozent der "FR"-Anteile gehören bisher der SPD-Medienholding DDVG.

Die Redaktion des Wirtschaftsmagazins "Capital" wird künftig maximal 20 Mitarbeiter zählen. Als zweiter Mann hinter dem neu berufenen Chefredakteur Horst von Buttlar ist Christian Baulig im Gespräch, der auch bisher schon als stellvertretender Chefredakteur firmierte. Bislang wird "Capital" von der Gemeinschaftsredaktion der G+J Wirtschaftsmedien produziert, die aber im Zuge der Einstellung der "Financial Times Deutschland" (FTD) abgewickelt wird. Die einzigen Wirtschaftstitel, an denen Gruner + Jahr festhält, sind "Capital" und "Business Punk". Sie erscheinen künftig in Berlin. Aus dem Berliner "FTD"-Büro werden aber offenbar nur wenige Mitarbeiter übernommen. Immerhin fangen vier "FTD"-Redakteure demnächst beim "Stern" an. Die Sozialplanverhandlungen für die übrigen Mitarbeiter sollen eher schleppend verlaufen.