13.12.12

Insolvente Tageszeitung

"Frankfurter Rundschau" soll noch bis Ende Januar erscheinen

Der Betrieb des Druck- und Verlagshauses Frankfurt sei bis mindestens Ende Januar kommenden Jahres gesichert. Das galt zuletzt als fraglich.

Foto: pa/dpa
Die "Rundschau" ist am Ende. Ihre Mitarbeiter können nur hoffen, dass sich im Insolvenzverfahren ein Interessent findet
Die "Frankfurter Rundschau" hatte Mitte November Insolvenz angemeldet, fast 500 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel

Frankfurt/Main. Die um ihr Überleben kämpfende Tageszeitung "Frankfurter Rundschau" ("FR") wird mindestens bis Ende Januar erscheinen. Der Betrieb des Druck- und Verlagshauses Frankfurt sei bis dahin gesichert, teilte einer der beiden Hauptgesellschafter, die Kölner Mediengruppe M. DuMont Schauberg MDS, am Donnerstag mit. Darauf habe man sich mit Insolvenzverwalter Frank Schmitt und dem anderen Gesellschafter, der SPD-Medienholding DDVG, verständigt. Schmitt hatte vor kurzem die Befürchtung geäußert, dass der linksliberal orientierten Traditionszeitung schon zum Jahresende das Geld ausgehen könnte.

Die "FR" hatte Mitte November Insolvenz angemeldet, fast 500 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Details zu der Vereinbarung wurden auch auf Nachfrage nicht genannt. "Wir haben damit das Erforderliche getan, um – von unserer Seite – den vom vorläufigen Insolvenzverwalter betriebenen Investorenprozess konstruktiv zu begleiten", erklärten die beiden Gesellschafter laut Mitteilung.

Damit bleibt ein weiterer Monat Zeit für die Suche nach möglichen Investoren. "Durch die erzielte Einigung haben sich die Chancen für die Rettung des Unternehmens erhöht", wurde Insolvenzverwalter Schmitt der Mitteilung zitiert. "Der Zeitplan für die Investorengespräche ist zwar immer noch ziemlich eng, aber wir werden alles tun, um die gewonnene Zeit zu nutzen."

Bis Ende Januar erhalten die Mitarbeiter des Verlags in jedem Fall Insolvenzgeld. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatte die "Rundschau"- Hauptgesellschafter zuletzt aufgefordert, sich stärker bei der Suche nach neuen Investoren zu engagieren.

Die "Frankfurter Rundschau"

Die "Frankfurter Rundschau" (FR) wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet und war seitdem eine markante linksliberale Stimme auf dem Medienmarkt. Vor gut zehn Jahren geriet sie in die Krise.

August 1945: Die "FR" erscheint zum ersten Mal.

April 1946: Karl Gerold (SPD) steigt bei der Zeitung ein. Er schärft ihr linkes Profil. Von 1954 bis zu seinem Tod 1973 leitet Gerold die Zeitung als Verleger, Herausgeber und Chefredakteur.

1973: Die Karl-Gerold-Stiftung wird gegründet. Sie wird alleinige Eigentümerin des Druck- und Verlagshauses Frankfurt, in dem die "FR" erscheint.

2001: Die "FR" hat eine Auflage von 190.000, gerät aber in die Krise.

März 2002: Der Verlag mit seinen rund 1500 Beschäftigten kündigt drastische Einsparungen an.

 April 2003: Hessen übernimmt eine Bürgschaft für die "FR".

Mai 2004: Die SPD-Medienholding DDVG übernimmt 90 Prozent der Anteile am Druck- und Verlagshaus Frankfurt.

2006: Das Kölner Medienhaus M. DuMont Schauberg MDS ("Kölner Stadt-Anzeiger") übernimmt von der DDVG die Mehrheit an der "FR". Die DDVG bleibt Miteigentümerin.

2007: MDS modernisiert die "FR" und stellt sie auf Tabloid um. Die Auflage stabilisiert sich vorübergehend bei 150.000

2011: Wegen anhaltender Verluste wird der Mantelteil der "FR" in Berlin von der MDS-Redaktionsgemeinschaft produziert, um Kosten zu senken. Zu MDS gehört inzwischen unter anderem auch die "Berliner Zeitung", mit der die "FR" zeitweise eine gemeinsame Chefredaktion hatte.

Oktober 2012: MDS prüft, ob die FR zumindest in Norddeutschland von einer Papier- auf eine Digitalzeitung umgestellt werden kann.

November 2012: Wegen anhaltender Verluste stellt der Verlag der "FR" Insolvenzantrag. Die Auflage lag zuletzt bei 118.000, von der Insolvenz sind 487 Mitarbeiter betroffen.

(dpa)
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