24.11.12

Zeitungskrise

Merkel will Projekte fördern: "Pressefreiheit hohes Gut"

Die Kanzlerin schlägt vor, Projekte zu fördern, die junge Menschen wieder mehr für das gedruckte Wort begeistern sollen.

Foto: dapd
Bundestag
Bundeskanzlerin Angela Merkel schlägt vor, Projekte zu fördern, die junge Menschen wieder mehr für das gedruckte Wort begeistern sollen

Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach den jüngsten Negativ-Schlagzeilen zur Zeitungsbranche die Bedeutung des gedruckten Wortes unterstrichen. "Ich halte die Printmedien für sehr wichtig. Lesen können ist noch einmal etwas anderes, als im Internet zu sein", sagte sie am Samstag in ihrer wöchentlichen Videobotschaft. Die Bundesregierung unterstütze Projekte, die junge Menschen an das Zeitungslesen heranführen sollen.

Nachdem die "Frankfurter Rundschau" Insolvenz anmelden musste, war am Freitag die Einstellung der "Financial Times Deutschland" zum 7. Dezember verkündet worden. Die "Abendzeitung Nürnberg" war bereits Ende September zum letzten Mal erscheinen.

Am Freitagabend feierte die Hauptstadtpresse in Berlin den Bundespresseball. Bundespräsident Joachim Gauck sagte dort zum drohenden Ende der "Frankfurter Rundschau" und dem beschlossenen Aus der "Financial Times Deutschland": "Wir werden immer Zeitungen haben, wir wissen nur nicht wie viele." Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sah andere Medien auf dem Vormarsch. "Es gibt keine Wirtschaftsbranche, die immer das gleiche Geschäftsmodell verfolgt hat", sagte der CSU-Politiker.

SPD-Geschäftsführer Thomas Oppermann sagte: "Das ist ein bitterer Wermutstropfen für diesen Ball." Seine pessimistische Prophezeiung: "Langfristig werden gedruckte Zeitungen in 20 oder 30 Jahren Nischenprodukte sein." Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth zeigte sich betroffen: "Es ist wirklich ein Schatten heute dabei."

Die Kanzlerin betonte in ihrer Videobotschaft, die Regierung werde weiter Projekte zum Zeitunglesen fördern, "und auch alle, in deren Möglichkeit das steht, ermuntern, die Lesefähigkeit und die Akzeptanz von Printmedien auch in den nächsten Jahren weiterzuentwickeln". Sie wünsche sich, dass "die uns allen bekannte Zeitung, die Printmedien, die Zeitschriften, eine gute Zukunft haben". Zugleich betonte sie die Möglichkeiten und die Vielfalt des Internets mit interessanten Blogs.

Merkel würdigte die Rolle der Medien im demokratischen Meinungsbildungsprozess. "Journalisten haben nicht die Aufgabe, mir immer zu gefallen oder nur dann zu kommen, wenn ich gerade auf sie warte, sondern das ist eine Kooperation, wo jeder seine eigenen Interessen hat, und deshalb muss man auch eine bestimmte Distanz haben", sagte sie. "Ohne Medien würden viele Menschen von dem, was wir tun, nichts erfahren. Und deshalb glaube ich, dass die Pressefreiheit ein sehr, sehr hohes Gut ist", sagte Merkel.

Die langjährige SPD-Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier sagte der Berliner Tageszeitung "taz" (Wochenendausgabe) zum Thema "Frankfurter Rundschau": "Gäbe es eine Übernahme durch die Belegschaft, wäre ich sehr froh." Die "FR" sei nicht überschuldet, aber für die Eigentümer nicht mehr finanzierbar.

Zur Amtszeit Wettig-Danielmeiers hatte die SPD-Medienholding DDVG 90 Prozent der Anteile am "Druck- und Verlagshaus Frankfurt a. Main GmbH" im Jahr 2004 übernommen und die "FR" damit damals vor der Pleite bewahrt. 2006 stieg das Kölner Medienhaus M. DuMont Schauberg MDS ein und übernahm mit 50 Prozent plus einer Stimme die Mehrheit.

Amazon-Chef Jeff Bezos sieht in Tablet-Computern eine Chance für die kriselnde Zeitungsbranche. Im Web zahlten die Menschen nicht für Nachrichten, das werde sich auch nicht mehr ändern, sagte Bezos der "Berliner Zeitung" (Samstag). "Wir haben aber festgestellt, dass die Leute durchaus bereit sind, für Zeitungs-Abos auf Tablets zu zahlen. Die Tablets werden unseren Alltag weiter durchdringen", sagte der Unternehmer. Das werde auch den Zeitungen Rückenwind geben.

Die "Financial Times Deutschland"

Die erste Ausgabe der "Financial Times Deutschland" erschien am 21. Februar 2000.

Der Verlag Gruner + Jahr und der britische Medienkonzern Pearson hielten jeweils 50 Prozent der Anteile an der "FTD", bis sich Pearson Anfang 2008 aus dem Gemeinschaftsunternehmen zurückzog.

Gründungschefredakteur der "FTD" war Andrew Gowers.

Im Herbst 2001 wechselte der Brite an die Spitze des Mutterblatts "Financial Times" nach London und übergab die redaktionelle Führung an seine bisherigen Stellvertreter Christoph Keese und Wolfgang Münchau.

von September 2003 an leitete Keese das Blatt alleine, im Herbst 2004 übernahm der heutige Chefredakteur Steffen Klusmann den Posten.

Im dritten Quartal 2012 belief sich die verkaufte Auflage auf 102.101 Exemplare, knapp 1.200 mehr als zwei Jahre zuvor; gleichzeitig wurde die Zahl der Bordexemplare von 37.161 auf 46.284 erhöht.

Vor zwei Jahren hatten 49.124 Leser das Blatt abonniert, inzwischen sank die Zahl der Abonnenten auf 41.629.

Der Hauptkonkurrent der "FTD", das "Handelsblatt", verzeichnete im dritten Quartal 137.725 verkaufte Exemplare und mehr als 80.000 Abonnenten.

Die Homepage "ftd.de" kam nach Verlagsangaben im Oktober auf 9,70 Millionen Einzelbesuche ("Visits") und 47,94 Millionen Seitenaufrufe ("Page Impressions"), im Mai 2011 war das Internetangebot um den kostenpflichtigen Bereich "FTD-Premium" erweitert worden.

Wegen anhaltender Verluste wurde am 23. November 2012 bekannt gegeben, dass die "FTD" zum 7. Dezember 2012 eingestellt wird. (dapd)

(dpa)
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