Konzertkritik
The Gaslight Anthem: Schön erfolgreich, schön laut
Die fünf Rocker aus New Jersey bewiesen in der Alsterdorfer Sporthalle, dass mit Erfolg nicht unbedingt der Verlust von Identität einhergeht.
Hamburg. Es waren nur ein paar Versprengte, denen sich Brian Fallon mit dem ganzen Spektrum seiner musikalischen Schaffenskraft offenbarte. Der erlauchte Kreis der 150 Studenten, Beamten und sonstigen Kurzarbeitern, der am Donnerstag schon um 18 Uhr den Weg zu Michelle Records in die Innenstadt gefunden hatte, erlebte etwas, was einer beinahe ausverkauften Alsterdorfer Sporthalle ein paar Stunden später verwehrt bleiben sollte.
Für ein intimes, halbstündiges Akkustik-Set war Fallon, der Frontmann von The Gaslight Anthem, vorab in den Kult-Plattenladen gekommen. Es ging ruhig zu. Bedächtig. Die Ruhe vor dem Sturm.
Denn als bei Michelle längst alle Lichter aus waren und Fallon wiedervereint mit seinen vier Mitstreitern vor ein deutlich größeres Publikum in Alsterdorf trat, gab es schlagartig den Paradigmenwechsel. Plötzlich war laut angesagt. Immerhin ist das doch das Kerngeschäft des Quintetts aus New Jersey.
Mitgebracht hatten sie die Songs ihres neuen Albums Handwritten. Das produzierten die fünf Rocker mit dem Hang zum Punk erstmals unter der Fuchtel eines großen Musiklabels. War dieser Schritt bei vielen ihrer Vorgänger der sicherste Weg zur totalen Kommerzialisierung und dem gleichzeitigen Verkauf der eigenen musikalischen Ideale, ließ sich The Gaslight Anthem dazu nicht nötigen. Im Gegenteil. Es braucht live nur ein paar wenige Songs, da zürnen die vier Gitarren - angefeuert vom Schlagzeug - wie eh und jäh. Blaue Flecke in der ersten Reihe, glühende Stahlsaiten auf der Bühne. Dazu reichlich Schweiß und ein gehöriges Maß mangelnden Sauerstoffs. Eben all die Zutaten, die es braucht für so eine Band, die in ihren Songs noch immer herrlich viele Ecken und Kanten vertont.
Und so dürfen sie sich selbst am Dylan-Song "Changing of the Guards" versuchen. Der oftmals etwas eigene Altmeister könnte ob der punkrockigen Anmutung seines Klassikers vielleicht ein wenig verstimmt sein. Aber wie formuliert es Fallon treffend? "Can't blame us for trying - Man kann's ja mal versuchen."
Keine Frage: Handwritten hat The Gaslight Anthem in den großen Hallen der Welt salonfähig gemacht. Dass die Band aber in jene Kategorie gehört, in der man die Stereoanlage getrost ausmachen und stattdessen lieber den Herren beim Musikmachen zuschauen sollte, verdanken sie ihrer Unbändigkeit. Fallon und seine Mitstreiter lassen sich (immer noch) in keine Norm drängen - und genau daran tun sie gut.















