Drei Fragen an David Bergmann Für Amerikaner sind Umlaute niedlich

Deutsche Sprache, schwere Sprache! Diese Erfahrung hat auch der Amerikaner David Bergmann gemacht, der 1996 zum Studium nach Göttingen kam. Ein Jahr später zog er nach Hamburg, wo er seitdem als Wirtschaftsprüfer arbeitet. In seinem Buch "Der, die, was? - Ein Amerikaner im Sprachlabyrinth" erzählt Bergmann von Fallstricken und Schönheiten der deutschen Sprache.

ABENDBLATT: Sie sagen: Die deutsche Sprache ist schön, effizient - und vor allem witzig. Können Sie das erklären?

DAVID BERGMANN: Ich finde es erstaunlich, wie viel man im Deutschen mit kleinen Wörtern zum Ausdruck bringen kann. Deutsch ist ja nicht nur die Sprache der ewig langen Wörter und Sätze. Es gibt auch Wörter, die kurz, knackig und trotzdem unentbehrlich sind, wie zum Beispiel "doch", "quatsch" oder "eben". Außerdem gibt es schöne, nahezu unabdingbare "Wörtchen" wie "na", "tja", "nanu", "ach", und das in Hamburg beliebte "ne".

ABENDBLATT: Ihr Titel "Der, die, was?" spielt darauf an, wie schwierig es ist, Deutsch zu lernen. Ihr Ratschlag?

BERGMANN: Man sollte unbedingt Listen führen, vor allem eine Liste der eigenen Fehler. Dadurch lernt man und hat im Nachhinein etwas zum Lachen. Der Titel "Der, die, was?" benennt die Frage für Deutschlernende - auch wenn deutsche Muttersprachler das nicht nachvollziehen können. Allerdings kann meine Mutter in den USA mit dem Titel nichts anfangen, da sie kein Deutsch versteht. Auf ihre Frage, wie mein Buch auf Englisch hieße, sagte ich ihr "The, the, what?" Ihre Reaktion: "Und Deutsche finden das witzig?"

ABENDBLATT: Gibt es etwas im Deutschen, was im Englischen fehlt?

BERGMANN: Das Siezen fehlt mir sehr. Mittlerweile kommt es mir komisch vor, wenn ich mich mit einer wichtigen Persönlichkeit auf Englisch unterhalte, und nur das "You" habe. Außerdem vermisse ich die Umlaute, die sehen so niedlich aus! Ein englischer Komiker erklärte einmal die Beliebtheit der Umlaute unter den Englischmuttersprachlern folgendermaßen: "Es ist, als hätten sie zwei Augen. Man schaut den Umlaut an, und der Umlaut schaut zurück." Ich glaube, die Umlaute schaffen eine enge Freundschaft zwischen Leser und Gelesenem.

  • David Bergmann: "Der, die, was? - Ein Amerikaner im Sprachlabyrinth", Rowohlt, 8,90 Euro.