Sonnabend, 26. Mai 2012, 22:44

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Kultur & Live

Komödie: "Hi Dad!" am St.-Pauli-Theater

"Ich dachte, du nimmst die Pille" - Caveman wird Vater

Esther Schweins und Kristian Bader haben aus dem Höhlenmenschen einen Dauerbrenner gemacht. Nun parodieren sie mit "Hi Dad!" die wahre Krise des Mannes: das Vaterwerden.


Foto: Michael Zapf

Hamburg.

Geschlechterkrieg geht immer. Was haben wir schon gelacht über die Macken von Machos und Wichtigtuern, von Zicken und Hohlbratzen und wie sie einander missverstehen. Seit vor knapp zehn Jahren Esther Schweins den Hit "Caveman" mit Kristian Bader als steinzeitlichem Prototyp Mann inszenierte, ist das Stück ein Dauerbrenner auf dem Kiez. Mehr als 700-mal hat allein Bader, der sich mit Eric Schäffler abwechselt, den Mann gespielt, an dem 10 000 Jahre Evolution anscheinend spurlos vorübergegangen sind. Nun folgt die nächste Stufe in der männlichen Entwicklung: der Mann als Vater. Schweins und Bader haben sich dafür das Stück "Hi Dad! Hilfe. Endlich Papa" als Vorlage genommen, um sich über Ängste und Heldentaten werdender Väter zwischen Hechelkursus und Schnullerwissenschaft auszulassen. Heute ist Premiere.

Hamburger Abendblatt:

Der Mann als Vater war ja nicht immer eine komische Figur. Was ist so witzig an Vätern?

Kristian Bader:

Es ist eher Situationskomik. Das Stück beginnt mit einem kinderlosen Paar, das ein anderes Paar mit Kindern beobachtet.

Esther Schweins:

Der Mann sieht keine Gefahr, selbst Vater zu werden.

Bader:

Er denkt, das sei noch nicht sein Thema. Ich spiele mehrere Rollen. Die Frau findet die Kinder der anderen süß, der Mann ist genervt. Natürlich sind Väter nicht per se lustig. Ich spiele aber das ganze Drumherum. Das Kind, den Gynäkologen, die Hebamme. Es gibt theatrale Szenen und gleichzeitig eine kabarettistische Betrachtung der Vorgänge. Ähnlich wie bei Caveman.

Abendblatt:

Wer hat das Stück entdeckt?

Bader:

Thomas Collien vom St.- Pauli-Theater. Es kommt aus Island vom Autor und Caveman-Darsteller Bjarni Thorsson und ist das absolute Pendant zu Caveman. Ich habe es übersetzt, wollte es auch spielen und hab mir gedacht, jetzt fehlt nur noch Esther Schweins als Regisseurin. Ich hab sie angerufen, sie hat ja gesagt - es passte alles.

Schweins:

Wir haben das Stück allerdings stark bearbeitet. Das Original war sehr konservativ und entsprach nicht ganz unserem Humor. Also haben wir es umgearbeitet. Bei uns ist es freudvoll und lustig. Wir sind beide Eltern, kennen uns also in der Thematik gut aus und können das Stück wirklich mit Leben füllen.

Abendblatt:

Welche Klischees über Männer und Väter bieten erkennbare Steilvorlagen?

Bader:

Etwa, dass Männer sich gerne raushalten und mit dem Kinderwunsch ihrer Partnerin überfordert sind.

Schweins:

Der Mann denkt, mit Mitte 40 bin ich bereit für ein Kind. In Wahrheit ist er schon 50 und merkt gar nicht, wie unentschlossen er lange war. Er findet immer neue Themen, bei denen er sich unsicher und machtlos fühlt. Auch bei einem Satz wie: "Ich dachte, du nimmst die Pille" werden sich viele wiedererkennen.

Bader:

Aber ich spiele auch den Typen, der sich mit totalem Eifer aufs Kinderkriegen stürzt, der alles wissen und mitmachen will. Der sich akribisch damit beschäftigt, wie hoch etwa der Giftstoffanteil im Schnuller sein könnte.

Schweins:

Das sind die Kopfschwangerschaften, die ganz besonders schlimm werden, wenn es zu Kopfgeburten kommt.

Abendblatt:

Was beobachten Sie bei Geschlechtsgenossen?

Bader:

Bei meiner Tochter im Kindergarten erlebe ich viele Väter, die gern mit ihren Kindern herumtoben. Stehen mit hochgekrempelten Hosen im Teich und jagen Enten. Die sind Ende 30, haben sich bewusst für ein Kind entschieden und nehmen das aktiv wahr.

Schweins:

Männer entdecken sich als Väter in einer völlig neuen Rolle. Sie werden Mann. Dazu gehören natürlich viele Nöte und Sorgen. Und darin liegt dann wieder jede Menge Komik.

Bader:

Uns wird ja gesagt, wir müssten permanent glücklich sein. Aber wir wissen doch, dass man manche Tage mit seinem Kind verflucht. In Hollywood-Filmen kämpfen Väter gegen die ganze Welt, um ihre Kinder zu retten. Man selbst weiß aber, dass man nach einem Tag mit dem Kind manchmal nicht mal mehr die Kraft hat, den Müll runterzubringen.

Abendblatt:

Was geht gar nicht bei jungen Vätern?

Schweins:

Übereifrigkeit. Er soll nicht die bessere Mutter werden. Solche Typen sind einfach furchtbare Nervensägen. Keine Frau will einen Mann, der ihr während der Presswehen das Prinzip der Waldorfschulen erklärt oder über die Inhaltsstoffe der Wandfarbe fürs Kinderzimmer referiert. Der "Schatz, das ist nicht gesund fürs Kind"-Part ist bei uns zu Hause eindeutig meiner.

Bader:

Einer muss sich informieren, da ist es doch egal ob es der Vater oder die Mutter ist. Heute soll doch jeder alles können. Da müssen die Männer sich eben auch um alles fürs Kind kümmern. Wir sind ja noch in der Emanzipationsphase der Väter, mal sehen, wie sich das entwickelt.

Abendblatt:

Sie haben gemeinsam so viel über Männer und Frauen gelacht. Warum sind Sie eigentlich kein Paar?

Schweins:

Als Regisseurin hab ich Verantwortung und muss die Finger von Abhängigen lassen. Aber wahrscheinlich weiß kein Mann so viel über meine Sicht auf Männer wie Kristian.

St.-Pauli-Theater, Spielbudenplatz 29 - 30, "HiDad!", 9.7. bis 15.8., jew. mittwochs bis sonnabends 20 Uhr, Karten: 47 11 06 66, Internet: www.st-pauli-theater.de

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus