Auf Socken ins Innere des eigenen Körpers

Architects of Air: Die begehbare Luftskulptur auf der Kleinen Moorweide

HAMBURG. Aus der Distanz lässt sich nicht entscheiden, was auf der Kleinen Moorweide los ist. Eine futuristische Fata Morgana? Ein Chemie-Unfall mit bizarrer Blasenbildung? Eine wild wuchernde Hüpfburg? Oder ein Zeltlager für Außerirdische?

Wer den Fremdkörper auf der grünen Wiese schräg gegenüber vom Bahnhof Dammtor verstehen will, der muss seine inneren Werte erkunden. "Luminarium Levity II" ist eine begehbare Luftskulptur der "Architects of Air" aus Nottingham, die vor Jahren schon einmal auf der Moorweide zu Gast waren. Das organisch wirkende Gebilde aus bunten Kuppeln, einem moscheeartigen Zentrum, lauter metallisch-silbrigen Blasen und gedrungenen Verbindungswürsten tritt diesmal als exotischer Vorbote des Sommertheaterfestivals "Laokoon 2006" auf, das am 23. August mit "More or Less, Infinity" von Cie 111 aus Frankreich auf Kampnagel startet. "Luminarium Levity II" öffnet schon an diesem Sonnabend und gibt dem Hamburger Wetter und den Bewohnern der Stadt bis zum 27. August Gelegenheit, ein Kunstwerk mitzugestalten.

"Das Ganze ist eine Skulptur aus Licht, Farben und Luft, die interaktive Kunsterfahrungen schafft", sagt Shanti Freed. Die Ausstellungsmanagerin erzählt, dass die Haut des Luminariums aus halbmillimeterdünnem PVC ("quite delicate") besteht, das vier Monate lang in kompletter Handarbeit vernäht wurde. Die silbergrauen Häute sind lichtabsorbierend, die farbigen lichtdurchlässig. "Sehr hell und freundlich bei Sonne", verrät Shanti und fügt hinzu, dass das Licht im Innern sich ständig verändere - aber immer schön sei. Tröstlich, das zu hören, während der Regen auf die Plastikhaut des Entrees plattert.

Lärm, Regen, Hektik, Schuhe bleiben draußen, und auf Socken geht's über eine Luftschleuse ins Innere, wo ein Labyrinth zu verschiedenfarbig illuminierten Kuppeln führt und immer neue Durchblicke eröffnet. Mal fühlt man sich wie in einer animierten Tropfsteinhöhle, mal wie in einem Science-Fiction-Szenario oder auf einer Reise durchs Innere des menschlichen Körpers. Maximal 80 Besucher gleichzeitig werden eingelassen, damit auf den 800 Quadratmetern kein Gedrängel entsteht, das die innere Ruhe, untermalt von dezenter Ambient Music, stört. Denn das Luftschloss soll, wie Shanti Freed sagt, vor allem eines sein: "calm and relaxing space" - Raum für Ruhe und Entspannung. Es lohnt, sich auf die Socken zu machen. (Lutz Wendler)

  • Luminarium Levity II. Kleine Moorweide, Bahnhof Dammtor, 19.- 27. 8., tgl. 13-20 Uhr, Eintritt 5, erm. 3 Euro; www.architects-of-air.com

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