Schauspielhaus: Theaterparty "Explosion"

Bilder zum Nulltarif - der Dank der Gängeviertel-Künstler

Foto: Roland Magunia

Bei der Party der Gängeviertel-Aktivisten im Malersaal-Foyer gab es Malaktionen, Bilder, Filme, Tanz, viel Musik - und noch viel mehr Besucher.

Hamburg. Sie sind Explosionsexperten. Die Gängeviertel-Aktivisten haben in den letzten fünf Monaten mehrfach, doch immer friedlich für "Explosionen" in der Stadt gesorgt und mithilfe von Sympathisanten aus Bevölkerung, Politik und Kunstszene das historische Viertel vor Verkauf und Abriss bewahrt.

Christine Ebeling, Sprecherin der Initiative, bedankte sich bei der Eröffnung der "Explosions"-Party im Malersaal-Foyer für die breite Unterstützung. "Sie hat uns im Schulterschluss zwischen Hoch- und Sub-Kultur die Kraft gegeben, so explosiv zu sein. Seit Neujahr sind wir wieder zurück in die Druckerei und Fabrik gezogen." Wenn das kein Grund zum Feiern ist. Da ist doch die theatralische Party-Reihe "Explosion" im Jungen Schauspielhaus genau richtig. Seit Juni 2009 gibt es nach den Vorstellungen im Malersaal einmal im Monat den "euphorischen Nachklapp" - wie es Dramaturg Anselm Lenz ausdrückte.

Die Gängeviertler nützten die Gelegenheit, besetzten und bespielten mit befreundeten Künstlern die Gänge zwischen Malersaal-Foyer und Schauspielhaus-Kantine. Zeitweise war kein Durchkommen, so viele Besucher drängelten sich - zum Beispiel in der "Take Away"-Ausstellung. "Dass man so etwas geschenkt bekommt", wunderten sich manche und griffen sofort zu. Andere bedienten sich ebenfalls bei den aufgehängten bunten Blättern mit Comics, Graffiti, Schnappschüssen oder Zeichnungen, warfen aber auch etwas Kleingeld in die Spendenbüchse.

In der "Torbogen-Bar" stockte das Geschiebe bei den "Kollaborations"-Malern. Sie komplettierten oder kommentierten bereits begonnene Bilder im Crossover-Verfahren: Daniel van Eendenburg pinselte zu drei bleichen Eierköpfen auf der Leinwand mit Acrylfarben drei kantige scharfe Körper-Silhouetten.

Wie ein Rattenfänger zog der Electro-Chansonnier "Nova Huta" mit seiner Mundharmonika die Besucher über Treppen und durch Gänge. Auch in der Kantine war kaum ein Durchkommen zum Tresen bei den Acts und Konzerten. Die Band "Estuar" spielte frankophilen Deutsch-Rock auf Englisch mit chansoneskem Einschlag, während David Sick es bei feineren Tönen auf der klassischen Gitarre beließ.

Wem Hören und Sehen längst vor akutem Liebeskummer vergangen war, der konnte bei Tim Haupt und seinem Team eine "Liebeskummer-Versicherung" ( www.liebeskummer-versicherung.de ) abschließen. Oder sich Liz Rech und Sunna Keles, den Girls in Schutzhelmen und weißen Overalls, anschließen: Im Ballettsaal übten sie mit Tanzlustigen im Schnelldurchgang die "7 Gangarten" zum Erfolg ein.

Vor dem allgemeinen Feiern, Trinken und Abhotten in der Kantine bis in den Sonntagmorgen demonstrierte das Dutzend Tanzlustiger im Malersaal-Tunnel unter dem Applaus der Zuschauer das im Workshop Erlernte. Zunächst die vorsichtige, dem Fechten abgeguckte "Gangart des verdeckten Angriffs": kleine Schritte vorwärts, dann langer Ausfallschritt. Leicht behindert wirkte noch die "Gangart der gefeierten Feste": Charleston-Kicken mit zusammengekniffenen Knien. Die Strategie der "kleinen Schritte" wich dann kräftigen "kreativen Ausschlagen" nach hinten und endete im "Freiflug" mit ausgestreckten Armen und Beinen in der "Gangart der überwundenen Hindernisse".

Dass noch etliche zu überwinden sind, haben die Gängeviertler trotz der Schritte zum Erfolg nicht vergessen. Wie tänzerisch demonstriert wurde, wissen sie ganz genau: Der Weg ist das Ziel.

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.