Fernseh-Doku

Cyber-Kriminalität: Der Feind in meinem Computer

Foto: picture-alliance/ dpa / picture-alliance/ dpa/dpa-Zentralbild

Die ARD zeigt eine Dokumentation zum Thema Cyber-Kriminalität. Es geht um den ewigen Kampf zwischen Hackern und Sicherheitsexperten.

Hamburg. Der Hacker beobachtete die 16-jährige Nicoletta durch die Kamera ihres Computers. Beim Hausaufgabenmachen, beim Schlafen, beim Umziehen. Technisch kein Problem. Per Mail hatte ihr der Spanner die Software geschickt, mit der er unbemerkt das Kommando über ihren Rechner übernehmen konnte.

Mit diesem für Eltern wie Teenager gleichermaßen gruseligen Fall beginnt die Dokumentation "Angriff aus dem Internet: Wie Online-Täter uns bedrohen" des ARD-Washingtonkorrespondenten Klaus Scherer, die heute Abend um 22.45 Uhr in der ARD gezeigt wird. Trotz reißerischen Titels setze die 45-minütige Dokumentation nicht auf Panikmache, sagte Scherer gestern dem Abendblatt. "Mir geht es um eine Bestandsaufnahme des aktuellen Stands der Online-Kriminalität."

Von den Klassikern des Onlineverbrechens - Identitätsdiebstahl, Kreditkartenbetrug und Passwortklau - steigert Scherer die Bedrohungsszenarien über Industriespionage bis hin zu Sabotage-Aktionen und Cyberkriegshandlungen. Der Film erbringt dabei auch eine Übersetzungsleistung für alle, die sich nicht zu den "Digital Natives", jenen In-die-digitale-Welt-Hineingeborenen, zählen. Rootkits, Skimming, Botnets und Drive-by-Infections kommen zwar vor, werden für den Laien aber verständlich erklärt.

Scherer war ein Jahr lang in Deutschland und den USA unterwegs, sprach mit Opfern, IT-Experten, Politikern und Polizisten. Zu Wort kommen etwa Ex-Innenminister Thomas de Maizière (CDU), BKA-Chef Jörg Ziercke und der Hamburger Ralph Langner. Der IT-Sicherheitsunternehmer war als einer der Ersten Stuxnet auf die Spur gekommen. Das Virus soll gezielt iranische Atomanlagen beschädigt haben.

Längst lebt eine ganze Branche davon, anderen zu helfen, sich gegen Internetattacken zu verteidigen. Wie weit diese Unternehmen gehen und was sie können, zeigt Scherer beim Sicherheitssoftware-Hersteller Symantec. In der Zentrale, die mit ihren Bildschirmen dem Kommandostand eines Raumschiffes ähnelt, erklären ihm sogenannte Bedrohungsmanager, wie sie mit Honigtöpfen illegale Hacker anlocken. "Honeypots" nennen die Sicherheitsexperten Computer, die nur am Netz sind, damit sie attackiert werden können. Die Symantec-Experten überwachen diese Rechner, zeichnen die Angriffe auf und lernen so, wie ihre Gegner vorgehen und welche Sicherheitslücken sie dabei ausnutzen.

Im Film wird deutlich: Internetkriminalität ist ein permanenter Kampf zwischen Hackern auf der einen und Behörden, Sicherheitspersonal und Bürgern auf der anderen Seite. Es liegt in der Logik dieses Kampfes, dass die Verteidiger regelmäßig den Kürzeren ziehen. Die Angreifer sind meist einen Schritt voraus. "Es ist ein Wettstreit um Know-how, aber die Verteidiger können nur reagieren", sagt Scherer.

Wie kann sich der Einzelne wehren? Es gebe einfache Kniffe, sagt Scherer, wie bei der analogen Kriminalität auch. Der gesunde Verstand rät davon ab, nachts durch dunkle Gassen zu gehen oder die Balkontür offen zu lassen. Er rät auch davon ab, immer das gleiche Passwort zu verwenden, seinen Geburtstag bei Facebook einzustellen oder Viagra über den Link in der Spam-Mail zu ordern. Scherer geht noch einen Schritt weiter. Seit seiner Begegnung mit Nicoletta, deren Spanner übrigens wegen einer Macke der Spionagesoftware gefasst und zu 22 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt wurde, hat er die Webcam seines Laptops abgeklebt.

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.