Laeiszhalle: Beeindruckende Edita Gruberova

Vokalakrobatische Bravournummern

Das Beste - oder, sagen wir mal: das Beeindruckendste - hatte sie sich bis zum Schluss aufgehoben.

Hamburg. Im Zugabenteil des umjubelten Laeiszhallen-Auftritts im Rahmen der Reihe Pro Arte ließ Edita Gruberova nicht nur ihr komödiantisches Talent aufblitzen (bei der "Lach-Arie" aus der "Fledermaus"), sondern vollführte auch noch ein paar vokalakrobatische Drahtseilakte in den schwindelerregenden Höhen der "Villanelle" von Dell'Acqua. Da gurrte die Goldkehle der "slowakischen Nachtigall" geläufig wie eh und je. Keine Frage, auch mit über 60 Jahren hat die Königin der Koloraturen immer noch die Krone auf. Je höher, desto schöner, lautet das Erfolgsrezept der Starsopranistin, um das sie nicht wenige Kolleginnen beneiden.

Die effektvollen Bravournummern waren das i-Tüpfelchen eines Abends, an dem ja eigentlich nicht die technischen Kabinettstückchen, sondern die intimen Dialoge des Liedgesangs im Zentrum standen. Und auch dabei erwies sich Gruberova als kunstvolle Interpretin: Nachdem sie im eröffnenden Mozart-Block ein paar klangliche und intonatorische Probleme weggesungen hatte, fand sie im Zusammenspiel mit ihrem neuen, sensibel mitatmenden Klavierpartner Stephan Matthias Lademann zu vielen innigen Momenten. Sehr schön etwa die hauchzarte Pianissimo-Wiederholung des Rufes nach der Geliebten namens Luise, am Ende von Schuberts "Jüngling an der Quelle", oder die fast gesprochenen Zeilenanfänge beim "Gretchen am Spinnrade": Hier wurde die innere Erregung des jungen, von erotischen Gefühlen verunsicherten Mädchens förmlich mit Händen greifbar.

Nach der Pause, bei den acht Liebesliedern von Antonin Dvorak und in den spätromantisch-süffigen Stücken von Richard Strauss, war Edita Gruberova endgültig in ihrem Element und kostete eine breite Palette von melancholisch dunklen Tönen bis zur hell gleißenden Strahlkraft aus. Auch wenn ihr Timbre nicht über die Wärme manch anderer Sänger verfügt und das Lied nach dem Opernrepertoire spürbar eher ihre zweite Heimat bleibt: ein beeindruckender Abend mit einer großen Sängerin.

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