SHMF: Konzert in Lübeck

Eschenbach und Lang Lang brillierten

Gleich drei Titanen standen beim Festivalkonzert in der Lübecker Musik- und Kongresshalle auf Programm und Bühne: Mahlers Erste Sinfonie, SHMF-Eminenz Christoph Eschenbach und Tastenritter Lang Lang.

Lübeck. In Prokofjews Klavierkonzert Nr. 3 untermauerte der chinesische Pianist einmal mehr seinen Status als "angesagtester" Klassikstar. Makellose Technik und intuitiv sinnfällige musikalische Gestaltung verbinden sich bei ihm mit kalkulierter Lässigkeit und weißen Michael-Jackson-Socken. Seine überaffektierten mimisch-gestischen Manierismen hat er weitgehend abgelegt, nur bei technischen Kabinettstückchen konnte er es sich mitunter nicht verkneifen, betont unbeteiligt ins Publikum zu blicken. Die lyrischen Episoden des Konzerts, etwa die4. Variation des Mittelsatzes, breitete Lang Lang wunderbar schwebend aus. Energisch durchpflügte er die virtuosen Läufe der Ecksätze. Auch der Kontakt zu Christoph Eschenbach und dem Tutti konnte besser kaum sein. Am Ende belohnte Lang Lang sich und die Halle noch mit der "Tristesse"-Etüde von Chopin.

Dass die zweite Konzerthälfte, Mahlers Erste, sogar noch gefühlsintensiver geriet, war dem Schleswig-Holstein Festivalorchester zu verdanken. Zwar zerfaserte die Einleitung in Intonation und Dynamik, doch mit dem Hauptthema erreichten die Musiker jenes Maß an kollektiver Spannung, das für interpretatorische Geniestreiche notwendig ist. So delikate Rubati etwa, wie Christoph Eschenbach sie im Ländlertrio des zweiten Satzes oder dem zwischen Trauermarsch und Klezmer schwankenden dritten Satz modellierte, sind bei Probenphasen-Orchestern nicht selbstverständlich. Von Eschenbach mit großer Geste angetrieben und von der glänzenden Horngruppe vorschriftsmäßig stehend angeführt, strebte das Orchester schließlich dem gewaltigen Schluss und entsprechendem Applaus entgegen.

Lang Lang und Christoph Eschenbach wiederholen das Prokofjew-Konzert am So, 16.8., in Neumünster

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