"Everest. Geister" - Monsun auf der Höhe

Warum den höchsten Berg der Erde besteigen, wenn man dabei das eigene Leben riskiert? "Weil er da ist", soll der britische Bergsteiger George...

Hamburg. Warum den höchsten Berg der Erde besteigen, wenn man dabei das eigene Leben riskiert? "Weil er da ist", soll der britische Bergsteiger George Mallory schlicht geantwortet haben. "Das ganze menschliche Streben in einer Formulierung", spottet sein Bergsteigerkollege Andrew "Sandy" Irvine im Theaterstück "Everest. Geister" über diesen Satz.

Der Hamburger Autor und Regisseur Sven Lange hat in seinem Stück die Geschichte der Everest-Pioniere Mallory und Irvine pfiffig und mit viel Witz umgesetzt. Die Premiere war eine doppelte, denn erstmals wurde der aufgestockte Theatersaal bespielt, der dem Ottensener Monsun-Theater mehr Möglichkeiten und den Aufstieg zu neuen Höhen eröffnet.

Mallory und Irvine wollten 1924 den höchsten Gipfel der Welt als erste Menschen erklettern. Ihre Expedition misslang, beide starben. In Langes Stück beobachten sie als Berggeister heutige Gipfelstürmer. Rückblenden erzählen von ihrer eigenen gescheiterten Mission.

Die Inszenierung kommt mit einem kargen Bühnenbild aus, getragen wird sie von der überzeugenden Schauspielerleistung. Vitus Wieser (Mallory) und Cornelius Henne (Irvine) wechseln geschickt zwischen Komik und Tragik. Der scharfe Kontrast zwischen dem tödlichen Ernst der Expedition und dem sarkastischen Humor der Berggeister illustriert, was schon "Sandy" Irvine ironisch erkannte: die Absurdität menschlichen Strebens.

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.