Porträt von Heinrich Heines Tante entdeckt

HAMBURG. Anfang 2005 machte der Hausmeister der jüdischen Gemeinde im Keller der Hamburger Synagoge eine erstaunliche Entdeckung: Er fand insgesamt sechs eingerollte Leinwände, die jahrzehntelang unbeachtet geblieben waren. Schon bald stand fest, daß es sich um Gemälde handelt, die Porträts von Hamburger Juden aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert zeigen. Auf einem der Bilder ist Betty Heine, die Ehefrau von Salomon und Tante des Dichters Heinrich Heine, zu sehen - zweifellos ein bedeutendes Bilddokument der Hamburger Kulturgeschichte. Der Bankier Salomon Heine hatte das Israelitische Krankenhaus 1842 zum Gedächtnis an die kurz zuvor verstorbenen Betty gestiftet.

Da sich die Bilder in sehr schlechtem Zustand befanden, bat die jüdische Gemeinde das Denkmalschutzamt um Hilfe. Daraufhin wurden die Kunstwerke in die Restaurierungswerkstatt für sakrale Kunst in die Hauptkirche St. Jacobi gebracht und dort untersucht und vorläufig konserviert.

Inzwischen konnte das Porträt von Betty Heine restauriert werden. Da die Restaurierung der fünf übrigen Gemälde die finanziellen Möglichkeiten der Jüdischen Gemeinde weit übersteigt, werden jetzt Sponsoren gesucht. Morgen werden Landesrabbiner Dov-Levy Barsilay und Andreas C. Wankum, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Hamburg, gemeinsam mit Michael Doose vom Denkmalschutzamt und Jacobi-Hauptpastor Karl-Günther Petters das Restaurierungsprojekt auf einer Pressekonferenz in St. Jacobi vorstellen.

Wie die Bilder in die erst 1960 errichtete Synagoge in der Hohen Weide gelangt sind, ist bislang nicht bekannt. Auf der Rückseite klebten Zettel, die Auskunft über die Identität der Porträtierten und deren Rolle in der Jüdischen Gemeinde geben.

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