Christy Moore stürmisch gefeiert

Laeiszhalle: Rückkehr einer Ikone der Irish Folk Music

HAMBURG. Während vom Millerntor der Jubel über das 1:0 bis zum Brahmsplatz schallte, bereiteten sich in der ausverkauften Laeiszhalle die Besucher auf ein anderes, ebenso begeisterndes Ereignis vor. Christy Moore (60), die wohl einflußreichste Ikone des Irish Folk, war wieder in Hamburg - zum ersten Mal seit neun Jahren. Kaum hatten er und sein langjähriger Freund und Mitstreiter Declan Sinnott - Folkfans kennen ihn als Gitarristen der "Horslips" und "Moving Hearts" - die schlicht erleuchtete Bühne betreten, brandete tosender Applaus auf.

Ein guter alter Bekannter wurde willkommen geheißen, und im Gepäck hatte er mehr als 20 Songs: "Natives", "Don't forget your shovel", "Missing you", "The reel in the flickering light", "Back home in Derry". Lieder über Liebe und Trennung, den Alltag in Irland, die sozialen und politischen Mißstände dort und anderswo, die meisten getragen und melancholisch. Selten einmal, daß das Publikum Gelegenheit zum Mitklatschen erhielt.

Ab und an verteilte Moore böse Spitzen, die von seinem Engagement zeugen: "Amerika, ich liebe dich, aber bleib bitte dort, wo du lebst", heißt eine Liedzeile. Fans der Formation "Planxty", die Moore 1969 mitbegründet und 1974 verlassen hatte, waren vielleicht ein wenig enttäuscht - er sang nur zwei Songs der Gruppe. Doch dafür entschädigte Moore mit mitreißenden Versionen von "Lisdoonvarna" oder "Black is the colour".

Declan Sinnott unterstützte die Songs mal mit Understatement, mal rockte er los wie ein Irrwisch. Seiner Slide-Gitarre entlockte er hawaiisch gefärbte Blues-Licks, die einem Ry Cooder zur Ehre gereicht hätten. Zwischendurch fand Moore immer noch Zeit, launige Anekdoten zu erzählen oder Liedwünsche zu erfüllen. Das Publikum war begeistert: Viermal rief es Christy Moore mit Standing Ovations auf die Bühne zurück.

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