Rökk-Schau

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Andenken: Das Filmmuseum in Berlin zeigt den Nachlaß der Kino-Legende Marika Rökk

Berlin. "Am besten", hat Marika Rökk irgendwann zu ihrer Tochter gesagt, "du machst aus unserem Haus in Baden bei Wien ein Museum." Ein schönes Marika-Rökk-Museum. Das hat die Tochter - "Und wo werde ich dann leben?" - verständlicherweise nicht gemacht. Sie hat den Nachlaß ihrer Mutter vielmehr der Deutschen Kinemathek in Berlin übergeben. Wo er sehr gut aufgehoben ist. Schließlich hat die Rökk ihre wichtigsten Filme in Babelsberg bei der Ufa gedreht.

Sie war süß. Voller Witz und Charme. Nicht nur hochbegabt, sondern auch ungeheuer ehrgeizig. Eine stupende Tänzerin. Singen konnte sie auch. Und dann war da noch dieser reizende ungarische Akzent, den ihr Regisseur und späterer Ehemann Georg Jacoby so geschickt einsetzte und den die Kinogänger so liebten. Die Rökk ist so unverwüstlich und energisch gewesen, daß ihre Karriere sogar das Kriegsende überstand. Mit einer kleinen Pause, in der man sie zu Unrecht verdächtigte, als Spionin für die Nazis gearbeitet zu haben. Sie sei damals bespuckt worden, schrieb sie noch dreißig Jahre später in ihren Erinnerungen "Herz mit Paprika". Und fragte empört: "Wofür habe ich gebüßt?"

In der ersten Nachlaß-Ausstellung, die das Berliner Filmmuseum der Rökk jetzt widmet - sie starb im Alter von 91 Jahren am 16. Mai 2004 - findet sich ein Telegramm mit der Antwort. "Mein Führer!" heißt es da, "Für die wunderbaren Blumen vielen herzlichen Dank, ich habe mich riesig darüber gefreut. Wenn ich Sie, mein Führer, für ein paar Augenblicke erheitern und von Ihrer verantwortungsvollen Arbeit ein wenig ablenken konnte, so bin ich darüber unendlich stolz und glücklich. Mit deutschem Gruß, Ihre Marika Rökk." Datiert: 12. November 1940. Die Rökk hat zwar an keinem Propagandafilm mitgewirkt, aber Kassenknüller wie "Hab' mich lieb", "Frauen sind doch bessere Diplomaten" oder "Die Frau meiner Träume" fielen zwangsläufig in die Kategorie "Durchhaltefilm". Sie lenkten eben nicht nur den "Führer" ab, sondern auch die anderen Deutschen beziehungsweise Österreicher.

Ihre Mutter sei "wahnsinnig optimistisch" gewesen, hat Gabriele Jacoby anläßlich der Ausstellungseröffnung in Berlin gemeint. Bis zum Ende. Wer sich die Ausschnitte aus einer Sendung mit Alfred Biolek anschaut, in der die Rökk vor Munterkeit nur so strotzte, kann das nur bestätigen. Bei diesem Auftritt war sie schon über achtzig (was man ihr wirklich nicht ansah) und sagte so ulkige Sachen wie: "Meine ersten drei Filme waren kalter Kaffee!" oder "Schimmi ist viel schwieriger als Charleston: Der ganze Körper muß zittern!"

Insgesamt umfaßt die Schau mehr als einhundert Exponate. Plakate und Programme, Musikarrangements und Verträge, Fotos, Tanz- und Spielszenen aus Erfolgsfilmen wie "Gasparone", "Sensation in San Remo" oder "Nachts im Grünen Kakadu". Außerdem werden die berühmten Steppschuhe gezeigt und der Blaufuchs, in dem die Rökk 1951 zur Premiere ihres Films "Die Csardasfürstin" erschien. In einer der Vitrinen steht das allererste "Bambi" (damals noch aus weißlasierter Fayence), mit dem die Rökk 1948 ausgezeichnet wurde, und natürlich wird der legendäre Rökksche Ausflug in die Welt der Werbung per Video gewürdigt: "Hormocenta macht jung und schön. Oh, sie nimmt es auch schon! Ja, je früher, je besser."

Marie Karoline Rökk, die sich 1962 mit einer "Fledermaus"-Adaption aus dem Filmgeschäft verabschiedete, kehrte 1987 für Peter Schamonis "Schloß Königswald" noch einmal vor die Kamera zurück. Da spielte sie eine von sieben alten Schachteln, die irgendwo im Böhmerwald darauf warten, daß der Krieg zu Ende geht. Das war grandios und hochkarätig besetzt: Neben der Rökk agierten die Ufa-Heroinen Camilla Horn, Carola Höhn und Marianne Hoppe. Auch aus diesem Film hält die Ausstellung Ausschnitte bereit.

"Marika Rökk" , bis zum 4. September im Filmmuseum Berlin, Potsdamer Str. 2, U/S-Bahn Potsdamer Platz, Di bis So von 10 bis 18 Uhr , Do bis 20 Uhr geöffnet.

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