Wenn das Pentagon in Hollywood Regie führt

Politstrategie: CIA, Verteidigungsministerium und andere Behörden reden in Amerika bei Filmprojekten gern mit. Die einen sagen: Das ist normal. Die anderen: Unerträglich!

Washington. Phil Strub liest nach eigenen Angaben pro Jahr "rund 100 Drehbücher", die ihm in seinem Büro in Hollywood auf den Schreibtisch kommen. Sicherlich nichts Ungewöhnliches in der Traumfabrik, wenn man einmal davon absieht, daß Strub auf der Gehaltsliste des Pentagon in Washington steht. Der ehemalige Karrieresoldat leitet seit 16 Jahren das Verbindungsbüro des US-Verteidigungsministeriums in der amerikanischen Filmmetropole.

Jeder der großen Regisseure kennt Strub. Das Pentagon ist jedoch keineswegs die einzige Regierungsstelle, die in Hollywood präsent ist und auf Tuchfühlung mit den Filmemachern geht.

Sowohl der Geheimdienst CIA als auch die Bundespolizei FBI stehen gern zu Gesprächen mit Regisseuren zur Verfügung. Neuestes Mitglied in dem elitären "Berater-Klub" ist Bobbie Faye Ferguson vom Ministerium für Heimatsicherheit.

Die Ziele aller Ministerien und Behörden sind identisch: positive Darstellung ihrer Organisationen. Als Gegenleistung gibt es Originalgerät, kostenlose Drehorte auf Militärbasen, Kriegsschiffen und in Geheimdienstbüros sowie Beratung durch Experten, damit alles möglichst wirklichkeitsgetreu aussieht.

Für Verbindungsbeamte wie Strub, Ferguson oder ihren CIA-Kollegen Chase Brandon ist diese Unterstützung "das Normalste auf der Welt", während nicht wenige in Hollywood von einer "unerträglichen staatlichen Einflußnahme" auf Filme sprechen und das Gekungel anprangern. David Robb, Autor des Buches "Operation Hollywood; How the Pentagon shapes and censors the Movies", nennt die Zusammenarbeit "Hollywoods kleines, dreckiges Geheimnis" und resümiert sarkastisch: "Das einzige, was Hollywood noch lieber mag als einen guten Film, ist ein guter Deal."

Auch wenn sie sich natürlich ungern Manipulation seitens des Pentagon, der CIA oder anderer Regierungsstellen unterstellen lassen wollen, machen Regisseure normalerweise kein Geheimnis daraus, daß man schon aus Kostengründen oft auf eine Zusammenarbeit angewiesen sei. Ein Militär- oder Kriegsfilm ohne Hilfe des Pentagon treibt die Produktionskosten enorm in die Höhe. Strub höflich: "Wir können Filmen Authentizität verleihen, wo sie sonst nur schwer oder unmöglich zu finden ist." Daß für die Unterstützung mit ein paar Black-Hawk-Helikoptern, einem Flugzeugträger und einigen hundert Original-Uniformen "ein gewisses Entgegenkommen" beim Drehbuch erwartet wird, versteht sich nach Meinung von Strub "von selbst".

Filme, wo kein positives und patriotisches Bild vom US-Militär gezeichnet wird, brauchen nicht mit Unterstützung des Pentagons zu rechnen. Zu Filmen, denen in den letzten Jahren Hilfe verweigert wurde, gehören so bekannte Produktionen wie "Courage under Fire" mit Denzel Washington und Meg Ryan, Roland Emmerichs "Independence Day", Steven Spielbergs "Saving Private Ryan" mit Tom Hanks oder Francis F. Coppolas Vietnamkrieg-Epos "Apocalypse Now", aber auch der sechsfache Oscar-Gewinner "Forrest Gump".

Filmen, in denen US-Soldaten in einem positiven Licht dargestellt wurden, stand das Pentagon dagegen mit Rat und Tat zur Seite. So unterstützte das US-Verteidigungsministerium auf Kosten der Steuerzahler Produktionen wie Ridley Scotts "Black Hawk Down", Wolfgang Petersons "Air Force One" mit Harrison Ford, "Armageddon" mit Bruce Willis, "Pearl Harbor" oder "Top Gun" mit Tom Cruise.

Bei der CIA läuft es nicht anders. Der ehemalige Undercover-Agent Brandon schreibt nicht selten ganze Passagen in Drehbüchern um, bevor er den Regisseuren mit Know-how oder einem Passierschein in die CIA-Zentrale in Langley hilft. Die bekanntesten Filme, bei denen seine Kooperation zuletzt gefragt war, sind "The Bourne Identity" und dessen Fortsetzung "The Bourne Supremacy" sowie die TV-Erfolgsserie "Alias". Das Ministerium für Heimatsicherheit mischte unlängst kräftig bei Steven Spielbergs "The Terminal" mit.

Weder die Ministerien und Behörden noch die Filmemacher beschweren sich, wenn auch aus verschiedenen Motiven, über die nicht zu leugnende Einflußnahme auf Filme. Strub seinerseits macht kein Geheimnis daraus, daß er vom Pentagon unterstützte Filme als Propagandawerkzeug für eine "Verbesserung der Rekrutierungszahlen" ansieht.

Für den Journalisten David Robb ist es nach seinen Recherchen jedenfalls klar, daß der Rekrutierungs-Aspekt beim Pentagon im Vordergrund steht. Robb: "Ich frage mich zur Zeit, wie viele im Irak gefallen sind, weil sie zum Militär gingen, nachdem sie glorifizierende Kriegsfilme gesehen haben? Wie viele mußten sterben auf Grund dieser unbekannten Rekrutierungs-Propaganda?"

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