Das Handbuch zum Abhängen

Hamburg. Schon Benjamin von Stuckrad-Barre hat es uns zur Genüge beschrieben: Bestimmte Freundschaften gibts nur unter Männern - beziehungsweise Jungs. Aber ist da überhaupt ein Unterschied? Und Frauen verstehen Stuckrad-Barres Bücher eh nicht. Selbst, wenn sie sich beim Lesen kaputtlachen und zu Geburtstagen bevorzugt "Soloalbum" verschenken: "Nee, ihr versteht das einfach nicht." Egal. Was wir sagen wollten: Es gibt jetzt - mal wieder - noch so ein Buch. "M wie Moosplauze" von Dirk Rothmund, veröffentlicht über "bod" ("books on demand"), zu bestellen im Internet (153 S., 18,50 Euro). Nicht so gut geschrieben wie "Soloalbum", ein bisschen zu arg mit Markennamen gespickt, aber irgendwie trotzdem ganz unterhaltsam. Vor allem für Hamburger. Vor allem für solche, die ihren Milchkaffee beim Portugiesen in der Schanze schlürfen - also jeden. Vor allem für solche "Styler" (O-Ton), die regelmäßig ins Fitness-Studio rennen und sich über die Sneaker an den Füßen anderer Leute Gedanken machen (tut Gott sei Dank nicht jeder). In seinem ersten Roman, der eigentlich gar kein Roman, sondern ein Erzählband ist, hat der 36 Jahre alte Werbetexter Dirk Rothmund seinen Freunden und sich selbst als "Protagonauten" ein literarisches Denkmal gesetzt. Es geht ums "Chillen", ums Abhängen, Bekannte treffen, Musik hören und eben Kaffee (oder Caipi) trinken. Sonst um nicht so viel. Aber dafür sind alle Locations echt und fett gedruckt, und das ist tatsächlich ganz lustig, denn so ist Rothmunds Nicht-Roman eigentlich ein Szene-Führer - samt ausführlicher Adressenliste und HVV-Plan im Anhang. Und unter den Szene-Führern ist "M wie Moosplauze" nun wirklich ein "Soloalbum". Nicht nur für Jungs.

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