500 Medienmacher diskutieren über die Zeitung im Netz

Wien. Was ist ein aufwendig recherchierter und besonders gut geschriebener Text noch wert, wenn er im Internet verschenkt wird? Zunehmend setzen Zeitungen - wie es auch das Hamburger Abendblatt erfolgreich mit täglich mehr als 3000 digitalen Abonnenten tut - darauf, ihre exklusiven Inhalte nicht mehr kostenlos zur Verfügung zu stellen. "Es ist eine Herausforderung, mit der Gratiskultur des Internets zu brechen, aber es wird notwendig sein", sagte George Nimeh, Online-Chef des österreichischen "Kurier".

"Alles gratis, alles bezahlt - oder gibt es einen Mittelweg?" Diese Frage ist gestern als Schwerpunkt auf dem European Newspaper Congress, einer Ideenschmiede für mehr als 500 Zeitungsmacher aus ganz Europa, diskutiert worden. "Bisher funktionieren nur Modelle, bei denen die sogenannte Bezahlmauer Löcher hat", sagte Johannes Vogel, Leiter Digitale Medien bei der "Süddeutschen Zeitung". Es sei wichtig zu entscheiden, welche Artikel nicht frei zugänglich sein sollten. "Alles mit einem Bezahlschloss zu versehen, das halte ich für nicht realistisch."

"Exklusiv und überraschend", am besten auch in der Online-Präsentation, müssten Inhalte sein. "Dann ist der Leser auch bereit, für diese besondere Leistung seiner Zeitung zu zahlen", sagte Jochen Wegner, Berater für digitale Strategien. Einen ungewöhnlichen Weg gehen schon jetzt die Zeitungen in der Slowakei und Slowenien: Dort zahlt der Leser 3,90 Euro monatlich für eine "landesweite Flatrate" mit Zugang zu Dutzenden von Nachrichtenseiten. Das Modell soll bis 2013 auf zehn weitere Länder ausgeweitet werden.

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