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Kultur & Live

Galerien verleihen dem Quartier besonderes Flair

Die junge Kunst im Sog der Altstadt

Die Steinstraße ist der Kultur-Limes. Südlich und östlich von ihr wird konzentriert Kunst angeboten.

Hat den Wechsel vom Stilwerk zur altstädtischen Hopfenburg nicht bereut: Peter Borchardt.
Foto: Andreas Laible

Hamburg. Peter Borchardt strahlt rundum Zufriedenheit aus. Ein etwas ungewöhnlicher Anblick für einen Galeristen dieser Tage angesichts des maroden Kunstmarktes. Was gibt es da zu lachen? Eigentlich gar nichts, denn dass vom Galeriengeschäft allein nicht zu leben ist, weiß auch Borchardt. Aber er hat einen anderen Grund zur Freude. Über zehn Jahre hielt er als einziger Vertreter seiner Spezies im Designhaus Stilwerk eine einsame Stellung. Dann besann er sich seiner alten Liebe zur Hamburger Altstadt, suchte nach neuen Räumen und wurde durch Zufall auf die Hopfenburg aufmerksam. Anfang Mai hat er hier, in der Hopfenstraße, seine neuen Räume eröffnet. Zusammen mit den BN-Architekten, mit dabei seine Ehefrau Jessica.

Bereits vor gut fünf Jahren hielt Robert Morat mit seiner Galerie für Fotografie Einzug in die Altstadt. Der Wahlhamburger erweist sich damit nachträglich gesehen in diesem Areal als first mover. Die Altstadt und ihre Peripherie von der Speicherstadt über Münzviertel (Renate Kammer) bis nach St. Georg (Hafenrand) hat sich immer mehr zum Geheimtipp unter Hamburgs Galeristen herumgesprochen.

Ob die Galerie White Trash Contemporary, die nach ihrem Ausflug auf die Fleetinsel wieder zur alten Wirkungsstätte nahe der Nikolaikirche fand, die Ex-Eppendorfer Galerie Carolyn Heinz oder die Galerie Conradi von Index-Organisatorin Elena Winkel: Die Altstadt hat unwiderstehliche Sogwirkung. Verständlich, denn die nahe gelegene Steinstraße erweist sich als Kultur-Limes. Nördlich dieser unwirtlichen Schneise erstreckt sich langweiliges Fußgängerzonen-Terrain. Gen Süden rund um das Chilehaus lockt hingegen innerstädtischer, leicht hügeliger Charme mit bis dato großhandelskettenfreiem Geschäfte-Mix, Restaurants und Cafés.

Galerist Morat schwärmt von der architektonischen Intaktheit der Kleinen Reichenstraße, Borchardt von der animierenden Nachbarschaft, ebenso Carolyn Heinz, die dem kollegialen Miteinander fast schon dörflichen Charakter zuspricht. Auch alteingesessene Galeristinnen wie Kirstin Hengevoss im Galerienhaus am Klosterwall begrüßen die neue Entwicklung in der Nachbarschaft. Eine lebendige ebenso wie sich inhaltlich ergänzende Mischung aus Kunstinstitutionen, unter anderem den Deichtorhallen und Kunstverein, Galerien und weiteren kulturellen Einrichtungen scheint zum Greifen nahe.

Jörg Heikhaus von der Galerie heliumcowboy artspace bringt die Attraktion der Gegend südlich und östlich um den Hauptbahnhof auf den Punkt. Soeben verließ er das trendy Schanzenviertel, um sich im Bieberhaus einzuquartieren. "Hier", so der Galerist, "gibt es eine ganz andere Sichtbarkeit, ein größeres und breiteres Publikum." Es sei der einzige Ort Hamburgs, der "Metropolcharakter besitzt". Hier lässt sich atmen, ohne von nacktem Kommerz oder urbaner Hipness umzingelt zu sein. Und hier ist man sofort mittendrin, egal ob aus London oder Berlin angereist. Am weitesten in den Süden hat sich bislang die Galerie Caesar & Koba in die Speicherstadt vorgewagt. Etwas ambivalent beurteilt das Galeristen-Paar die aktuelle Situation. Denn noch sind sie als Galeristen allein in ihrer denkmalgeschützten Umgebung. Sie hätten sich mehr kulturelle Entwicklung in der Speicherstadt gewünscht. Aber dass die Altstadt in den Fokus der Kunst gerät, erfreut auch sie, vor allem die Aussicht auf gemeinsame Aktivitäten. So gibt es zum Saisonstart im September eine erste gemeinsame Eröffnung fast aller der mehr als zehn Galerien in der Altstadt und deren Umgebung. Bleibt zu hoffen, dass die Stadt ihre Chance nutzt und ihre Immobilien zukünftig kulturgerecht vermietet. Das wären dann ausnahmsweise positive Nachrichten aus der oft an ihrer eigenen Kultur-Larmoyanz erstickenden Hansestadt.

 

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