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Kultur & Live

Konzert-Kritik

Partyspaß beim Urlaub in der Sporthalle

Keine langweilige Vorband, kein hinausgezögerter Konzertbeginn: Das Saallicht erlischt, und ab geht die Post: Ärzte-Gitarrist Farin Urlaub auf Solotournee.


Foto: dpa

Hamburg. Die Ränge mit schwarzen Tüchern verhängt, der Innenraum lediglich zu 80 Prozent gefüllt - ein halbes Jahr nach dem letzten, ausverkauften Konzert von Farin Urlaub Racing Team in der Sporthalle hält sich das Publikumsinteresse deutlich in Grenzen. Auch dem Ärzte-Gitarristen auf Solopfaden fällt das natürlich auf, aber eine flapsige Bemerkung nur, und dann wird wieder positiv gedacht. "Das Leben kann so schön sein, wenn man sich nicht stressen lässt. Einfach nur zu lächeln ist ein herrlicher Protest", singt Urlaub in "I.F.D.G." und das ist auch das Motto dieser mehr als zweistündigen Party, die Punkt 20 Uhr beginnt.

Keine langweilige Vorband, kein künstlich hinausgezögerter Konzertbeginn, um die Spannung dadurch zu erhöhen. Das Saallicht erlischt, und ab geht die Post. Vier Bläser, drei Background-Sängerinnen, eine Bassistin, eine Gitarristin und eine Schlagzeugerin stehen mit dem 45-Jährigen, der ganze 10 Jahre jünger wirkt, auf der Bühne und sorgen von der ersten Sekunde an für ein Feuerwerk der guten Laune. Songs wie "Am Strand", "Petze" oder "Die Leiche" singen die 2500 Fans so enthusiastisch wie textsicher mit, und bei "Der ziemlich okaye Popsong" ist es wieder an der Zeit für die legendäre "Wall of Death", bei der Teile des Publikum sich erst voneinander wegbewegen, um dann aufeinander zuzustürmen. Ein echtes Mitmach-Konzert also, bei dem Fan Cora zu "I.F.D.G." auf der Bühne tanzen darf und der komplette Mob zu "Zehn" wild hüpfend die Belastbarkeit des Hallenbodens testet.

Zum Verschnaufen gibt's amüsante Ansagen, mit denen Urlaub meist sich selbst auf den Arm nimmt, einmal trifft es auch die "Hamburger Schule" aus Bands wie Tocotronic oder Blumfeld.

Kritiker haben Urlaub gelegentlich vorgeworfen, er führe lediglich das Erfolgsrezept der Ärzte fort und variiere nur eine einzige Songidee. Selbst wenn das so wäre: Am puren Partyspaß eines Racing-Team-Konzerts ändert es nichts. Als nach dem dritten Zugabenblock inklusive kurzer "Zehn"-Reprise die verschwitzte Menge Richtung Ausgang strebt, sind glücklich-erschöpfte Gesichter jedenfalls allgegenwärtig. Um so erstaunlicher, dass sich ein paar Tausend Urlaub-Fans aus Hamburg und Umgebung diesen Spaß diesmal haben entgehen lassen. Selbst schuld! (hot)

 

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