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Kultur & Live

Neue Wörter zum Klausleihen

Mögen Sie frühfroh Brötchenwatte?

Wissen Sie, was "Sehnsorge" ist? Da sagt Ihnen endlich der Mann (die Frau), den Sie schon lange anhimmeln, wie aufregend er Sie findet. Nur: Sie sind inzwischen anderweitig gebunden.

Da haben Sie die Sehnsorge. Gemeint ist damit das zwiespältige Gefühl, wenn etwas genauso kommt, wie man es erhofft hat.

Dieser Begriff jedenfalls ging vor "Huchglück" oder "Erwartungsschreck" in dieser Woche als einer der Sieger aus einem Sprachwettbewerb hervor, den der TV-Sender 3sat und der Deutsche Taschenbuch Verlag im Herbst gestartet hatten. Gesucht wurde nach kreativen Begriffen für ein Gefühl, ein vertrautes Ding oder einen bestimmten Zustand, für die es bisher noch keinen Namen gab.

Damit war nicht etwa gemeint, dass Sie sich kaum noch daran erinnern können, wie Ihr vertrautes Ding hieß, bevor Sie es "Schnurpsel" nannten, oder ob der Zustand für Ihre Wohnung wirklich korrekt mit "genug Platz für herumliegende Socken" beschrieben wird. Nein, gesucht wurden neue Wortschöpfungen für 40 Phänomene, etwa für "frühmorgens schon sehr gut gelaunt sein", "nicht riechen können" oder "die Bevorzugung von gut aussehenden Menschen". "Frühfroh" gewann da beispielsweise vor "Morgenoptimist". Die "Nasennull" hat's hingegen für die Nichtriecher nicht ganz geschafft, ebenso wenig wie "geschmackslahm" für "nicht schmecken können". Und was die Gutaussehenden betrifft, für die uns bisher nur neidisch ein "eitler Affe" oder "die ist sicher dumm" zur Verfügung stand, so könnten wir jetzt mit "Adonisbonus" oder "Augenfalle" kontern. Ach, was würde uns noch alles einfallen, was bisher begriffslos ist. Wie nennt man es, wenn man dem Chef die Wahrheit sagt? "Kündigungsgrund" kann ja wohl nicht stimmen.

Unser Wortschatz hat sich in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 8000 Wörter vermehrt. Im Durchschnitt. Für Bewerber von Castingshows, Lothar Matthäus und Naddel gelten sicher andere Werte. Welche neuen Wörter in den allgemeinen Sprachgebrauch übernommen werden, wird sich zeigen. "Ohallodu" für eine Person, deren Namen man vergessen hat, klingt albern, aber "Glücksmuffel" für einen, der sich unnötig Sorgen macht, überzeugt. Ebenso "klausleihen" oder "borgstehlen" für etwas Geliehenes, das man nicht zurückgeben will. Gewinner aber ist "Brötchenwatte" für das weiche Innere im Brötchen. Das gehört sofort in den Duden.

 

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