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Das Werk und das Leben des Künstlers Friedensreich Hundertwasser

Friedensreich Hundertwasser, der eigentlich Fritz Stowasser hieß, war der Sohn eines Soldaten und einer österreichischen Jüdin. Der Vater starb im Jahr nach seiner Geburt. Den Künstlernamen legte sich Hundertwasser 1949 zu. 1943 wurden 69 der 74 jüdischen Familienangehörigen mütterlicherseits deportiert und in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten umgebracht.

Hundertwasser erlag 71-jährig an Bord des Kreuzfahrtschiffs „Queen Elizabeth II.“ auf dem Weg von Neuseeland nach Europa einem Herzversagen. Seit 1986 war er auch Staatsbürger von Neuseeland, wo er die letzten Jahre bevorzugt lebte und arbeitete. Freie Zeit verbrachte er gerne auf seinem Wohnschiff „Regentag“, einem umgebauten italienischen Transportkutter, der seit 1977 vor Auckland/Neuseeland ankerte. Das Feuilleton würdigte Hundertwasser als prominenten österreichischen Künstler und Individualisten.

Die künstlerische Laufbahn begann Hundertwasser als Jugendlicher. Seit den ersten Ausstellungen im Art Club Wien in den Jahren 1952 und 1953 wurde ihm öffentliches Interesse zuteil. Aufsehen erregten sein großes Talent und die populäre Originalität als Maler, ebenso seine Architekturvisionen und -realisationen und die literarischen Äußerungen („Der Tod der tausend Fenster“). Viel diskutiert waren seine „Grammatik des Sehens“ (1956) und das „Verschimmelungsmanifest gegen den Rationalismus in der Architektur“ (1958), in dem es hieß, über die „sauberen Glaswände und Betonglätten“ solle man ein „Zersetzungsprodukt“ gießen, „damit sich dort Schimmelpilz festsetzen“ könne. Kennzeichnend für Hundertwassers Anliegen, die Welt der Fantasie zur Realität werden zu lassen, war auch die Publikation „Dein Fensterrecht – Deine Baumpflicht. Demonstrationen und Architekturmodelle für Dachbewaldung und individuelle Fassadengestaltung im deutschen Sprachraum“ (1972). Der Mensch als Hausbewohner habe ein Anrecht auf seine „dritte Haut“, auf die Mauern seiner Wohnung, postulierte Hundertwasser und erprobte seine Vorstellungen unter anderem an einem Neubau im Wiener 3. Bezirk: Hier entstand an der Ecke Kegel-/Löwengasse 1983-1986 das „Hundertwasser-Haus“ mit 50 Wohnungen, die miteinander durch ein fortlaufendes Keramikband verbunden sind. In den Treppenhäusern wirkt dieses Band als Wandteiler. Jede Wohnung wurde innen wie an den Außenmauern nach den individuellen Vorstellungen des Bewohners bemalt. Wände und Böden der allgemeinen Bereiche sind nicht eben, Kanten abgerundet. Die bis zum Grund abfallenden Terrassen des Hauses sind mit Gras und „Baummietern“ bepflanzt. Das „Hundertwasserhaus“ zählt in Wien zu den beliebtesten Touristenattraktionen. Der „Architekturdoktor“, wie Hundertwasser sich nannte, gestaltete auch Industrie- und Zweckbauten (u. a. Rosenthal-Fabrik in Selb; 1982) sowie Hotelanlagen „humaner“. Nur wenige hundert Meter vom „Hundertwasserhaus“ entfernt entstand mit dem 1991 fertig gestellten „KunstHausWien“ ein weiteres Architektur-Projekt von Hundertwasser mit Ausstellungsräumen, einem Restaurant und einem Museumsshop. Zu einem beliebten Touristenziel avancierte auch ein von Hundertwasser in der neuseeländischen Stadt Kawakawa gestaltetes Toilettenhäuschen.

Zu Friedensreich Hundertwassers enormer Popularität trug neben der geschickten Vermarktung sein unverwechselbarer Kunststil bei, der nach Beobachtermeinung nicht verschlüsselte, sondern verschönerte.

Hundertwassers Markenzeichen war die Spirale, die er der geraden Linie, „dem Werkzeug des Teufels“, als Gleichnis für das Leben, den Kreislauf des Blutes, für Geburt und Tod entgegensetzte. „Ein Bild ist für Hundertwasser erst dann vollendet, wenn es vollgesponnen ist mit dem, was ihm in Wirklichkeit, Vorstellung und Traum begegnet und das ihm typische Image eingewoben wurde: Die esoterischen Stücke des Einzelgängers objektivieren sich zu poetischen Manifesten in einer ihnen abholden Welt“, fasste das Kindler Malerei-Lexikon 1976 zusammen.

Die Fachkritik beurteilte Hundertwassers Kunst stets mit vorsichtiger Zurückhaltung und meinte, ihn ab und an als „Behübscher“ und „Kitschist“ schmähen zu müssen. Seinem erklärten Anliegen, einen Beitrag zur Humanisierung der Umwelt als „grüner Baumeister“ und innovativer Architekt leisten zu wollen, tat dies keinen Abbruch.

1988 übernahm Hundertwasser die architektonisch-künstlerische Gestaltung des Fernwärmewerks Spittelau, Wien (1992), und 1993 war Richtfest bei der Hundertwasser-Anlage „Wohnen unterm Regenturm“ in Plochingen.

Ein wesentlicher Teil der Wirkung von Hundertwassers Malerei geht von der Farbe aus. Hundertwasser setzt die Farbe instinktiv ein, ohne nach irgendwelchen, auch selbst festgelegten Regeln etwa bestimmte Farben bestimmten Zeichen zuzuordnen. Er bevorzugt intensive, leuchtende Farben und liebt es, Komplementärfarben unmittelbar nebeneinander zu setzen – etwa zur Pointierung der Doppelbewegung der Spirale. Die Position seiner Malerei ist heute singulär und ohne Parallele.“

Hundertwassers labyrinthischer Spiralstil habe seine Wurzeln auch in der permanenten Spannung und Angst, die er während der Jahre 1938-1945 durchleben musste. Hundertwasser hat sich einige Zeit ganz bewusst mit der Shoa beschäftigt: Bilder wie „Blut regnet auf die Häuser“ (1961), „Judenhaus in Österreich“ (1961-62), „Blutgarten“ (1962) oder „Krematorium“ (1963) legen davon Zeugnis ab.

Hundertwasser arbeitete in vielen grafischen Techniken: Lithografie, Siebdruck, Radierung, Farbholzschnitt und andere mehr. Er war der erste europäische Maler, dessen Werke von japanischen Meistern geschnitten und gedruckt wurden. Vor allem gelang es ihm, Graphik-Editionen herzustellen, bei der die Blätter der Auflage Unikate sind. Berühmt ist seine Reihe von 10002 Unikaten des Motivs „Homo humus Come Va 10002 nights“. (abm)

 

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