Rote Hosen, weiße T-Shirts, einen Gürtel sowie ein oder zwei Stöcke: Modern Arnis ist anders als Kampfsportarten wie Judo, Karate und Co.

Modern Arnis

Modern Arnis - Selbstverteidigungskampfsport mit Köpfchen und Stöcken.
Foto: André Otto

Hamburg. Kampfsportarten kommen ihnen immer japanisch vor? Sie denken immer an Judo, Karate, Aikido, Jiu Jitsu? Damit verbunden sind Anzüge, die durch einen Gürtel gehalten werden. Das Tragen des Gürtels macht also Sinn und das nicht nur wegen der schönen bunten Farben. Wie wäre es mal mit etwas Abwechslung zu dem weißen Einerlei der gängigen Kampfsportarten? Im Angebot stünde eine Kombination aus roten Hosen mit zwei seitlich schwarzen Längsstreifen, ein légères weißes T-Shirt und zwei Rattan Stöcke. Vollendet wird diese Komposition durch einen Gürtel, der keine Halte-, sondern ausschließlich nur Rangfunktion hat. Wer fragt sich jetzt nicht, was das werden soll? – Modern Arnis natürlich.

Modern Arnis ist eine Kampfsportart von den Philippinen. Aber nicht wie bei den eben aufgezählten werden nur die Fäuste bzw. Hände gehoben, nein, gekämpft wird mit allem, was dem Kämpfer in die Hände fällt: Schuhe, Handtücher, Kugelschreiber, Gürtel, Flaschen (natürlich nur PET) und vieles andere. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, außer, der Gegenstand passt nicht in die Hand. In den Händen der Arnis-Kämpfer wird jedes fassbare Utensil zur Waffe, im Modern Arnis aber als solches nicht gesehen, sondern als der Gegenstand, der er im richtigen Leben auch ist. Ein Stock bleibt also ein Stock und gilt nicht als Schwertersatz wie z.B. im traditionellen Arnis.

Ab ins Dojo

Halle drei auf dem Schulgelände der Gesamtschule Eidelstedt in der Lohkampstraße 145, das ist das Dojo der Modern Arnis-Gruppe des SV-Eidelstedt. In der Männerkabine wird geredet, gealbert und gelacht. Es ist kurz vor 20 Uhr. In der Halle befindet sich noch die Yogagruppe. Punkt 20 Uhr geht es los. Trainer und Trainerin begrüßen ihre Gruppe. Danach wird traditionell Hockey gespielt. Nein, das gehört noch nicht zum Modern Arnis, das ist lediglich das Aufwärmen. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung. Das Verhältnis zwischen Trainern und Schülern ist entspannt und freundschaftlich. Wen verwundert es dann, dass die Trainer mitspielen. Nach genau zehn Minuten ist Schluss mit lustig – das Training beginnt. Durch Hockey ist zwar der gesamte Körper warm, doch die Handgelenke müssen für das Kämpfen mit den Rattan Stöcken besonders warm sein. Es folgen kreisende Bewegungen mit den Stöcken von der Schulter aus nach unten und wieder hoch. Das Ganze geschieht so schnell, dass die Stöcke nur zu erahnen sind. Die Trainer zeigen ihren Schülern aller Altersklassen kurz die Übungen, ehe diese selbst aktiv werden. Falls aber beim Erklären der Übung einem Schüler der Stock herunterfallen sollte, muss die gesamte Gruppe zur Strafe zehn Liegestütze machen. Bei den nächsten Unachtsamkeiten kommen immer zehn Liegestütze dazu. Dadurch wird gewährleistet, dass die Aufmerksamkeit der Schüler bei den Trainern bleibt, wenn diese neue Techniken demonstrieren oder Fehler beheben.. Modern Arnis ist eine Selbstverteidigungs-Sportart, bei der der Kämpfer fast ausschließlich in der Verteidigung bleibt. Vorzugsweise trainieren demnach zwei Kämpfer miteinander, bei Angriffstechniken ist ein Partner jedoch nicht unbedingt von Nöten.

Tu’ mir nicht weh

Das Verletzungsrisiko im Modern Arnis ist gering, da die Kontrolle des eigenen Stockes oberste Priorität hat. Selbst blaue Flecken durch ungewollte Treffer bilden die Ausnahme. Bei den nächsten Übungen kämpfen zwei Schüler unterschiedlichen Ranges gegeneinander. Es werden Standardschlagtechniken mit einem Stock geübt. Durch Umgreifen von der linken zur rechten Hand und umgekehrt sollen beide Arme gleichzeitig trainiert werden, eine Pflichtvoraussetzung eines guten Modern Arnis-Kämpfers. Dabei kann es schon mal vorkommen, dass Ranghohe gegen Neulinge kämpfen, und die Ranghohen nicht immer eine gute Figur abgeben, weil nicht jeder Schlag aus den gewohnten Angriffswinkeln kommt. Eine gute Übung auch für den Fortgeschrittenen. Ernüchterung bei den Ranghohen, Freude bei den Neulingen.

Hier bin ich

Das kann ein Indiz dafür sein, dass der Anteil der Neulinge, die nach einen Schnupperkurs beitreten mit 80 bis 90 Prozent extrem hoch ist. Zusätzlich gibt es viele Quereinsteiger aus anderen Kampfsportarten. Es sind meist die, ohne Waffeneinsatz wie z.B. Judo oder Karate. Durch das Training wird ersichtlich, dass Arnis-Kämpfer sehr friedlich sind. Es gibt keine Wettkämpfe im Modern Arnis, jeder Teilnehmer trainiert für sich selbst und für das Training miteinander. Es geht sehr kollegial zu, jeder hilft jedem wie in einer großen Familie. Und wenn gerade keine Gruppe in der Nähe ist, dann baut man sich eine eigene auf. Voraussetzung dafür: Potenzielle Mitglieder, eine Halle und einen Trainer, der ein bisschen was von Modern Arnis versteht. Eine Trainerlizenz ist nicht zwingend erforderlich. Ruckzuck erhält die neu gegründete Gruppe Unterstützung vom Arnis-Verband einen ausgebildeten Dan-Trainer inklusive (Dan sind die Schwarzgurte und Experten/Meister).

Auf den Geschmack gekommen? Weitere Informationen zu Modern Arnis unter http://www.modernarnis.de/ und zum Modern Arnis des SV-Eidelstedt unter http://www.fma-arnis.de/.