03.02.13

Vojta fragt nach

Hans-Werner Funke: "Ich bin ein Mann mit Bauchgefühl"

Hans-Werner Funke hat mit seiner Konzertagentur die Hamburger Musik-Szene geprägt. In anderthalb Wochen wird er 75 Jahre alt.

Foto: Pressebild.de/Bertold Fabricius
Hans-Werner Funke
Der Hamburger Konzertveranstalter Hans-Werner Funke im Brahms Foyer der Laeiszhalle im Gespräch mit Norbert Vojta

Als ich 14 Jahre alt war, spielte ich brav Klavier. Natürlich nur klassische Musik. Viele Klassenkameraden hörten da schon so eine laute, rhythmische Musik. Sie hatten 1967 in der berühmten Ernst-Merck-Halle die Rolling Stones gehört. Schon damals organisierte ein nur 30 Jahre alter Mann das Mega-Konzert in Hamburg: Professor Hans-Werner Funke.

Am 14. Februar 2013 wird der Konzertmogul 75 Jahre alt. Ein Gespräch über demoliertes Gestühl, warum sein Spitzname "Mc Funke" ist und warum harmonische Nachfolgeregelungen in seiner Familie funktionieren

Herr Funke, wir sitzen hier im Brahms-Foyer der Laiszhalle, ist das ein Ort mit großer Bedeutung für Sie?

Hans-Werner Funke: Ja, ich hatte hier am 16. Oktober 1959 mein erstes Konzert mit den Zagreber Solisten und Antonio Janigro am Cello. Er war damals sehr populär. Leider habe ich an diesem Abend gleich 6000 Mark verloren.

Wie hoch war Ihr gesamtes Kapital?

Funke: Das betrug 10.000 Mark. Mir blieb noch ein Rest von 4000, mit dem habe ich sehr sparsam gewirtschaftet, weil ich den nicht auch noch verlieren wollte.

Fühlen Sie sich hier zu Hause?

Funke: Ja, sehr sogar. Wir haben im Jahresschnitt bei unserer ProArte-Reihe zwischen 30 und 40 klassischen Konzerten. Dazu kommen noch weitere Veranstaltungen von Funke Media.

Hat die Laiszhalle den Mythos Hans-Werner Funke mit geprägt?

Funke: Nein. Ich glaube, dass der gesamte Aufbau meinen Ruf erbracht hat. Ich habe damals in der unvergleichbaren Ernst-Merck-Halle schon die ersten Großveranstaltungen mit den Rolling Stones, den Bee Gees, den Beach Boys organisiert.

War die Ernst-Merck-Halle nicht ein schwieriger Veranstaltungsort?

Funke: Ja, weil die Leute dort nicht so gern rein wollten. Wir bezeichneten sie als "Schweinehalle", weil sie am liebsten ohne Stühle vermietet wurde.

Warum?

Funke: Vor rund 45 Jahren gab es noch Veranstaltungen, bei denen Gestühl kaputt gingen. Bei Louis Armstrong wurde alles demoliert, weil sein Konzert nur eine Stunde und zehn Minuten gedauert hatte. Bei den Rolling Stones gab es deshalb für 7000 Menschen überhaupt keine Stühle.

Gibt Musik ihren Lebenstakt vor?

Funke: Ich stehe mit Musik auf, und abends, wenn ich die Konzerte besucht habe, gehe ich mit der Musik auch wieder ins Bett. Wenn man in diesem Beruf arbeitet, und ich mache das schon seit 54 Jahren, dann geht es gar nicht ohne Musik. Ich brenne für meinen Beruf.

Wie wichtig ist Gefühl?

Funke: Ich habe ja nicht nur einen Bauch, sondern ich habe es auch im Bauch. Ich bin ein Mann mit Bauchgefühl. In meinem Leben habe ich viel gemacht, weil ich das Gefühl hatte, das musst du machen. Selbst wenn es sich nicht sofort rechnete.

Der Spiegel schrieb 1987 über Sie, Sie seien "knickrig". Stimmt das?

Funke: Ich bin sparsam und zwar deswegen, weil ich als Halbwaise von Anfang an Geld verdienen musste. Ich bin mit 16 Jahren mit mittlerer Reife von der Schule gegangen. Meine Mutter bekam eine kleine Witwenrente, meine Schwester und ich mussten dazu verdienen. Aus dieser Sparsamkeit heraus bin ich natürlich auch in meinem Beruf als Konzertveranstalter sparsam. Daher auch mein Spitzname "Mc Funke".

Udo Jürgens ist 79 Jahre alt, warum kann er nicht aufhören?

Funke: Udo langweilt sich, wenn er zu Hause ist. Er muss raus. Wir hatten gerade zwei Konzerte mit ihm. Wenn er mit bald 80 Jahren auf die Bühne geht, und die Leute jubeln ihm zu, ist das wie Doping.

Spionieren Sie in fremden Konzerten?

Funke: Ja. Ich gehe aber auch aus eigenem Interesse hin. Trotz meines hohen Alters habe ich mir meine Neugier erhalten. Deshalb besuche ich zwei oder drei Konzerte im Monat, die nicht von uns sind. Außerdem gehe ich in jede Opern- und in viele Theaterpremieren.

Was war das einprägsamste Erlebnis in ihrem Leben?

Funke: Der damals sehr bekannte Jazzbassist Charlie Mingus sollte in der Laiszhalle auftreten. Er lag aber abends um sieben Uhr noch im Bett – und es war schon Einlass. Ich glaube, er hatte wohl Rauschgift genommen.

Wie haben Sie reagiert?

Funke: Ich habe ihn gebeten, aufzustehen und in die Halle zu kommen. Als ich aus dem Hotelzimmer ging, hörte ich nur noch wie ein Messer an mir vorbei flog und im Türrahmen einschlug. Das wartende Publikum habe ich daraufhin erst einmal zu einem Drink eingeladen.

Und dann?

Funke: Eine Stunde später erschien Charlie %Mingus, er spielte mit seiner Gruppe eine halbe Stunde, ging dann wieder und %trat in der Musikhalle auch noch eine %Tür ein. Ich musste ans Mikrofon %gehen und sagen, dass das Eintrittsgeld zurückgezahlt wird. Das war einprägsam.

Wie wichtig sind die Abonnenten bei der ProArte-Reihe?

Funke: Sehr wichtig! Wir haben rund 1800 Abonnenten. Die helfen und stützen uns. %Dadurch können wir die ganze Saison hochwertige Künstler und Orchester einladen.

Ihr Sohn Pascal hat Ihr Unternehmen übernommen, war das schwer für Sie?

Funke: Als ich 59 Jahre alt wurde, kam Pascal zu uns in die Firma. Ich hatte zuerst natürlich Probleme, weil ich merkte, er hat neue Ideen, und die will er auch durchsetzen. Das ist ja legitim. Es dauerte, bis ich lernte, lass' ihn laufen.

Und wie ist es heute?

Funke: Wir haben überhaupt keine Probleme. Er kommt und fragt. Und wenn er nicht kommt, ist es auch in Ordnung. Jeder hier in Hamburg sagt mir, mit der Nachfolge hätte es nirgendwo so gut geklappt wie bei uns. Ich könnte Ihnen eine Reihe von Beispielen nennen, wo das nicht funktioniert hat. Das will ich aber nicht. Würde ich heute die Augen zumachen, würde alles mit Pascal gut weiterlaufen.

Wie wichtig war Ihnen eine harmonische Nachfolgeregelung?

Funke: Außerordentlich. Ich wollte nicht, dass die Familie darunter leidet. Mein älterer Sohn Patrick ist Theatermaler an der Staatsoper. Er ist der Künstler. Ich wollte, dass die Harmonie in der Familie nicht zerstört wird. Dadurch, dass Pascal auch eine Frau aus einer sehr musisch interessierten Familie geheiratet hat, ist es eine noch größere Gemeinde geworden.

Wollte er immer Ihr Nachfolger werden?

Funke: Vor 20 Jahren ging er an unserem Büroschild vorbei. Drauf stand: Konzertdirektion Funke. Er kam zu mir rauf und fragte, wie es denn eigentlich später weiter gehen solle? Er sagte, er könne nicht an dem Schild vorbei gehen, und irgendwann sei kein Funke mehr Inhaber.

Wie ging es dann weiter?

Funke: Wir haben ein halbes Jahr alles besprochen, haben einmal einen langen Spaziergang am Strand auf Sylt von Munkmarsch bis Wennigstedt und zurück gemacht. Dabei haben wir uns zusammengeredet. Pascal hatte klare Vorstellungen. Für mich war er gleich der Partner. Das hat ihm auch gut getan. Ich habe ihm gleich Vertrauen gegeben.

Wann sollte man die Nachfolgeregelegung in Gang setzen?

Funke: Spätestens mit Ende der Fünfziger, wenn man sein Unternehmen weiter geben will. Man darf nicht zu lange daran hängen. Natürlich muss man abgeben, bevor man auf dem Totenbett liegt.

Haben Sie den Tod Ihrer geliebten Frau Karin schon überwunden?

Funke: Nein, das kann man auch nicht. Das ist jetzt vor fünf Monaten gewesen. Meine Frau Karin war immer dabei. Man darf nicht vergessen, wir waren ein "Dreamteam". Wenn sich ein "Dreamteam" trennt, fehlt ein Teil von einem selber.

Ihre Frau verknallte sich in Sie, als Sie 16 Jahre alt waren und sie 14 Jahre. Wie passierte das?

Funke: Ich hatte damals einen so genannten "Bunten Abend" im Gemeindesaal von St. Johannis in Harvestehude. Sie saß unten mit einer Freundin, und ich habe moderiert. Damals hat sie zu ihrer Freundin gesagt, "den werde ich einmal heiraten". Daraufhin hat ihre Freundin gesagt, "den kennst du doch gar nicht".

Was passierte dann?

Funke: Durch Zufall war ich der Freund des Bruders dieser Freundin. Ich habe dann ein Foto von Karin bekommen, ich rief sie an. Zwei Wochen später trafen wir uns. So begann alles.

Sie haben den Ruf, ein menschelnder Entertainer zu sein…

Funke: Ich kann zumindest Menschen gewinnen.

Wie macht man das?

Funke: In dem man sich selber öffnet und quasi eine Angel auswirft. Dann beißen die Menschen an. Das habe ich so im Laufe meines Lebens gelernt. Das ist natürlich kein Geheimtipp. Aber man muss sich selber öffnen. Für mich war das nie gefährlich. Ich merke immer nur, dass andere das positiv finden.

Wenn Sie die Chance hätten, das ganze Leben noch mal von vorne zu beginnen, was wäre dann?

Funke: Ich würde nichts ändern. Ich bin glücklich in meinem Beruf. Ich habe ihn immer geliebt. Ich gehe auch jetzt noch voller Begeisterung ins Büro und sage jedem Menschen, was er auch ausübt: "Mach' das mit Freude"!

Norbert Vojta ist Journalist und Honorarprofessor an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg

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