Chorfestival: Kinder singen für Kinder
"Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an"
Am 16. Mai ist es wieder so weit. Zum 17. Mal treffen sich Hamburger Kinderchöre und singen für einen guten Zweck. Kultursenatorin Karin von Welck ist Schirmherrin.
Foto: Michael Zapf
Es macht mir großen Spaß zu singen, ich bin schon seit fünf Jahren im Chor und wir singen auch öfter in Kirchen", sagt die neunjährige Kim, und ihre gleichaltrige Freundin Lia fügt hinzu: "Ich finde es aufregend, vor so vielen Leuten zu singen, dann kribbelt der Bauch ganz schön." Doch derzeit ist von Lampenfieber noch keine Spur. Fröhlich tummeln sich die vier- bis neunjährigen Mitglieder des Mädchenchores Hamburg an der Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg in ihrem Chorsaal. Sie proben für diverse Auftritte, ein Dauerbrenner ist derzeit "Stups, der kleine Osterhase", sagt Chorleiterin Maren Hagemann-Loll. Doch auch das Piratenlied "Wir lieben die Stürme" oder der "Laternensamba" werden emsig geübt. Denn die beiden Lieder gehören zum Repertoire, das der Mädchenchor Hamburg auf dem 17. Kinder-Chorfestival am 16. Mai in der Laeiszhalle präsentieren wird.
Sieben Chöre hat die Jury für das diesjährige Chorfestival "Kinder singen für Kinder", ausgewählt. Über 500 Mädchen und Jungen bereiten sich schon jetzt voll Begeisterung darauf vor. In diesem Jahr werden die hellen Stimmen in der Laeiszhalle erklingen, denn der Michel wird derzeit saniert.
Zu den ausgewählten Chören zählen neben dem schon genannten Vorchor des Hamburger Mädchenchores an der Staatlichen Jugendmusikschule die Max-Brauer-Chorspatzen der Max-Brauer-Schule in Altona, die Japanische Schule Hamburg, der Schulchor der Katholischen Schule Altona, der Chor der Oberstadtschule, die Nienstedtener Gören der Schule Schulkamp und die Dulsberger Chorkatzen an der Gesamtschule Alter Teichweg.
Das Festival eröffnet der bekannteste Kinderchor der Hansestadt: die Hamburger Alsterspatzen. Der Kinderchor der Hamburgischen Staatsoper, der schon als "Hamburgs kleine Botschafter" oder "die goldenen Kehlen aus der Hafenmetropole" gefeiert wurde, glänzte bereits in vielen Rollen - in den vergangenen zwei Jahren etwa in "Turandot", "Macbeth" oder "Hänsel und Gretel". Gründer und Chorleiter Jürgen Luhn studierte mit den kleinen Meistersängern neben klassischer und volkstümlicher Chormusik auch internationale Folklore sowie geistliche und zeitgenössische Stücke ein. Aus ihrem umfangreichen Repertoire werden sie am 16. Mai einige Spitzenstücke zu Gehör bringen. Moderiert wird das Festival von dem früheren Leiter der Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg Professor Wolfhagen Sobirey. Die Schirmherrschaft für das 17. Chorfestival hat Kultursenatorin Professor Karin von Welck übernommen.
"Singen heilt, löst Konflikte und kann sogar Frieden wahren und stiften helfen", diese Losung gab Hermann Rauhe 1992 für das erste Chorfestival aus. Der ehemalige Präsident der Hochschule für Musik ist ein großer Befürworter der Veranstaltung. Er leitet jedes Jahr die Jurysitzung, die die schwere Aufgabe hat, die Chöre aus der Vielzahl der Bewerber auszuwählen.
Doch auch wenn hochklassige Chöre auftreten, so geht es bei dem Festival nicht um einen leistungsorientierten Wettbewerb, sondern um die heitere und leichte Freude am gemeinsamen Singen, an dem Wiederentdecken alten Liedguts und dem Kennenlernen moderner Stücke.
"Singen macht glücklich", weiß Chorleiterin Maren Hagemann-Loll. "Sich selbst spüren, mit der Stimme etwas Tolles anfangen, ist für Kinder ein wunderbares Erlebnis und fördert ihre emotionale Entwicklung", erklärt die studierte Kirchenmusikerin. Besonders in der Musik lassen sich Emotionen ausdrücken. Das wusste schon E. T. A. Hoffmann, der sagte "Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an ..."
Zudem stärkt das Singen im Chor das Sozialverhalten, "in der Gruppe muss man im wahrsten Sinne des Wortes aufeinander hören", sagt Maren Hagemann-Loll.
Und dass passt zum Anspruch des Festivals. Denn es beinhaltet auch die Idee etwas Gutes zu tun, ganz im Sinne seiner Gründer, des Lions Clubs Hamburg-Hoheneichen und des Vereins "Kinder helfen Kindern", sowie der Hauptkirche St. Michaelis und der Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg. Jedes Jahr geht der Erlös an Kinder und Jugendliche, die dringend Hilfe und Unterstützung brauchen.
In diesem Jahr soll die Axis-Forschungsstiftung die Zuwendung bekommen. Ihr Stifter Professor Jürgen Bruns, orthopädischer Chirurg des Diakonieklinikums Hamburg, Krankenhaus Alten Eichen, verfolgt als aktuelles Ziel eine verbesserte Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Knochenkrebs, von denen nur 70 Prozent ihre Erkrankung bislang überleben.
Und so freuen sich Veranstalter und alle jungen Mitwirkende auf viele Besucher zu einem fröhlichen, musikalischen Vormittag.




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