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Von Mensch zu Mensch

Auch Brigitte B. will kein Mitleid, sondern Arbeit

Eine "sinnvolle Beschäftigung" ist der Wunsch der meisten psychisch erkrankten Menschen, um die sich in St. Pauli "Betreutes Wohnen" kümmert. In ihrem Laden "Rosenblatt & Fabeltiere" bieten sie bedruckte T-Shirts an und hoffen auf viele Kunden.

Brigitte B. (39) ist seit ihrer Jugend psychisch erkrankt. Sie war ein unerwünschtes Kind und hat vieles erleiden müssen. Oft ist sie niedergeschlagen, traurig, hoffnungslos, hat keine Energien, den Alltag anzugehen. Die Anforderungen des täglichen Lebens sind für sie eine große Last. Wenn ungewohnte Ereignisse hinzukommen, kann es passieren, dass sie sich in irreale Ängste und Schuldgefühle verstrickt, manchmal hört sie dann sogar Stimmen. Die Ärzte nennen das "schizoaffektive Psychose". Wenn es zu schlimm wird, muss sie ins Krankenhaus. Die meiste Zeit aber geht es ihr zu Hause gut, dann wünscht sie sich ein bisschen Ablenkung, Kontakt und "eine sinnvolle Tätigkeit", die den Alltag nicht so lang erscheinen lässt.

"Das ist der Wunsch der meisten von uns betreuten Menschen hier", sagt Malte Johannsen. "Sie wollen kein Mitleid, sondern Arbeit." Der Dipl.-Psychologe arbeitet in der Einrichtung "Betreutes Wohnen St. Pauli". Seit 1994 kümmern sich die Mitarbeiter um alte und jüngere psychisch kranke Menschen im Stadtteil wie Brigitte B.

Es gibt einen Treffpunkt mit Cafe, in dem man zwanglos in Kontakt kommen kann, hier gibt es therapeutische Gruppenangebote und einen Mittagstisch. Außerdem bekommen die Klienten regelmäßig Besuch von einem Mitarbeiter, der sie in allen Angelegenheiten des täglichen Lebens unterstützt, so dass viele Klienten die meiste Zeit ohne Krankenhausbehandlung in der eigenen Wohnung zurechtkommen. In den Gesprächen taucht immer wieder der große Wunsch der Klienten nach einer sinnvollen Beschäftigung auf - eine Beschäftigung, die Selbstvertrauen gibt und eigene Fähigkeiten neu erleben lässt.

Aus dieser Erfahrung heraus hatten die Mitarbeiter immer wieder überlegt, ein eigenes niedrigschwelliges Angebot für die von ihnen betreuten Menschen zu schaffen. Eines, das auf deren Bedürfnisse zugeschnitten ist, für das sie nicht weite Wege und unbekannte Umgebungen in Kauf nehmen müssen, sondern in dem sie von bekannten Mitarbeitern bedarfsgerecht gefördert und betreut werden.

Der entscheidende Impuls entstand dann aus der Maltherapie, in der die Klienten Bilder malen und darüber miteinander und mit den Therapeuten ins hilfreiche Gespräch über sich kommen.

Ein Teilnehmer, Sven, malte mit Vorliebe Tiere (s. Abbildungen), diese gefielen allen so gut, dass sie einen T-Shirt-Laden für Kinder gründen wollten.

Alle Arbeitsschritte, vom Druck bis zum Verkauf der T-Shirts, sollten von den Klienten selbst ausgeführt werden, wobei jeder sich nach eigenen Fähigkeiten und Interessen beteiligen kann. Dabei ging es allen Beteiligten darum, ein wirklich ansprechendes Produkt zu schaffen, das durch Qualität überzeugt. "Und das ist gelungen", freut sich die Gruppe um Projektleiterin Katja Stechemesser, Psychologin im "Betreuten Wohnen". Der Beweis: die erfolgreiche Eröffnung ihres eigenen Ladens "Rosenblatt & Fabeltiere, Kinder-T-Shirts und mehr" in der Clemens-Schultz-Straße. "Das Projekt lief so vielversprechend an", berichtet Malte Johannsen, "aber es steht wirtschaftlich noch auf sehr schwachen Beinen. Daher möchten wir es gern besser bekannt machen."

Zurzeit gibt es dort T-Shirts für Kinder - vom Säugling bis etwa für Achtjährige mit den auf dieser Seite abgebildeten Tier-Motiven, sowie Bodys und Schlafanzüge für die Kleinen. Als Extras gibt es Kaffeespezialitäten und selbst gebackene Muffins zum Mitnehmen.

"Zurzeit arbeiten wir an einer Ausweitung des Sortiments und kooperieren dazu mit befreundeten Behinderteneinrichtungen, die alle sehr dankbar für eine Abnahme ihrer hergestellten Waren sind. So bieten wir jetzt auch liebevoll gestaltete Kinderstühle und Holzspielzeug an", so Malte Johannsen. "Für alle Artikel gilt, dass sie durch Qualität überzeugen sollen, der soziale Zweck kommt als Bonus hinzu. Wir alle wünschen uns, dass gerade in diesen Vorweihnachtswochen viele Menschen den Weg zu uns finden. Sie glauben gar nicht, wie unsere Schützlinge aufblühen, wenn sie in ,ihrem' Laden ihre liebevoll hergestellten Waren verkaufen können und einige nette Worte zu hören bekommen . . . "

Der Laden "Rosenblatt & Fabeltiere", "Betreutes Wohnen St. Pauli", Tel. 317 81 30, Clemens-Schultz-Str. 45, ist geöffnet di + do 14-17 Uhr, sa 11-14 Uhr.

 

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