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Totes Baby im Landkreis Vorpommern-Greifswald in Rucksack auf Wiese gefunden

Von Mensch zu Mensch

Transgender: Jahrelang war sie völlig ahnungslos

Seit Jahren führt mein Mann ein Doppelleben ...

Ihre Ehe droht zu zerbrechen. Sie ringt um Verständnis für das Verhalten ihres Partners. Er ist ein Transgender, der zugibt, von seiner Neigung geradezu besessen zu sein.

Durch Zufall habe ich im Sommer letzten Jahres herausgefunden, dass mein Mann, der aufgrund wirtschaftlicher Probleme seit mehreren Jahren die Woche über auswärts arbeitet, ein Doppelleben führt. Er musste sich daraufhin "zwangsouten", und ich erfuhr, dass er ein "Transgender" ist. Mit seiner Neigung hatte ich kein Problem, ich war auch zweimal mit ihm in entsprechenden Lokalitäten unterwegs. Aber das Hintergehen und die Lügen über Jahre haben meine Beziehung zu ihm beschädigt.

Ein Gefühl, dass etwas nicht stimmt, beschlich mich schon bald, nachdem er seinen Job auswärts begann. Ich fand Lippenstiftspuren an seiner Wäsche und fragte ihn direkt danach. Als Antwort bekam ich stets: "Da ist nichts." Es folgten Monate, in denen er sich von mir und unserem Sohn zu entfernen schien. Er kam immer häufiger recht aggressiv nach Hause. Dann fand ich einen Einkaufszettel mit aufgelisteten Schminkartikeln. Die Kontoauszüge belegten jede einzelne Ausgabe für sein Hobby, das manchen Monat mehr als 600 Euro verschlang. Er gab zu, dass er seine Neigung nicht mehr unter Kontrolle hätte und davon regelrecht besessen sei.

Wir arbeiteten eine Art Vertrag aus, an den sich mein Mann halten sollte, damit ich wieder Vertrauen zu ihm aufbauen konnte. Anfangs stimmte er bereitwillig zu, sprach davon, eine Belastung los zu sein, und war noch einmal frisch verliebt in mich, seine tolerante Ehefrau.

Aber schon bald fühlte er sich "kontrolliert". Er merkte wohl, dass ihm dieser Kick durch die Heimlichkeiten fehlte. Und doch sagte er, dass er noch nicht ganz Frau sein möchte.

Immer wieder suchte ich das Gespräch mit ihm. Als Ehefrau und Mutter eines pubertierenden Jungen will ich doch wissen, wie sich mein Mann entscheiden wird. Bei meinem vierten Gesprächsversuch konterte er mit einem Brief, der mich völlig verwirrte, da er mir zeigte, dass mein Mann wohl jeden Bezug zur Realität verloren hat.

Muss ich jetzt auch die Entscheidung für einen klaren Schnitt treffen, wenn ich erkennen muss, dass solch ein Hobby nicht in eine Ehe zu integrieren ist? Sybille D. (43)

Es antwortet Dipl.-Psych. Prof. Dr. Elisabeth Müller-Luckmann:

Zu ihrem Glück sind die allermeisten Menschen in der Lage, sich mit ihrer angestammten Geschlechtsrolle ohne Probleme zu identifizieren. Eine sehr kleine Minderheit ist dazu nicht fähig.

Wenn ich jetzt sagen muss, dass Sie nach bestem Wissen und Gewissen so gut wie alles mit Ihrem Mann falsch gemacht haben, dann fassen Sie das bitte nicht als Vorwurf auf und leiten Sie keine Schuldgefühle daraus ab.

Wir alle sind dann gefährdet, wenn wir unsicher und ratlos sind, die gängigen Klischees zu übernehmen. Denn über diese kleine unglückliche Minderheit existieren solche in großer Verbreitung.

Das erste Missverständnis ist, dass diese Menschen besonders auf den berühmten "Kick" aus seien, auf eine besonders scharfe Lustempfindung, und man könnte eine solche Orientierung abstreifen wie eine beliebige schlechte Gewohnheit.

Ohne es zu merken, haben Sie offenbar dazu beigetragen, den ständig gegenwärtigen Druck auf Ihren Mann zu erhöhen. Es ist auch nicht richtig, von unabweichbaren Bedürfnissen, eigentlich zum anderen Geschlecht zu gehören, als einem "Hobby" zu sprechen.

Ihr Mann beschreibt seine Situation sicher ganz treffend, wenn er sagt, dass er wie besessen von dem Bedürfnis ist, in Wirklichkeit lieber Frau zu sein, auch wenn er sich trotzdem nicht dazu endgültig durchringen kann.

Das zeigt, wie zwiespältig Gefühle eines solchen Betroffenen sein können. Sie fühlen ganz genau, dass sie ihren nächsten Angehörigen und ihrer Umgebung Probleme bereiten. Diese von der Sehnsucht nach dem anderen Geschlecht in einer tiefen existenziellen Bedürfnislage erfüllten Menschen spüren genau, in welcher misslichen Lage sie sind. Sie sind einem oft langwierigen, individuell sehr facettenreichen Prozess der Entwicklung ausgesetzt, den sie selbst noch nicht endgültig übersehen können und dessen Leidensausgang noch im Ungewissen liegt.

Natürlich haben es alle, die nicht im allgemeinen Strom der sogenannten "Normalen" mitschwimmen können, schwer mit sich selbst und der Umwelt. Es ist sinnlos, solch ein Abkommen zu treffen und auf Änderung zu hoffen. Es handelt sich hier um eine tief reichende Identitätskrise, bei der es auf allen Seiten nicht ohne Schmerzen abgehen kann.

Setzen Sie Ihren Mann also nicht weiter durch Bagatellisierung seiner Situation unter Druck. Sie haben bereits gesehen, dass Sie mit Ihren Änderungsplänen scheitern. Was Sie jetzt brauchen, ist eine grundsätzliche Überlegung, was Ihnen die Partnerschaft mit Ihrem Mann wert ist und was sie für Sie an denkbarem Verzicht bedeutet. Sie sollten Ihre Situation mit einem kompetenten, d. h. sexuell psychologisch versierten Therapeuten aufarbeiten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ihr Mann nicht sieht, welche Problematik auch auf ihn zukommt, denn er ist sich selbst ja ausgeliefert. Was man für ihn tun kann, ist, ihm zu helfen, seine missliche Lage zu klären. Man kann diesen Prozess allerdings nicht mit Gewalt beschleunigen.

Ich verkenne nicht, dass Sie selbst es jetzt und künftig schwer haben. Von Ihnen wird viel Verzicht und Toleranz, wenn nicht sogar menschliche Größe verlangt, wenn Sie bleiben, wo sie hingehören, bei Ihrer Familie. Sie selbst entscheiden, wie weit Sie Ihren Sohn mit einbeziehen.

Es hat keinen Sinn, die Ereignisse zu bagatellisieren. Es handelt sich um eine Persönlichkeitskrise ernster Art. Ich wünsche Ihnen die Kraft dazu, die man für diese oder jene Entscheidung braucht. Tun Sie nichts aus einem flüchtigen Impuls heraus, es geht unweigerlich auch um Ihr eigenes Schicksal, vor dem ich allen Respekt habe.

 

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