Montag, 13. Februar 2012, 15:26

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Von Mensch zu Mensch

Im Sinne von Christian Delbrück: Hilfe für missbrauchte Kinder

Jennifer war acht Jahre alt, als es zum ersten Mal passierte. Ihre Mutter hatte eine mehrwöchige Kur angetreten, das Mädchen war mit ihrem Vater und dem elfjährigen Bruder allein. Jennifer vermisste die Mutter sehr, dem Vater ging es ähnlich, wie er sagte, und deshalb wollte er gern mit Jennifer "ganz doll kuscheln". Das war der Anfang.

Es entwickelte sich eine jahrelange Geschichte sexuellen Missbrauchs durch den Vater. Der ließ keine Gelegenheit aus, wenn er mit seiner Tochter allein war.

Jennifer wagte es nicht, sich jemandem anzuvertrauen, schon gar nicht ihrer Mutter. Der Vater hatte nämlich gesagt, die Mutter würde es sowieso nicht glauben, und wenn doch, dann würde sie sehr krank werden.

In der Schule fiel Jennifer zwar öfter durch Abwesenheit und Konzentrationsschwäche auf, aber niemand nahm so richtig Notiz davon. Sie wurde zunehmend abweisender und verschlossener, nahm deutlich an Gewicht zu. Um ihre Anspannung in den Griff zu bekommen, begann sie, sich mit einer Rasierklinge in die Oberarme zu schneiden. Doch noch immer vertraute sie sich niemandem an, selbst dann nicht, als die Eltern sich scheiden ließen.

Als sie 15 Jahre alt war, fiel einer aufmerksamen Lehrerin ihr Verhalten auf. Ganz langsam entstand ein Vertrauensverhältnis zu der Lehrerin, und nach einiger Zeit erzählte Jennifer von ihrem Vater und ein bisschen von dem, was passiert war. Die Lehrerin ebnete den Weg in die Beratungsstelle "Allerleirauh". Endlich hatte das Mädchen einen Platz gefunden, über ihre Ängste und ihre Einsamkeit zu sprechen. Anfangs allerdings fühlte sie sich fremd, hatte große Angst, dass gegen ihren Willen etwas unternommen, die Polizei oder das Jugendamt informiert werde. Jenniffer musste erst lernen, dass sie selbst das Geschehen bestimmt, dass die Beraterinnen ihr dabei immer zur Seite stehen. Doch allmählich gewann sie Sicherheit. Sie knüpfte Kontakte zu Mädchen, die das Gleiche erlebt hatten. In Zusammenarbeit mit der Lehrerin wurde die Mutter mit dem sexuellen Missbrauch ihrer Tochter durch den Vater konfrontiert. Sie war zutiefst erschüttert, hatte sie doch schon lange geahnt, dass "etwas nicht stimme". In einem gemeinsamen Gespräch, das von zwei Beraterinnen begleitet wurde, konnten Mutter und Tochter ihre Gefühle zueinander aussprechen. Ein großer seelischer Druck fiel von Jennifer ab.

In der Beratungsstelle "Allerleirauh" ist Jennifers Geschichte nur eine von vielen. Der gemeinnützige Verein wurde 1987 gegründet und ist freier Träger der Hamburger Jugendhilfe. Die beiden Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Hilfe für Mädchen und Jungen, die sexuell missbraucht wurden, sowie die Prävention sexualisierter Gewalt. Beratungen sind kostenlos und vertraulich, für Präventionsangebote werden geringe Beträge erhoben. "Allerleirauh" ist für diese Arbeit auch auf Spenden angewiesen. Beispiele für die Großherzigkeit der Hamburger gibt es reichlich.

Als vor einigen Monaten der Verlagsgeschäftsführer des Hamburger Abendblattes, Christian Delbrück, verstarb, hatte seine Frau, Claudia Ludwig, ganz im Sinne ihres Mannes um Spenden zugunsten des Abendblatt-Vereins "Kinder helfen Kindern" gebeten. Christian Delbrück war nämlich lange Jahre dessen Vorsitzender gewesen.

Die Bitte seiner Frau fand ungewöhnlich starke Zustimmung: 13 805 Euro spendeten die um Christian Delbrück Trauernden. Gemeinsam beschlossen Claudia Ludwig und die Verantwortlichen von "Kinder helfen Kindern", diese Summe der Beratungsstelle des Vereins "Allerleirauh" für seine segensreiche Arbeit zu spenden.

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus