Jedes Kind hat ein Recht auf seinen Vater - auch Nico
4723 Kinder wurden in Hamburg im Jahr 2005 zu Scheidungswaisen. Dramatisch: Immer mehr Väter müssen dann um den Kontakt zu ihren Kindern kämpfen . . .
Mein Bruder ist geschieden. Für Nico, seinen vierjährigen Jungen, der sehr an seinem Vater hängt, hat er zusammen mit seiner Ex-Frau das gemeinsame Sorgerecht, allerdings nur auf dem Papier. In der Realität tut die Mutter alles, um den Vater "auszubooten".
Mein Bruder ist verzweifelt, und ich habe Angst, dass er das Ganze nicht mehr lange durchhält. Auch die Kosten für Beratung, Psychologen, Gericht und Rechtsanwalt fressen ihn auf, nicht nur finanziell, auch psychisch.
Es ist demütigend, was mein Bruder durchmachen muss, um seinenSohn zu sehen. Und das ist leider kein Einzelfall! Bei jeder "Übergabe" wird Nico von seiner Mutter vor der Tür wortlos übergeben. Wie ein Stück Vieh! Nico durfte noch nicht einen Tag Urlaub mit seinem Vater verbringen. Die Mutter will es eben nicht, heißt es vor Gericht.
Alle 14 Tage darf Nico ein sogenanntes Wochenende beim Vater verbringen, zu dem er weder Wechselkleidung noch Kuscheltier von der Mutter mitbekommt. Durch das Veto der Mutter darf das Kind erst Sonnabend um 15 Uhr abgeholt werden und muss pünktlich auf die Minute Sonntag, 18 Uhr, wieder da sein. Egal, ob der Kleine weint oder nicht, weil er bei seinem Papa bleiben möchte. Grausam. Und wehe, mein Bruder verspätet sich mal durch Verkehrsstau oder Ähnliches, geht sofort eine Meldung ans Gericht.
Nico darf weder seinen Vater noch seine Großeltern väterlicherseits anrufen. Weihnachten konnte mein Bruder nur über mehrere Eingaben bei Gericht einige Stunden mit Nico "herausschinden". Unsere Eltern haben vor Monaten als Großeltern einen Antrag vor Gericht gestellt, um Umgangszeiten zu erhalten. Bisher ohne Ergebnis.
Muss mein Bruder tatsächlich tatenlos zuschauen, wie die Mutter den Kleinen manipuliert und versucht, ihn vom Vater abzuschotten? Die Abschiede und das "Ausgeschlossensein" als Vater zermürben ihn. Er zahlt für sein Kind, aber kann seine Liebe nur alle paar Wochen unter einem extremen Druck für ein paar Stunden zeigen. Er geht kaputt und Rechtsanwalt, Richter und vor allem Nicos Mutter lassen es zu. Wie geht es anderen geschiedenen Vätern? Anne S. (29)
Antwort: "50 Prozent aller Eltern sind Väter. Sie sind nicht die besseren Eltern, werden aber vor Gericht so behandelt, als seien sie die viel schlechteren", beklagt unser Leser Michael Pfennig nach jahrelanger Odyssee und vergeblichem zermürbenden Ringen mit der Kindesmutter, Jugendamt und Gerichten, um den Kontakt zu seiner heute 14-jährigen Tochter nicht abreißen zu lassen. Pfennig engagiert sich seitdem im Verein "Väteraufbruch für Kinder e.V." "Wir sind keine Anlaufstelle für Frauenhasser", sagt er, "sondern für jeden, der in einer Trennungssituation den Kindern helfen will. Bei mir kann ich keine Wunder mehr bewirken. Aber vielleicht bei Anderen", hofft er.
Wie Ihr Bruder, liebe Anne S., gehört Michael Pfennig zu dem Heer der Väter, die ähnliche schmerzliche Erfahrungen machen müssen in ihrem Kampf um einen selbstverständlichen, unbeschwerten Umgang mit ihren Kindern nach der Trennung. Es ist beschämend, was sich da viele Mütter einfallen lassen, unter dem "Mantel der Liebe zu ihrem Kind", um den Vater auszubooten. Die Scheidungszahlen sind dramatisch. Waren es 1990 noch 154 786 Paare in Deutschland, die sich scheiden ließen, waren es 2004 schon 213 691. Opfer sind immer die Kinder. Sie erleben, dass gerade die Menschen, die sie lieben, denen sie vertrauen, auseinandergehen. Hilf- und schutzlos stehen sie dazwischen, erleben oft hässliche verbale oder gar tätliche Auseinandersetzungen zwischen den Eltern. Ihre ganze kleine Welt ist zusammengebrochen. Aber wen kümmert das, wenn aus Liebe Hass geworden ist.
Und da wundern sich Eltern, wenn ihre Kinder Angstträume bekommen, aggressiv und auffällig werden, die Schulleistungen rapide nachlassen, die Kinder anfangen zu lügen oder gar zu stehlen und die geschiedenen Eltern raffiniert gegeneinander ausspielen? Begreifen diese Eltern nicht, dass das alles Zeichen tiefer Unsicherheit sind, verzweifelte Hilferufe ihrer Kinder: Hört endlich auf, wir lieben euch doch beide . . .
Mütter machen sich schuldig an der Entwicklung ihrer Kinder, wenn sie ihre Gefühle gegen ihren Ex-Mann auf das Kind übertragen, "Haustiere" aus den Jungen (Du bist jetzt mein Ein und Alles) und "Männerhasserinnen" aus den Mädchen machen. Die Gefahr ist groß, dass aus diesen Kindern gefühlsmäßig verbogene, verkorkste Erwachsene werden, im schlimmsten Fall gefühlskalt für ihr Leben. Unsere Gesellschaft wird das zu spüren bekommen.
Darüber sollten sich Geschiedene Gedanken machen und sich wie Eltern, wie Erwachsene, verhalten, die wirklich das Wohl des Kindes im Auge haben und nicht billige Rache am verlorenen Partner. Jedes Kind hat ein Recht auf Mutter undVater . . .
Schreiben Sie uns über Ihre Erfahrungen. Das Thema geht uns alle an, damit auch Anwälte, Jugendämter, Familienrichter und Gerichte sensibilisiert werden, Vätern das Recht einzuräumen, das ihnen zusteht - zum Wohle der Kinder.



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