Jean-Claude träumt von einer Basketball-Karriere
Ausgelassen tobt Jean-Claude durch die Sporthalle am Gymnasium Bramfeld. Obwohl er wegen einer Stirnverletzung zur Zeit keinen Sport treiben darf, spielt er mit seinem Bruder Basketball. Der 10jährige sprüht dabei nur so vor Bewegungsdrang, und jeder merkt, wie glücklich er ist, daß er seinen Lieblingssport ausüben kann.
Die Aktion " . . . und los!" hat dem Grundschüler die Mitgliedschaft im Bramfelder SV ermöglicht. Seit Juni 2004 sorgt die Initiative des Hamburger Abendblattes, des Abendblatt-Vereins "Kinder helfen Kindern" und die Hamburger Sportjugend (HSJ) dafür, daß junge Menschen im Verein aktiv sein können, deren Eltern sich die Mitgliedsbeiträge nicht leisten können. "Kids in die Clubs" lautet ein Motto des Projekts, das auch dem jungen Jean-Claude den Weg in den Sportverein seiner Wahl ebnete. "Die Aktion ist super", freut sich das Nachwuchstalent. "Ich habe hier viele neue Freunde gefunden, und es macht riesig Spaß."
Auch Mutter Astrid ist dankbar für die Unterstützung. Neben Jean-Claude muß die halbtags arbeitende Fremdsprachensekretärin Beiträge für ihre zwei weiteren Söhne Christophe (8) und Alain (12) aufbringen. Da ihr Mann erst mit seiner Ich-AG Fuß fassen muß, kann sie sich die monatlichen Kosten von knapp 30 Euro nicht leisten. Die Aktion " . . . und los!" ist für Astrid M. wie ein Geschenk: "Für die Kinder ist Sport unheimlich wichtig. Da passieren ganz viele Sachen, die positiv für ihre Entwicklung sind", sagt die 46jährige. Seit einem Jahr nimmt sie die Hilfe in Anspruch.
Ihre Söhne sind drei von 120 Kindern, die dank "Kids in die Clubs" im Bramfelder SV aktiv sind. 50 Prozent von ihnen sind sogar Neueintritte. "Die Aktion ist für unseren Verein ein Glücksfall", sagt Michael Sander, Geschäftsführer beim Bramfelder SV.
Der 34jährige wurde durch die Hamburger Sportjugend früh auf " . . . und los!" aufmerksam. Dem Sportverein ermöglicht die Initiative durch die stabileren Beitragseinnahmen die ungefährdete Umsetzung seines Sozialauftrages. Die 10 Euro, die der Verein pro Kind und Monat erhält, liegen zwar knapp unter dem Monatsbeitrag, sie sind jedoch verläßliche Einnahmen.
In erster Linie will Sander mit " . . . und los!" Kinder von der Straße holen, "weg vom Fernseher in den Sportverein". Und das ist angesichts klammer öffentlicher Kassen, steigender Beiträge und Abgaben nicht immer einfach. "Wichtig ist, daß der Zugang in die Vereine niedrigschwellig bleibt. Es muß für die Familien unabhängig von ihren Einkommen möglich sein, im Verein Sport zu treiben", sagt Sander, der seit 2004 die Geschäfte des BSV leitet. Und genau aus diesem Grund sei es wichtig, daß es Aktionen wie "Kids in die Clubs" gibt. Mehr als 800 Kinder werden inzwischen in Hamburg gefördert. Mit rund 115 000 Euro wurden seit Juni 2004 zudem 35 Projekte unterstützt.
Doch nicht jeder, der die Hilfe von " . . . und los!" in Anspruch nehmen könnte, meldet sich bei Angelika Seifert von der Sportjugend (Telefon: 040/419 08-222). Viele Eltern sehen die Unterstützung als eine Art Armutsbekenntnis. Astrid M. hat für diese Scheu wenig Verständnis: "Da sollte man sich zurückstellen und nur an seine Kinder denken", sagt sie.
Die dreifache Mutter ist dankbar, wenn sie ihren Nachwuchs in der Sporthalle Basketball spielen sieht. Jean-Claude muß sich zwar diesmal wegen seiner Verletzung ein wenig zurückhalten, doch der Fan von US-Ikone Michael Jordan freut sich schon auf den Tag, an dem er wieder voll mit der Talentgruppe des BSV trainieren darf. Denn Jean-Claude will wie sein Vorbild Basketball-Profi werden. Sollte sich sein Traum eines Tages erfüllen, wird er bestimmt gern an " . . . und los!" zurückdenken. Und viele andere Kinder und Jugendliche sicher auch.



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