30.06.12

Ferienprogramm für Kinder

Hier können Kinder spielend fremde Welten erobern

Die Spielscheune der Geschichten in Neuallermöhe ist ein Erlebniszentrum für Kinder aus allen Nationen. Hauptattraktion: Märchenerzähler.

Foto: Roland Magunia
In der Spielscheune der Geschichten sollen Kinder Mut und Selbstvertrauen lernen, zum Beispiel beim Erklettern des Vulkans, so wie die kleine Angelina Scholl, 3
In der Spielscheune der Geschichten sollen Kinder Mut und Selbstvertrauen lernen, zum Beispiel beim Erklettern des Vulkans, so wie die kleine Angelina Scholl, 3

Hamburg. Der Vulkan ist etwa sechs Meter hoch. Es ist ein Abenteuer, ihn zu besteigen. Angelina wagt es trotzdem. Sie ist drei Jahre alt und schon ziemlich stark. Unten wartet Sharon. Sie ist 13 Jahre alt. Ihre Eltern kommen aus Afrika. Sharon fängt die Kinder auf, wenn sie vom Vulkan rutschen. Sie begleitet die Kleinen, wenn der Gong ertönt und Furkan kommt. Der ist 16 und hat eine schöne Stimme. Er kann wunderbar Märchen erzählen. Deutsche und türkische. Sharon und Furkan sind oft in der Spielscheune der Geschichten im Stadtteil Neuallermöhe. Dort, wo Kinder aus ganz Hamburg und allen Nationen zusammenkommen, um zu klettern, zu toben und zuzuhören. Es ist ein Ort, an dem Völkerverständigung gelebt wird, an dem spielerisch integriert wird.

Gemeinsam mit einer Handvoll Menschen aus Neuallermöhe hatte Annette Ackermann, die Geschäftsführerin, vor acht Jahren die Idee der Spielscheune der Geschichten, einem Indoor-Spielplatz, der gleichzeitig ein interkulturelles Begegnungszentrum sein sollte. Passend für einen Stadtteil, in dem mehr als zwei Drittel der unter 18-Jährigen einen Migrationshintergrund haben. "Wir wollten einen Raum schaffen, der die kulturelle Identität seiner Besucher stärkt, ihre sozialen Kompetenzen und das Verständnis für Angehörige anderer Kulturen fördert", sagt Ulla Moser. Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern des gemeinnützigen Eltern und Stadtteilvereins, der das Projekt trägt, und ist als Geschichtenerzählerin eine der Hauptattraktionen in der Spielscheune. Denn in der großen Halle am Rande des Stadtteils können die Besucher nicht nur einen riesigen Gummivulkan erklettern, auf Trampolinen durchs Weltall hüpfen, auf der hölzernen Arche Noah kleine Abenteuer erleben oder sich auf dem Kletterparcours durch den Dschungel hangeln, sie können auch einfach nur den Geschichtenerzählern lauschen, die über Freund- und Feindschaft, Nächstenliebe und Gemeinschaftssinn, Respekt vor dem anderen und vor der Menschenwürde sowie von fremden Traditionen und Ländern erzählen. Ort der Geschichten ist ein großer Saal, auf dessen Teppichen dicke rote und braune Sitzkissen liegen. Am Kopfende steht ein goldener Sessel mit dunkelrotem Samt vor einem Baldachin. Hier sitzt Ulla Moser oder einer der ehrenamtlichen Erzähler. "Wir greifen in unseren Geschichten Themen auf, die die Kinder bewegen", sagt Moser. Das kann auch mal das Thema Abschied sein oder Tod. Auch viele Eltern, die meistens im integrierten Café auf ihre Kinder warten, würden den Geschichten gerne zuhören. "Es sind Minuten, in denen alle einmal zur Ruhe kommen und wie verzaubert sind."

+++ Ferienprogramm für Kinder +++

Die Geschichtenerzähler kommen aus Südafrika und Syrien, aus Afghanistan und der Türkei. Einige von ihnen sind mit der Spielscheune der Geschichten aufgewachsen. Jetzt sind sie 15 oder 16 Jahre alt und gehören zum Team. So wie Furkan und Sharon. Denn auch das ist Ziel der Spielscheune der Geschichten: Jugendlichen aus dem Stadtteil eine Perspektive zu geben, eine Aufgabe, bei der sie Verantwortung übernehmen können. Die ausgebildeten Jugendteamer tragen ein rotes T-Shirt, sie greifen den Kindern wortwörtlich unter die Arme, wenn diese nicht allein weiterkommen. Sie schlichten Streit und vermitteln. Was sie dafür bekommen? Anerkennung, das Gefühl gebraucht zu werden, und einen Euro Stundenlohn.

Ein wesentlicher Teil der Arbeit in der Spielscheune der Geschichten, die unter anderem von der Körber-Stiftung mit der Hamburger Tulpe für interkulturellen Gemeinsinn ausgezeichnet worden ist, gehört dem interreligiösen Dialog. Hier werden Kulturen gelebt, Fest- und Feiertage begangen wie das persische Frühlingsfest Nouvruz, das christliche Osterfest und das jüdische Pessach.

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Auf diese Weise kommen die Kinder frühzeitig in Kontakt mit dem Ungewohnten, Fremden, anderen. "Je mehr sie andere Kulturen kennenlernen, desto toleranter werden sie", sagt Ulla Moser. Und fasst damit zusammen, was die Kinder in Schönschrift als Motto an die Wände geschrieben haben. Es steht dort in Deutsch, Englisch, Spanisch, Türkisch, Polnisch, Russisch, Arabisch und Neuhebräisch: "Peace grows in the hearts of our children. Baris çocuklarin kalbinde büyür, Frieden wächst in den Herzen unserer Kinder."

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