Soziales Engagement

Klettern und Kartfahren – dafür ist Pate Michael zuständig

Michael Behr und Patenkind Ilan  im Hamburger Museum für Völkerkunde.

Foto: Roland Magunia

Michael Behr und Patenkind Ilan im Hamburger Museum für Völkerkunde.

Das Projekt "mitKids" der Ehlerding Stiftung vermittelt Zeitspender für Kinder. Besonders Männer werden dringend gesucht

Klettern, Kartfahren, Legoflugzeuge zusammenbauen – mit Michael mache er Sachen, für die sich seine Mutter nicht so gut eigne, sagt Ilhan. Die Welt durch die Augen eines Kindes betrachten, sich mit dessen Wissbegier auseinandersetzen, Vorbild sein – die Zeit, die er mit Ilhan verbringe, bereichere sein Leben, sagt Michael Behr. "Ilhan hat mich kürzlich gefragt, was Moral ist", so der 37-Jährige. "Eine tolle ­Herausforderung, das kindgerecht und ohne eigene Wertungen zu erklären."

Vor zehn Monaten hat Michael Behr über die Ehlerding Stiftung die Patenschaft für Ilhan übernommen. Seitdem verbringt er pro Woche bis zu fünf Stunden mit dem aufgeweckten Achtjährigen – da er selbstständig ist, geht das auch nachmittags. "Meistens unternehmen wir etwas, ich habe aber auch schon bei Ilhan zu Hause gespielt", sagt der Lebensmitteltechnologe.

Der Wunsch, sich ehrenamtlich sozial zu engagieren, habe ihn schon länger umgetrieben. Nachdem er sich ausführlich informiert hatte, entschied er sich für das Projekt "mitKids Aktivpatenschaften", mit dem Stiftungsgründerin Ingrid Ehlerding das bestehende Portfolio ihrer Stiftung 2007 ergänzte. "Die Idee ist, dass ein Erwachsener ein Kind als zusätzliche Bezugsperson begleitet und stärkt", erklärt Projektleiterin Bettina Jantzen. Gerade Kinder aus Familien in belasteten Situationen bekämen oft zu wenig Aufmerksamkeit – weil es zu wenig Geld oder zu viele Geschwister gebe, die Eltern krank, arbeitslos oder alleinerziehend seien. Durch ihre Paten könnten sie neue Erfahrungen sammeln und Dinge machen, für die sonst niemand Zeit habe: schwimmen lernen, Fahrradtouren und Ausflüge unternehmen oder einfach nur Kuchen backen.

Jungen brauchen auch Männer als Rollenvorbilder

150 aktive Paten gebe es derzeit, sagt Bettina Jantzen. Sie sind zwischen Mitte 20 und Mitte 70 und in der Mehrzahl berufstätig. "Leider liegt der Männeranteil unter den Paten nur bei 20 Prozent", sagt Jantzen. Dabei sei gerade für Jungen wie Ilhan, die keinen Kontakt zu ihren leiblichen Vätern haben, eine männliche Bezugsperson sehr wichtig.

Genau das wollte Tanya Tannenburg ihrem Sohn ermöglichen. Daher hatte sie sich im vergangenen Herbst an die Ehlerding Stiftung gewandt. "Jungen brauchen auch Männer als Rollenvorbilder", sagt die 47-Jährige, die in der Flüchtlingshilfe arbeitet. Ihr Vater sei schon zu alt für Unternehmungen mit Ilhan. Ansonsten habe er in Kita und Grundschule bislang überwiegend Kontakt zu Frauen gehabt. "Michael ist kein Vaterersatz, aber ein großer Freund, mit dem Ilhan sich auseinandersetzen kann." Die Unternehmungen machten ihrem Sohn Spaß und täten ihm gut. Sie hoffe, dass die Patenschaft lange bestehe und sich Ilhan auch später, in der Pubertät, an Michael wenden könne.

Für Michael Behr steht ein Ende der Patenschaft nicht zur Debatte, auch wenn die Mindestlaufzeit von einem Jahr bald erreicht ist. So wie ihm scheint es vielen Paten zu gehen.

"Die längste Patenschaft besteht seit neun Jahren, fast die Hälfte mehr als fünf Jahre", sagt Bettina Jantzen. Potenzielle Paten müssen ein paar Voraussetzungen erfüllen: volljährig sein, ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und, so Bettina Jantzen: "sich wohlfühlen im Leben". "Das Patenkind darf nicht dazu benutzt werden, eine Lücke zu stopfen." Zudem sollten die Bewerber offen, tolerant und ohne große Erwartungen an das Kind sein. Um das abzuklären, würden die Bewerber von zwei sogenannten Patenschaftsbegleiterinnen besucht. Danach werde überlegt, welche Tandems man zusammenbringen könne, und ein gegenseitiges Kennenlernen arrangiert. Nach einer Schnupperphase entscheiden Pate und Patenkind dann, ob sie zusammenbleiben möchten. Bei Ilhan und Michael stand das sofort fest.

Weitere Auskünfte erhalten Sie von Bettina Jantzen unter der Telefonnummer 41 17 23 12 oder im Internet unter www.ehlerding-
stiftung.de

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