Chancen: Unterstützung für Mädchen aus Migrantenfamilien
Özlem, Meltem, Beheshta und Josefine pauken fürs Abitur
Besonders begabte und motivierte Mädchen werden bei ISI (Interkulturelle Schülerinnen-Initiative) zusätzlich gefördert. Der Erfolg ist groß, die Warteliste lang ...
Foto: Mundzeck
Sie heißen Özlem und Meltem, Beheshta und Josefine, sind zwischen 16 und 18 Jahre alt und kommen aus drei Ländern: Türkei, Afghanistan und Italien. In ein bis zwei Jahren wollen sie Abitur machen. An diesem Abend sind sie nach einem langen Schultag in einen Unterrichtsraum der Interkulturellen Schülerinnen-Initiative e. V. (ISI) in Ottensen gekommen und blicken gespannt auf Christine Beckmann und Claudia Lange.
Die beiden Personal-Trainerinnen haben Flipcharts vorbereitet. Thema: Wie präsentiere ich mich und mein Anliegen bei einem Referat oder einer Bewerbung selbstbewusst und erfolgreich?
Alle vier Mädchen sprechen recht gut Deutsch, leben schon länger hier, doch so einfach ist es nicht für sie, sich in der fremden Kultur unbefangen vor Publikum zu bewegen. Hier setzt an diesem Abend der Unterricht an: Wie lerne ich, überzeugend vor kritischen Zuhörern aufzutreten? Wie stehe ich, was mache ich mit meinen Händen, wohin schaue ich, wie klingt meine Stimme?
Nahezu jeder Mensch braucht anfangs Hinweise und Übungen, um sich ruhig und sicher vor anderen präsentieren zu können und seine Verlegenheit zu überwinden, aber diese Mädchen haben es doppelt schwer, weil sie zusätzlich zum Schulstoff vieles im alltäglichen Umgang lernen müssen, was für sie fremd und manchmal sogar irritierend ist. Auf Empfehlung ihrer Schule - und mit Genehmigung ihrer Eltern - kommen sie zweimal wöchentlich nachmittags zu ISI, wo ausgebildete Lehrkräfte besonders begabte und motivierte Schülerinnen (aus teilweise sozial benachteiligten Familien) zusätzlich fördern, um ihnen das Abitur zu ermöglichen. Sie alle wollen diese "beste Ausbildung in Deutschland", und ihre Augen leuchten, wenn sie darüber sprechen. Darum ist es ihnen auch so wichtig, nicht an äußerlichen Ungeschicklichkeiten zu scheitern, sondern ihre Kompetenz selbstsicher vermitteln zu können.
Gekreuzte Beine, wippender Körper, verschränkte Hände - wer da vorne steht, muss sich von den anderen sagen lassen, wie das wirkt.
Aber auch unmotiviertes Lachen, ein stotternder Vortrag, eine zu leise Stimme: Die Gleichaltrigen versuchen nicht, höflich darüber hinwegzusehen, sondern nennen solche "Fehler" schonungslos beim Namen.
Das wirkt - wird aber gemildert durch die aufmerksam beobachteten Stärken, die von den Trainerinnen aufgezeigt werden.
Überhaupt geht es hier nicht darum, vor allem Mängel zu benennen, sondern vielmehr konstruktiv Kritik zu üben und besonders die positiven Fähigkeiten hervorzuheben.
Özlem und Meltem, Beheshta und Josefine sind nur vier von 30 Schülerinnen eines Jahres, die sich, mit regelmäßiger finanzieller Unterstützung vom Zonta-Club Hamburg-Alster, auf ein gleichberechtigtes und erfolgreiches Berufsleben in Deutschland vorbereiten.
Viele andere vor ihnen haben den Sprung schon geschafft, arbeiten heute als Ärztin und Lehrerin, Journalistin und Luftfahrttechnikerin oder Ingenieurin unter uns. Die Warteliste für diese Nachhilfe ist lang, aber die Kapazitäten der ehrenamtlich unterstützenden Lehrerinnen sowie die Räumlichkeiten in der Zeißstraße stoßen an Grenzen. Auch Christine Beckmann vom Zonta-Club Hamburg-Alster und ihre Kollegin coachen die jungen Frauen ehrenamtlich und mit Freude über deren sichtbare Motivation.
Nach der ersten Runde Selbstpräsentation und einigen korrigierenden Hinweisen, bei denen auf beiden Seiten auch viel gelacht wird, geht es dann schon viel besser. Das merken die lernfreudigen jungen Mädchen selbst und bewegen sich jetzt freier, sprechen klarer und strukturierter. Sie werden es schaffen, das spüren alle - und haben damit einen großen Schritt nach vorn getan.





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