07.11.09

Werner R. hat eine erfüllende Aufgabe gefunden

Er bastelt "Sterne der Hoffnung", um Freude zu schenken

Nach einem problembeladenen Lebensweg hat Werner R. endlich etwas gefunden, das ihm Spaß macht.

Foto: Marcelo Hernandez
Obdachloser Bastellt Sterne Frau Dr. Franz
80 Sterne bastelt Werner R. am Tag.

Während ich mit ihm spreche, bastelt Werner R. ununterbrochen Fröbelsterne, kompliziert zu faltende Sterne, die besonders gern in der Weihnachtszeit zum Schmücken verwandt werden. Alle fünf Minuten entsteht ein neuer Stern, 80 sind es am Tag, 15 000 bis 20 000 im Jahr. Sämtliche Sterne verschenkt er, um anderen Menschen eine Freude zu machen." Das erzählt Dr. Gabriele Franz, engagierte Leiterin von Hilfspunkt e.V., einem Verein, der sich um obdachlose und Not leidende Menschen in Hamburg kümmert. Ein Stern ist schöner als der andere, Werner R. bastelt große und kleine, in vielen Farben. Für die Päckchen, die die Redaktion Von Mensch zu Mensch an Alte, Kranke und Bedürftige in unserer Stadt wieder zum Weihnachtsfest verschicken wird, hat Werner R. bereits 1000 wunderschöne Sterne gebastelt. "Und es geht weiter", verspricht er.

Die Geschichte von Werner R. und seinen Fröbelsternen ist eine Geschichte, die erzählt, dass man nie die Hoffnung aufgeben sollte.

1962 in Hessen geboren, fand das empfindsame Kind nur in den Ferien bei seiner Oma Liebe und Geborgenheit. Bei ihr lernte er Fröbelsterne zu basteln. Als Werner R. 16 Jahre alt war, verstarb die Mutter an Krebs. Werner fühlte sich verlassen. Trotz der widrigen Umstände machte er seinen Hauptschulabschluss, eine Lehre als Maurer. Mit 18 Jahren warf ihn der Vater, ein Alkoholiker, aus der Wohnung. Das war ein solcher Schock für den Jungen, dass er jeden Halt verlor: Alkohol, Drogen, Spielsucht und Obdachlosigkeit bestimmten fortan sein Leben.

1997 kam er nach Hamburg. Er spürte, es ist eine Stadt, in der man mittellos nicht verhungern kann. Er blieb. Als er in einer Auslage einen Fröbelstern entdeckt, beginnt er wieder zu basteln. Das lenkte ihn so ab, erfüllte ihn so sehr, dass es bergauf ging. Er fand eine kleine Wohnung, einen Job. Er trinkt nicht mehr und bastelt seine "Sterne der Hoffnung". Vom 4.-6. Dezember sitzt er am Stand von "Hilfspunkt" auf dem Ökologischen Weihnachtsmarkt im Museum für Arbeit. Er führt dort vor, wie er seine Sterne bastelt.

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