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Von Mensch zu Mensch

Junge Frauen in Top-Positionen noch selten

Unsere Anne will Karriere machen

Auf die Gründe, warum es heute noch immer so wenig weibliche Führungskräfte gibt, geht Prof. Dr. Angelika Wagner von der Uni Hamburg in ihrem Beitrag ausführlich ein.

Unternehmen mit Frauen in Führungspositionen erwirtschaften sogar mehr Gewinn, zeigt eine Studie von McKinsey.
Foto: Mauritius

Meine Tochter ist hochbegabt und hoch motiviert, sie möchte gerne Karriere machen. Genauso wie ihre beste Freundin. Wir haben oft darüber diskutiert, warum heute immer noch wenig Frauen in Top-Führungspositionen sind. Woran mag es wirklich liegen?

Hella G. (46)

Die Antwort gibt Frau Prof. Dr. Angelika C. Wagner:

Die Chancen für die heutige junge Generation von Frauen, später in Führungspositionen zu gelangen, sind besser denn je zuvor. Zum einen aus demografischen Gründen: Je weniger junge Menschen es gibt, desto geringer wird auch die Zahl der jungen Männer, die für Führungspositionen geeignet sind.

Aufgeschlossene Unternehmen bemühen sich deshalb bereits heute, gezielt Frauen als potenzielle Nachwuchsführungskräfte zu fördern. Eine Studie von McKinsey zeigt, dass Unternehmen mit Frauen in Führungspositionen sogar mehr Gewinn erwirtschaften als andere Firmen - bei mehr als drei Frauen im Vorstand eine bis zu 55 % höhere Eigenkapitalrendite. Und die Bertelsmann-Stiftung hat 2006 herausgefunden, dass die Unternehmen mit Müttern in Führungspositionen mehr Gewinn machen als andere. Mütter bringen besonders führungsrelevante Kompetenzen mit: Gelassenheit, Pragmatismus, Organisationstalent. Also, die Gesellschaft braucht junge Frauen wie Ihre Tochter. Ermutigen Sie sie, sich - sofern es ihren Neigungen und Begabungen entspricht - eine zukunftsträchtige Berufsbranche auszusuchen. Es werden heutzutage z. B. viele junge Naturwissenschaftlerinnen, Ingenieurinnen oder Wirtschaftsinformatikerinnen gebraucht - aber auch viele andere Talente. Eine sehr gute Ausbildung, entsprechendes Engagement und Praktika sind selbstverständlich wichtige Voraussetzungen.

Aber Frauen haben es heute in manchen Berufsfeldern nach wie vor schwerer voranzukommen als Männer. Ein Grund dafür sind unterschiedliche gelernte Spielregeln. Jungen lernen früh, Hierarchien zu erkennen und sich einen entsprechenden Platz darin zu erkämpfen, während Mädchen eher dafür belohnt werden, andere zu unterstützen und ihre eigenen Leistungen nicht in den Vordergrund zu stellen. Das mag liebenswert sein, wird jedoch spätestens dann problematisch, wenn sich eine junge Frau in einem Feld behaupten muss, in dem Männer in der Überzahl sind.

Hier brauchen junge Frauen Unterstützung und Beratung: Sie brauchen mehr noch als Männer Netzwerke mit anderen weiblichen und auch männlichen Kollegen, mit anderen (Nachwuchs-)Führungskräften und Mentoren. Amerikanische Studien haben gezeigt, dass viele Top-Führungskräfte einen oder mehrere Mentoren gehabt haben, die sie in entscheidenden Situationen beraten haben. Solche Mentoren lassen sich im eigenen Umfeld finden oder können auch in formellen Mentoringprogrammen vermittelt werden, so wie dies beispielsweise die von mir geleitete Arbeitsstelle Expertinnen-Beratungsnetz/Mentoring der Universität Hamburg tut. Und wenn Kinder kommen, dann kann ein Netzwerk mit anderen Müttern und Babysittern entscheidend dazu beitragen, kritische Situationen (z. B. Kind krank) zu meistern. Manchmal sind es auch mentale Blockaden - Einstellungen, Vorurteile, Ängste -, die den Aufstieg von Frauen behindern. Wie sehen diese Blockaden aus, bei den Frauen selbst und auch bei deren Umwelt - Kollegen, Vorgesetzten, Kunden? Und was lässt sich tun, um sie erfolgreich aufzulösen?

Diese Fragen untersuchen Dr. Telse Iwers-Stelljes, Judith Oerding und ich seit März 2009 im Rahmen eines neuen Forschungsprojekts, Teil des Forschungsverbundprojekts "Aufstiegskompetenz von Frauen - Hindernisse und Potenziale" (Koordination Prof. Eva Bamberg). Das Gesamtvorhaben wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit einer Million Euro gefördert und vom Europäischen Sozialfonds (ESF) kofinanziert. Neben mentalen Blockaden sollen Arbeitsbedingungen (Prof. E. Bamberg), Führung (Prof. G. Mohr, Leipzig), Mikropolitik (Prof. D. Rastetter), Frauen und Technik (Prof. M. Janneck) untersucht werden.

Im Rahmen der "Open Uni" am 13. Juni, 15-19 Uhr, erfahren Sie mehr über das Thema, z. B. über mentale Blockaden (Von-Melle-Park 8, Foyer) oder über Arbeitsbedingungen (Von-Melle-Park 11, vor Raum 103).

Prof. Dr. Angelika C. Wagner promovierte 1971 an der University of Michigan, seit 1985 Professorin an der Universität Hamburg; 1988-1990 dort Vizepräsidentin. Seit 30 Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit der Frage des Aufstiegs von Frauen.


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