Bürgermeister Ole von Beust bekennt sich zur Primarschule, sagt aber immerhin, dass der Teufel im Detail stecke. In der Tat: Für das, was zugesagt...
Bürgermeister Ole von Beust bekennt sich zur Primarschule, sagt aber immerhin, dass der Teufel im Detail stecke. In der Tat: Für das, was zugesagt worden ist, fehlen in der Praxis Zeit und Geld, und vieles kann nicht funktionieren, da Widersprüchliches gleichzeitig versprochen wird. Hier einige Details mit Teufeln darin.
1. Seit zehn Jahren haben die weiterführenden Schulen ihre Schulprogramme mit Profilen entwickelt, (zwei-)sprachliche, sportliche, musische. Die Reform verspricht, dass hierfür auch in den Primarschulen durch Fachlehrer vorgearbeitet werden kann. Das kann nicht gehen. Ein Beispiel: Ein altsprachliches Gymnasium mit knapp 120 Anmeldungen erhält 40 % seiner Anmeldungen von elf Grundschulen, also etwa fünf Kinder pro Schule, die restlichen 60 %, also etwa 70 Kinder, aus 20 anderen Grundschulen, jeweils etwa drei bis vier Kinder. So kleine Kurse an jeder Primarschule werden weder finanzierbar noch organisierbar sein.
2. Kein Problem, so die behördliche Entgegnung , wir richten regional an einigen Primarschulen Lateinkurse ein. Dies bedeutet aber ein Abgehen von der Regel der kurzen Wege für die kurzen Beine, Eltern müssten sich für besondere Profile und weitere Wege schon vor der ersten Klasse entscheiden. Dies Dilemma ist an sich nicht lösbar.
3. Aber für engagierte Eltern wird die Lösung in einem Schulwechsel nach der dritten Klasse in die Unterstufe einer anderen Primarschule mit Lateinangebot liegen. Das gemeinsame Lernen wird unterbrochen, es wird Wanderungsbewegungen geben, denn an dieser Stelle haben Eltern noch ein Wahlrecht.
4. Ein weiteres, bisher unbeachtetes Dilemma: Da jeder Sechstklässler mit Gymnasialversetzung jedes Gymnasium besuchen dürfen soll, darf dabei die ab Klasse 5 - von manchen auf Probe - gewählte zweite Fremdsprache keine Rolle spielen. Deshalb soll sie mit Ende Klasse 6 abgewählt werden können, in Klasse 7 kann eine neue zweite Fremdsprache aufgenommen werden. Ergebnis: Die weiterführenden Schulen werden die zweite Sprache auf zwei Niveaus anbieten müssen. Die einen lernen Französisch dann in fünf Jahren bis Ende Klasse 9, die anderen sollen denselben Stand in drei Jahren erreichen. Wie soll das gehen? Und für die humanistischen Traditionsgymnasien würde es faktisch das Ende bedeuten.
5. Das von der CDU zugesagte Weiterbestehen (fast) aller Gymnasien ist eine Illusion. 2010/11 werden sie den Jahrgang 13 und gleichzeitig die Klassen 5 und 6 verlieren, also ein Drittel der Schüler und der Lehrer, dagegen stünde ein Drittel der Räume leer bei großem Raumbedarf der Primarschulen. Deren ruckartig anfallende Raumbedarfe 2011/12 werden nicht gebaut werden können. Deshalb wird die Parole für die Gymnasien sein "Aus drei mach zwei!" - ein Abbau eines Drittels der Gymnasien, etwa 20. Ganz ungeklärt bleiben die Fragen der Differenzierung des Unterrichts in allen Fächern der Primarschulen auf zwei Niveaus und die Lehrerfortbildung dafür.
Was tun? Die Alternative lautet: Augen zu und durch! oder einen angesichts der Finanzlage nachzuverhandelnden Kompromiss schaffen:
1. Es gibt den großen Kompromiss: Von dem schwarz-grünen Projekt nehmen wir die intensive Sprachförderung in der Kita-Zeit (jetzt auch mit mehr Geld), die Senkung der Klassenfrequenzen und die große Fortbildungsoffensive für die Lehrer auf. Erst einmal beginnen die beiden Wege in Stadtteilschule und Gymnasium mit Klasse 5, und nach acht bis zehn Jahren sehen wir die Ergebnisse und prüfen die Verlängerung der Grundschule zur Primarschule.
2. Es gibt den kleinen Kompromiss: Der Ablauf wird in der Zeit noch einmal um ein bis zwei Jahre gestreckt für den planerischen und baulichen Vorlauf. Primarschulen laufen oft an mehreren Standorten, ein dichtes Netz von Grundstufen (Kl. 0/1 - 3) bleibt erhalten, die Unterstufen arbeiten gezielt in räumlicher Nähe mit weiterführenden Schulen zusammen und bereiten auf diese vor. Der Wechsel der Primarschule zwischen den Stufen nach Klasse 3 wird organisatorisch erleichtert und mit Beratung begleitet. Funktionierende Langformen (z. B. bei Gesamtschulen) bleiben faktisch erhalten - der Schwerpunkt "frühe Förderung" vermutlich aus Geldmangel auf der Strecke.











