24.01.11

Hamburgs Grundschulen

Der Wutbrief eines Vaters: Ich klage an!

Hamburger Peter Wippermann wählt mit Bedacht die Grundschule am Turmweg für seine Tochter. Doch was er dort erlebt, ist erschütternd.

Von Peter Wippermann
Foto: Reto Klar
Prof. Peter Wippermann, 61, der Autor dieses Wutbriefes, ist einer der führenden deutschen Trendforscher. Er gründete das Trendbüro Hamburg.
Prof. Peter Wippermann, 61, der Autor dieses Wutbriefes, ist einer der führenden deutschen Trendforscher. Er gründete das Trendbüro Hamburg.

Hamburg. Es war mein Vorschlag, ich gebe es gern zu. Unsere Tochter sollte auf eine traditionelle Grundschule gehen. Die Turmwegschule zwischen Rothenbaumchausse und Mittelweg schien mir gerade recht. Ihr Ruf war geprägt von unaufgeregter Beständigkeit. Das schien mir ideal. Meine Frau aber hatte mich damals schon gewarnt, der Ruf der Schule war ihr zu konservativ. Wir haben uns beide grundlegend getäuscht.

An der Turmwegschule ist im Jahresdurchschnitt ein Viertel des Lehrerkollegiums abwesend, meist krankgeschrieben. Jetzt im Winter fehlt häufig mal ein Drittel der Lehrerinnen. Es gibt keinen Ersatz. Der Vertretungspool von Lehrkräften der Schulbehörde wurde eingespart - ersatzlos gestrichen.

Unsere Tochter hat seit den letzten Sommerferien keine Klassenlehrerin mehr. Diese hatte einen Sportunfall in der Schule und ist seitdem auf unbestimmte Zeit krankgeschrieben. Seit dem Beginn des Schuljahres wird sie von einer Studentin vertreten. Im Sommersemester wird diese die Klasse wieder abgeben und ihre Lehrerausbildung abschließen. Ob die ursprüngliche Klassenlehrerin dann wieder den Unterricht aufnehmen wird, ist ungewiss.

Dass überhaupt eine Vertretung stattfindet, ist besser gelöst als im ersten Schuljahr. Damals wurden die Kinder bei häufigem Unterrichtsausfall einfach auf vier Klassen sowie die Vorschule verteilt, damit sie unter Aufsicht waren. Hier konnten sie sich im Selbststudium Deutsch und Mathematik beibringen. Unterricht hatte ich mir für Erstklässler schon damals anders vorgestellt.

Einsparungen im Personalbereich sind an Hamburger Schulen willkommen. Wer als Schulleitung mit weniger Lehrern auskommt und dazu noch Studenten als Vertretung einstellt, gilt in der Schulbehörde als erfolgreich. Managementqualität ersetzt Pädagogik. Die Grundschule der traditionellen Bildung hat ausgedient und ist offiziell zu einem Profitcenter der Hamburger Schulbehörde geworden.

Mit dieser Entwicklung wird die Turmwegschule nicht allein sein. Die Selbstverwaltung macht es möglich. Ein Vertreter der Schulbehörde hat es unserer Elternvertreterin ausdrücklich bestätigt. Bildung wird in Hamburg ökonomisch definiert. Studenten mit erstem Staatsexamen können ebenso wie Eltern den Unterricht in der Grundschule übernehmen. Maßstab ist nicht die Qualität der Bildung, sondern die Haushaltslage. Ich frage mich, ob es da nicht konsequent wäre, die Pädagogik-Studiengänge der Hamburger Universität ganz einzusparen - das könnte den Bildungsetat entlasten.

Wir haben Wahlkampf in Hamburg, und die Entscheidungen für die nächsten Jahre werden diskutiert. Die Bürgermeisterkandidaten haben bisher über die Schlaglöcher der Straßen, die Kürzung des Weihnachtsgeldes von Beamten, den unmöglichen Bau der Stadtbahn und über die Unsicherheit auf den U- und S-Bahnhöfen gestritten. Das Thema Bildung steht bisher nicht im politischen Rampenlicht.

Es lohnt sich aber, über die Zukunft der Stadt nachzudenken. In einer Stunde schrumpft die Bevölkerung Deutschlands um 17 Einwohner. Kinder werden zur Minderheit in unserem Land. Hamburg versteht sich gern als wachsende Stadt. Familien mit Kindern machen vor allem wirtschaftlich Sinn. Schüler sind die Mitarbeiter und Steuerzahler von morgen, spätestens unter diesem Aspekt sollte das Thema Bildung für die Politik interessant werden. Jeder Schulanfänger könnte dann wieder eine/n KlassenlehrerIn haben.

Haben Sie ähnliche Erfahrungen mit Ihren Kindern in der Schule gemacht? Schreiben Sie uns eine E-Mail an schule@abendblatt.de

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