Stadtteilreporter
ESL in Hamburg: Wenn Aliens und Drachen das CCH belagern
Die Profis der Computerspiel-Bundesliga (ESL) gastierten am Freitagabend im CCH in Hamburg und mit ihnen Aliens, Drachen und Trolle.
Hamburg. Die Finger zucken, die Hände huschen über die Tastatur und lassen die Mäuse blitzschnell über die Mousepads gleiten. Auf einer Leinwand sehen die rund 1000 Besucher der Bundesliga der Computerspieler, Schlachten zwischen Aliens, Menschen, Drachen und Trollen.
Am Bundesliga-Abend für Computerspieler von der Electronic Sport League (ESL) spielten im CCH insgesamt 14 Spieler um den Einzug in das Finale. Für die Profis geht es um ein Preisgeld von insgesamt 100.000 Euro.
Unter den Viertelfinalisten spielte auch Liga-Pokal-Sieger Daniel "Xlord“ Spenst. Der 20-Jährige tritt in dem Spiel "Starcraft 2“ an. "Um Profi-Spieler zu werden“, verrät Daniel, "musst Du viel spielen. Es ist wie beim Schach. Je mehr du spielst, desto besser kennst Du die Strategien und wirst schneller.“
Schnell zu sein bedeutet beim Computerspielen, etwa 200 bis 400 Aktionen mit der Maus und der Tastatur in einer Minute zu schaffen. Dafür ist tägliches Training ein Muss. Zeitlich ist es für den jungen Spieler aus Simmertal derzeit aber schwer. "Ich mache mein Abitur an einem Wirtschaftsgymnasium, versuche aber trotzdem so viel wie möglich zu spielen.“
So sind es am Wochenende vier bis fünf Stunden und in der Woche zwei bis drei Stunden, die Daniel als "Xlord“ vor dem Rechner verbringt. Seine Eltern unterstützen ihn dabei. "Anfangs waren meine Eltern etwas skeptisch, aber jetzt verfolgen sie die Spiele sogar im Internet.“
Am Wettkampftag selbst, wird nicht mehr trainiert. Finden die Spiele, so wie heute, an einem Freitag statt, „stehe ich auf und gehe zur Schule. Dann, kurz vor der Begegnung, habe ich noch Zeit, um mich etwas einzuspielen. Aber eigentlich sollte man davor genug trainiert haben.“
"Die Vorbereitung auf den Gegner ist ähnlich wie beim Fußball. Im Internet gibt es Wiederholungen der Spiele.“ Um sich den Gegenspieler also anzuschauen und sich auf die Spielweise und Taktik einzustellen, schaut Daniel sich die „Replays“ an.
Doch die Videoanalysen des Gegners vom Freitagabend, dem 25 Jahre alten Sasha Lupp aus Essen, haben am Ende des Spieltages nicht geholfen. "Xlord“ hat mit 0:2 im Spiel "Starcraft 2“ gegen "GoOdy“ verloren, der von den Zuschauern sogar mit Szenen-Applaus bedacht wurde und den Jubelschreien nach, die meisten Anhänger im Saal hatte. Damit ist „Xlord“ beim Halbfinale in Berlin nicht mehr dabei. Auch das Finale in Köln am 3. und 4. Dezember wird sich Daniel im Web oder vom Publikumssaal aus anschauen müssen.
Bei "Starcraft 2“ geht es darum, durch Abbau von Rohstoffen und Aufbau verschiedener Gebäude und Truppen, den Gegner zu besiegen. Dabei kommt es auf die richtige Strategie und Geschwindigkeit an. Bei "League of Legends“, dem zweiten Spiel, das auf dem Spieltag gezeigt wurde, kommt es darauf an, in einer Mannschaft aus fünf Spielern, seine Figuren durch Kämpfe mit Erfahrungspunkten weiterzuentwickeln und so dem Gegner überlegen zu sein und ihn im Kampf besiegen zu können.
Vor dem Spieltag fand für interessierte Eltern eine vom Veranstalter Turtle Entertainment durchgeführte "Eltern-LAN“ statt. Die Erwachsenen haben dort gelernt, was die Jugend am Computer spielt. "Manche Eltern sehen dann zum ersten Mal, wie schwer solche Spiele zu spielen sind, dass es auf Reaktion und Bewegung ankommt“, beschreibt Jugendschutzbeauftragter Ibrahim Mazari von Turtle Entertainment. "Sie finden nicht selten sogar Spaß am Spielen.“
Dass Computerspiele eine Gefahr von Sucht darstellen, hat Dr. med. Gregor Grotmann selbst beim Spielen erfahren. "Ich habe damals noch auf einem Amiga gespielt. Manchmal bis in die Nacht hinein.“ Daher sei es wichtig, den Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit den Computerspielen beizubringen. Gemeinsam mit seinem Sohn Felix besuchte der Mediziner aus Lübeck die Veranstaltung. "Ich wollte mir mal anschauen, was hier gespielt wird. Und ich muss sagen, ich kann verstehen, wenn man bei den Spielen Adrenalin bekommt.“
Valentin aus Hamburg sieht das professionelle Computerspielen auch als Sport an. "Du kannst Dich wie beim Sport verbessern. Es gibt Wettkämpfe bei denen Du Dich mit anderen Messen kannst. Vor allem reizt mich daran, dass man es zusammen spielt und jeder 100 Prozent gibt.“ Selbst spielte der 18-Jährige bei Landesmeisterschaften mit und trainierte drei bis viel Mal die Woche.
Die ESL besteht aus 3.000.000 registrierten Mitgliedern und über 740.000 Teams, sogenannten "Clans“. Sie ist damit die größte und bedeutendste Liga für Computerspiele in Europa. Im Monat werden rund 400.000 Spiele durchgeführt.






