Mein Quartier - Stadtteilreporter berichten
Was uns hier nicht gefällt
Eppendorf. Die Hamburger bezeichnen ihre Stadt nicht selten als die schönste der Welt. Aber an welchen Ecken sieht es gar nicht nett aus? Die persönlichen Beobachtungen aus den Quartieren.
Der Kellinghusenpark in Eppendorf
In Eppendorf ist die Frage gar nicht so einfach zu beantworten, hier fühlt man sich selbst zu später Stunde immer wohl. Zwei Dinge fallen mir aber ein: Eine Parkanlage, die ich so gut es geht zu umgehen versuche, ist der Kellinghusenpark. Grund dafür: Er ist schlecht ausgeleuchtet und scheint mir nicht der ideale Heimweg für eine Frau zu sein, die allein unterwegs ist. Darüber hinaus versuche ich, das Gelände des Uniklinikums zu umgehen. Nicht etwa, weil es finstere Ecken gibt, sondern weil ein Aufenthalt am UKE in der Regel nichts Gutes bedeutet. Lisa Niedeggen
Die Unterführung zum Bahnhof Altona
Ich finde in Ottensen die Unterführung vom Bahnhof Altona zur Neuen Großen Bergstraße nicht schön. In schmuddeliger "Underground-Atmosphäre" sind Stände aufgebaut, an denen man Kleidung, Obst und Gemüse kaufen kann. Beim Durchlaufen komme ich mir wie auf einem "Schwarzmarkt" vor. Leid tun mir die Standbesitzer, die den ganzen Tag im Dunkeln stehen. Mir erscheint die Unterführung wie eine Grenze, die den hippen Stadtteil Ottensen von der schmuddeligen Neuen Großen Bergstraße trennt. Christina Lachnitt
Die Spiellokale von Ottensen
Für mich persönlich ist das Spiellokal Casinoworld an der Bahrenfelder Straße tabu. Ich gehe mehrfach am Tag dort vorbei, aber ich habe es seit Jahren nicht betreten - allerdings aus religiösen Gründen. Im Islam ist Glücksspiel verboten. Außerdem finde ich, dass es sehr leichtsinnig und süchtig macht. Das Gleiche gilt für mich persönlich aber auch für alle anderen Spielhallen in Ottensen. Nizar Brahim
Die Herbertstraße auf St. Pauli
Ich persönlich kann mit der Herbertstraße auf St. Pauli nichts anfangen. Ich war in sechs Jahren nie in der sündigen Gasse. Wieso Frauen diese Straße nicht betreten dürfen, ist mir nie schlüssig erklärt worden. Wenn ich Touristengruppen vor dem Eingang sehe, während schlüpfrige Witze für die angereiste Kundschaft aus Grevenbroich gemacht werden, überlasse ich ihnen den "Genuss" der Herbertstraße. Diese Straße zu kultivieren und zu mythologisieren halte ich für bedenklich - schließlich ist anzunehmen, dass die Damen harte und nicht immer appetitliche Arbeit verrichten müssen. Ole Zeisler
Die Troplowitzstraße in Eimsbüttel
Eigentlich ist es in unserem Quartier überall schön. Eigentlich! Die Straße, die ich am unattraktivsten finde, ist die Troplowitzstraße. Zweifelsohne verstecken sich hinter den Mauern von Beiersdorf oder NXP wichtige Firmen, aber ich finde, dass die Straße trist, grau und architektonisch gesehen hässlich ist. Zudem jagt derzeit in der Eichenstraße eine Baustelle die nächste. Von Hausnummer 15 bis 29 habe ich acht Baustellen gezählt! Den Straßenabschnitt sollten Fußgänger und Autofahrer vorerst lieber meiden. Gabriela Urban
Der "WiWi-Bunker" am Grindel
Als Erstes fällt mir das Universitätsgebäude von Melle Park 5, besser bekannt unter "WiWi-Bunker", ein. Der Name Bunker ist gar nicht unpassend, denn das Gebäude ist ein Betonklotz ohne Charme. Auch die liebevoll "Schweine-Mensa" genannte Mensa gehört nicht zu meinen Favoriten. Die niedrige Decke an der Essensausgabe, das missgelaunte Personal und das nicht besonders schmackhaft aussehende Essen haben mir bei meinem ersten und bisher auch letzten Besuch den Appetit verdorben. Es gibt noch einen dritten Ort, der mir nicht gefällt. Es ist die Bushaltestelle Universität/Staatsbibliothek, an der die Buslinien 4 und 5 halten. Ein bisschen Respekt habe ich, weil sie sich an der Ecke der stark befahrenen Edmund-Siemers-Allee und Grindelallee befindet. Da fühle ich mich wie auf einer Insel, die von hungrigen Krokodilen umgeben ist. Stephanie Seliner
Der Mühlenkamp in Winterhude
In Winterhude fällt mit der Mühlenkamp ein, zumindest wenn man nicht in der richtigen Stimmung ist. In einem Disco-Reiseführer würde über diese Straße stehen: "In dieser absoluten In-Area für das hippe Szenepublikum können Sie chillen und peoplewatching betreiben." Alle haben sich in Schale geschmissen und gucken nun, was der Rest so veranstaltet. Rennt man (nach-)lässig angezogen hier vorbei, wird man schief angeschaut. Zudem bekomme ich ein Stimmungstief, wenn ich einen Waldweg im Stadtpark gehe, auf der Höhe der Freilichtbühne. Hier stand einer meiner Lieblingsbäume - der wurde aber gefällt. Pia Vagt
Ratten unter der Leinpfadbrücke
Mein Freund und ich haben in Winterhude einen ekligen Bewohner getroffen. Wir genossen auf der Leinpfadbrücke den Blick auf den Alsterkanal, als sich ein großer schwarzer Schatten durch das Wasser schob. Bei näherem Hinsehen konnten wir erkennen, dass sich eine dicke Ratte ihren Weg durch das Wasser auf der Jagd nach Beutetieren bahnte. Nach einigen Runden schwamm sie ans Ufer. In dem Moment stand für mich fest, dass ich hier kein Picknick machen würde. Sabina Remus
Kreidezeichnungen am Boden
"Ich war das!" Mit diesen Worten outete sich auf dem Stadtteilreporterblog kürzlich ein Eppendorfer Vater als Schreiber der Botschaften auf dem Lehmweg. Der genervte Mann hatte dort seinem Ärger über die Hundehaufen Luft gemacht. 13 hatte er gezählt und das am Boden des Lehmwegs dokumentiert. Das Bild der Kreidezeichnung löste im Blog eine kleine Diskussion aus. Schließlich meldete sich auch der genervte Vater dort zu Wort. Seine Erklärung: "Ich kenne viele nette, coole und witzige Hunde mit ihren ebenso charmanten Frauchen und Herrchen. Deshalb möchte ich mich erst mal bei allen Hundebesitzern für das Wort Sch... entschuldigen. Aber langsam bin ich es leid, ständig auf Hundehaufen zu achten, ihnen auf dem Gehweg auszuweichen, mein Kind im Park darauf aufmerksam zu machen und trotz aller Vorsicht doch hin und wieder in der Sch... zu stehen. Ich finde, das geht einfach gar nicht und unser Viertel verkommt zum Hundeklo."
Neuer Steg für Alsterschiffe
Ab dem 1. April legen wieder regelmäßig Schiffe für Alster- und Kanalfahrten am Winterhuder Fährhaus an und ab. Zurzeit könnte aber kein Boot halten, der Steg fehlt. Stattdessen liegen hier zwei große Schiffe, beladen mit Bagger und Holzpaneelen. Der technische Leiter der ATG Alster Touristik GmbH erklärt die Baustelle damit, dass der Anleger morsch war. Der neue müsse aber bis zum 31. März fertiggestellt werden. Dann kann wieder bei Sonnenschein ein Latte macchiato im Café Leinpfad getrunken werden, bevor es mit dem Boot durch die Kanäle geht. Dabei muss man auch keine Angst mehr haben, auf dem Weg auf das Schiff einzubrechen.
Ein kleiner Ausflugstipp
Ein Ausflugstipp für die Mittagspause von Viktoria Urmersbach: Radeln Sie zum Altonaer Rathaus und stellen Sie Ihr Rad ab. Dann überqueren Sie die Elbchaussee und spazieren auf den Altonaer Balkon. Der Ausblick ist fantastisch. Nun wandern Sie ein Stückchen elbaufwärts und finden auf dem Weg eine Camera-obscura-Installation, die frappierend simpel funktioniert. Im Sommer müssen Sie sich dort in Acht nehmen, überall sind Picknick-Gesellschaften. Auch im Winter ist "Altonas Balkon" schön. Für einen Drink laufen Sie den Hang hinunter und landen vor dem Café Altonas Balkon.





