Erinnernswert
Tief verwurzelt
Kaum einer Pflanze wurde so viel Symbolkraft zugeschrieben wie dem Baum. Das wissen auch die Wellingsbüttler und Saseler, die sich jener Symbolkraft bedienten - wenn auch zu unterschiedlichen Zwecken.
Man kommt buchstäblich nicht an ihr vorbei, der "Friedenseiche". Im Herzen Wellingsbüttels, an der Kreuzung Wellingsbüttler Weg/Rolfinckstraße gelegen, hält dieser stattliche und wunderschön gewachsene Baum die Erinnerung an das Ende des Deutsch-Französischen Krieges 1871 wach. Gepflanzt wurde er vom Wellingsbüttler Gastwirt und Gemeindevorsteher Peter Johann Carl Hayn, der dadurch seinem Wunsch nach einer friedvolleren Zukunft Ausdruck verlieh. Bis zum Jahr 2004 stand auf der gegenüber liegenden Straßenseite die beliebte Gaststätte Friedenseiche, die mit lokalen Spezialitäten wie Fliederbeersuppe Kultcharakter genoss.
Auch die Saseler haben ihren Baum: Anlässlich des 100. Todestages des Komponisten Franz Schubert pflanzte der Salia-Männerchor, ebenfalls direkt am Marktplatz, 1928 die "Schubert-Linde". Im vergangenen Jahr wurde auf Initiative des Heimatvereins "Unser Sasel e. V." die Stätte um einen Gedenkstein und eine Sitzecke erweitert.
Darüber hinaus fungiert das Saseler Wahrzeichen auch als Symbol des Widerstandes: Der Ausbau des Rings 3 hätte beinahe nicht nur das Fällen der beliebten "Schubert-Linde" nach sich gezogen, sondern auch den ganzen Ortskern zerschnitten. Beides konnte jedoch verhindert werden - nicht zuletzt aufgrund der aufständischen Mentalität der Saseler. Wie zur Warnung ziert das heutige Lindendenkmal der mittelalterliche Spruch: "Wer Hand an eine Linde legt, dem gehört sie abgehackt."



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