Saslo und sein Zwillingsbüttel
Heute: Sasel/Wellingsbüttel: Schwein gehabt: Obwohl die beiden Stadtteile nach der Geburt getrennte Wege gingen, gab es doch noch eine glückliche Familienzusammenführung - die Ähnlichkeit ist frappierend.
Vergessen Sie alles, was Sie bis dato über zweieiige Zwillinge wussten. Hier kommt ein unnachahmliches "Doppeltes (Stadtteil-)Lottchen".
Wir schreiben das Jahr 1296 - und damit die Geburtsstunde, pardon: die erstmalige urkundliche Erwähnung der zweieiigen Zwillinge "Walding" und "Saslo". Ihre Namen erlebten mehrere Umformungen, bis sie letzten Endes zu "Wellingsbüttel" und "Sasel" wurden. Eine konträre frühkindliche Entwicklung ist allerdings nicht von der Hand zu weisen: Während "Sasel" mit seinem großen Gutshof noch im 19. Jahrhundert seinen dörflichen Charakter bewahrt, ist sein deutlich kleinerer "Bruder" ein Frühentwickler. Immerhin verfügt Wellingsbüttel schon seit 1750 über ein prächtiges, in prunkvoller Rokoko-Ausstattung erbautes Herrenhaus, in dem heute eine gediegene Pflege für Senioren stattfindet.
1912 beginnt die Familienzusammenführung - mit der Eingliederung in die Alstertal-Terrain-Gesellschaft, 1938 folgt die Eingemeindung in die Hansestadt. Bis heute sind die gemeinsamen Gene nicht zu übersehen. Beide haben Vorzeigehäuser, -sportvereine, Vorzeigebäume und -wochenmärkte. Bei so vielen Gemeinsamkeiten stört es auch nicht, dass jeder Stadtteil seine eigene Persönlichkeit entwickelte.
So haftet seit jeher dem halb so großen Wellingsbüttel ein gewisser elitärer Charakter an. Dort liebt man schicke Villen, teure Autos und lässt sich im noblen Tennis- und Hockey-Klub Klipper das Ballschlagen näherbringen.
Sasel hingegen macht eher durch widerständigen Charakter und Gemeinschaftssinn von sich reden. Mit diesen Eigenschaften wurde schon so mancher Kampf gewonnen. Größter Triumph war die Verhinderung des Ring-3-Ausbaus. Die Schließung der Bücherhalle konnte zwar nicht verhindert werden, und die Post ist nur noch eine Agentur. Aber immerhin wurde das Kulturzentrum Sasel-Haus vor dem Ruin gerettet.
Doch auch wenn die Geschwister unterschiedliche Charaktere und Hobbys haben - ihre Freunde sind dieselben. Und die lädt man natürlich standesgemäß zu sich nach Hause ein. So wie den Zirkus Martinelly. Dieser baut gerade in Wellingsbüttel seine Zelte ab, und vom 13. bis 16. September in Sasel wieder auf. Und weil doch nichts über Familiensinn geht, sind die Wellingsbüttler auch dort willkommen.
Zwei Stadtteile und ihre Sportvereine:
Im elitären Klipper Tennis und Hockey Club in Wellingsbüttel spielen Clara Westhoff (10), Elisa Sielaff (9), Pauline Mohrbutter (9), Jette Diekmann (9) und Alicia Sielaff (9) Hockey. Im TSV Sasel übt Nathalina Roth (9, links) regelmäßig ihren Aufschlag beim Tennis. Der 1925 gegründete Verein bietet 12 verschiedene Sportarten an, darunter Ballett und Fußball.
Zwei Stadtteile und ihre Vorzeigehäuser: Oben: das im Wohnpark Annenhof stehende Herrenhaus. Hier beginnt der Alsterwanderweg, und mit sehr viel Glück kommt das eine oder andere Reh vorbei.
Rechts: Das 1750 vom adeligen Clemens von Kurtzrock erbaute Herrenhaus in prunkvoller Rokoko-Ausstattung ist ein architektonisches Zentrum Wellingsbüttels. Noch heute lässt die Stuckdecke im Mittelsaal die ganze Pracht erahnen. Nach einer umfangreichen Restaurierung fungiert es nun als exklusive Seniorenresidenz und birgt ein öffentliches Cafe. Beide Häuser stehen unter Denkmalschutz.
Zwei Stadtteile und ihre berühmten Bäume:
Die "Friedenseiche" (oben) am Wellingsbüttler Markt wurde 1871 nach dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges von Peter Hayn gepflanzt. Sie symbolisiert die Hoffnung auf eine friedvolle Zukunft.
Die "Schubert-Linde" (rechts) am Saseler Markt wurde 1928 vom Männerchor Salia gepflanzt und erinnert an den Komponisten Franz Schubert. Zudem ist sie Symbol des erfolgreichen Widerstands gegen den Ausbau des Rings 3.
Zwei Stadtteile und ihre Wochenmärkte:
Die Gärtnerei Wulksfelde (oben) versorgt ihre Kunden mit frischen Bioprodukten. Derzeit ist der Markt provisorisch am Torhaus in Wellingsbüttel, in wenigen Monaten kehrt er jedoch wieder in die Stadtteilmitte zurück.
Auch die Saseler schätzen ihren Markt. Immer donnerstags und sonnabends trifft man sich und kauft zum Beispiel bei Volker Schneiders (rechts) ökologisch angebaute Produkte ein. Tipp für Ökofreunde: Donnerstags, von 13 Uhr an, findet im Anschluss an den Markt ein exklusiver "Biomarkt" statt.
MORGEN:
BILLSTEDT / HORN
Grafiken: Matthias Scheil



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