Montag, 13. Februar 2012, 20:48

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Lebenswert

Harburg, planst du noch oder lebst du schon?

Dieser Ort ist kein Traum. Keine Fiktion. Nicht Zukunft, sondern Gegenwart. Pure Realität. Greifbar und vor allem erlebbar - mit allen Sinnen: der Channel.

Im Channel, da machen die Menschen Mittagspause im Strandkorb direkt am Wasser, genießen Siesta unter weißen Leinenschirmen, schlürfen Espresso und Latte auf laguneninselgleichen Sommerterrassen und lauschen. Dem leisen Plätschern des Kanals. Wer ein Boot sein Eigen nennt, fährt direkt vor. Und erlebt eine Hafenwelt voller Kontraste. Links die Werft, auf der gehämmert und geschweißt, rechts Bürogebäude aus Glas und Stahl, in denen Hightech geschmiedet wird. Rund 160 Unternehmen haben sich hier angesiedelt, in denen 6500 Menschen arbeiten. Im Channel, oder anders gesagt: im alten Herzen von Harburg, dem Harburger Binnenhafen, ist längst umgesetzt, was nördlich der Elbe in weiten Teilen noch immer nur als Masterplan existiert: alte Hafenbrachen mit neuem Leben zu füllen. Kurz, es gibt sie längst, die HafenCity. Nur 15 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. Südlich der Elbe.

"In Harburg fängt der Balkan an", heißt es. Bezirksamtsleiter Torsten Meinberg (46) sieht das anders. "Harburg ist Zukunft", sagt er. Und meint damit die neuen Wahrzeichen der Stadt: Channel Tower, Silo Schellerdamm und Kaispeicher. Meint Life Sciences, Logistik, Luft- und Raumfahrttechnik. In Harburg herrscht Goldgräberstimmung. Überall Kräne und qualmende Köpfe. Das Output der Technischen Universität Hamburg-Harburg - hier am High-tech-Standort wird es sichtbar. Heute sind es die DVD-Player von Xoro und die Zugdrachen für die Frachtschifffahrt von SkySails, die die ganze Welt auf Harburg blicken lassen.

Der Stadtteil nimmt Abschied von Gummi, Kautschuk, Palmenöl. Und investiert: 1,3 Millionen Euro in den neuen Museumsplatz zwischen Rathaus und Helms-Museum, 600 000 in die Lüneburger Straße, die Fußgängerzone Harburgs. In den Schubladen liegen Pläne für die Untertunnelung der Eisenbahnlinie entlang der Buxtehuder Straße, die den Hafen vom Rest des Stadtteils - dem Phoenix-Viertel - abschneidet. Auch dort fließt viel Geld. 25 Millionen Euro sollen es in den kommenden acht Jahren sein. Hier lässt sich am besten erkennen, was der Stadtteil einmal war: ein Arbeiterviertel. Die Straßen sind eng, die Häuser alt und sanierungsbedürftig, aber wunderschön. Ein Viertel im Dornröschenschlaf. Etwa so wie Ottensen es einmal war. Wer clever ist, sichert sich jetzt schon eine Wohnung. Denn wenn die Pläne aufgehen, prägen demnächst Studenten, Künstler und Cafes das Viertel. Zugegeben, das ist jetzt nur ein Traum. Eine Fiktion. Aber realisierbar.

 

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