Rothenburgsort / Moorfleet / Billbrook:
Die etwas anderen Elbvororte
Für die einen ist es nur ein Industrie-Revier - irgendwo im Nirgendwo. Für die anderen ist es mehr. Viel mehr: Hamburgs wilder Osten!
Schon mal vom Strandweg-West gehört? Klingt irgendwie nach Neumühlen oder Blankenese. Liegt aber in Rothenburgsort; gleich hinter Billbrook und Moorfleet - den drei etwas anderen Elbvororten der Stadt. "Hamburgs Wilder Osten" - so nennt sich hier eine Stadtteilinitiative mit trotzigem Stolz. Nicht von ungefähr: Andere Hamburger verbinden die drei Stadtteile eher mit breiten Durchgangsstraßen, Industrie und Umweltskandalen (Boehringer!). Orte eben, in denen man in Hamburg nur wohnt, wenn man es muss.
Aber der Name "Strandweg-West" weist schon in eine andere Richtung: Rothenburgsort, Billbrook und Moorfleet - das bedeutet auch Wasser; viel Wasser: das von Elbe, Bille und etlichen Kanälen.
"Rothenburgsort lässt sich einmal per Boot umrunden", behauptet Ingo Böttcher, Journalist und Stadtteilführer. Eine grüne Insel sei der Stadtteil in Wahrheit. Wir haben es selbst getestet und sind mit ihm ins Boot gestiegen.
KREATIV-PONTON: Gleich hinter den Norderelbbrücken, noch in Sichtweite der HafenCity, stoßen wir auf einen ehemaligen Zoll-Ponton. Thomas Friese (Thomas i Punkt) entwirft hier seine Mode. Die Betreiber, vormals Schnalle's Hafen in Wedel, bauen die Anlage zu einem Kreativ-Ponton um (www.pan-hamburg.de).
BUCHT DER BOOTE: Hinter dem Ponton geht's durch Deutschlands drittgrößtes Sturmflutsperrwerk in die Billwerder Bucht - Yachten und Werften, so weit das Auge reicht. Am Ufer Backsteinbauten "Das ist unsere Elbchaussee", sagt Ingo.
RUHRPOTT VON HINTEN: Bei Ebbe wird's flach in der Bucht, wir fahren daher zur Schleuse Tiefstack: Dahinter ist in der Bille und den Kanälen immer genug Wasser unterm Kiel. Hinter der Schleuse ein Abstecher zum Billbrookkanal. Das ist Ruhrpott von hinten: Die Rückseite der Gewerbebetriebe ist total grün, Äste hängen über dem Wasser, Bootsanleger und kleine Angel-Plätzchen säumen das Ufer.
HOLLAND ODER WAS? Es wird noch schöner: Wir gleiten in die Bille, lassen die Billhuder Insel backbord (links) liegen und sehen Kleingärten mit hübschen Häuschen an den Ufern. Boote dümpeln an Stegen, Hausboote liegen verträumt unter Weidenbäumen. Grachtencharme in der Stadt.
ENDE DER DIENSTFAHRT: Plötzlich ein Schlag - der Motor bleibt stehen. Doch wir werden "gerettet". Mitglieder eines Motorbootklubs schleppen uns zum Hafen an der Braunen Brücke. Als sie von unserem Vorhaben hören, bieten sie uns spontan an, in einem ihrer Boote mitzufahren, und wir können die Rundfahrt vollenden. An der Brandshofer Schleuse geht's wieder in die Elbe.
Ingo, du hast recht: Schön war's hier.
MORGEN: POPPENBÜTTEL/HUMMELSBÜTTEL




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