Für viele Hamburger existiert der Stadtteil nur in Gestalt zweier Autobahn-Abfahrten an der A 7: Schnelsen und Schnelsen-Nord.

Für viele Hamburger existiert der Stadtteil nur in Gestalt zweier Autobahn-Abfahrten an der A 7: Schnelsen und Schnelsen-Nord. Hier fährt man zum Flughafen, zu Ikea, ins ModeCentrum oder auch zum Albertinen-Krankenhaus. Aber Schnelsen, ein dörflicher Stadtteil mit alten Bauernhöfen und idyllischem Dorfkern mit Teich, hat viel mehr zu bieten: Schnelsen ist ein Stadtteil voller Überraschungen, Gegensätze, und es gibt so manche Superlative.

Mehr zum Thema

Hätten Sie zum Beispiel gewusst, dass hier das kleinste Feuerwehrauto der Welt beheimatet ist? "Löschi" ist das heimliche Wahrzeichen des Stadtteils. Die BMW-Isetta mit 25 PS, Baujahr 1961, wurde 1978 zum 75-jährigen Bestehen der freiwilligen Feuerwehr zum "Einsatzwagen" umgebaut. 1988 ging Löschi sogar nach New York, wo er als Stargast einer Hamburger Feuerwehr-Delegation bei der berühmten Steuben-Parade auftrat. Am 15. September kann er beim Tag der offenen Tür der FF Schnelsen in der Oldesloer Straße bewundert werden.

Und die Show der Superlative geht weiter: So bezeichnet sich Schnelsen als einen von Hamburgs jüngsten Stadtteilen. Weniger wegen des Altersdurchschnitts seiner Bewohner (41,5 Jahre), sondern weil ein Drittel von ihnen erst in den vergangenen zehn Jahren hierhergezogen ist. Und das mit Grund: "Hier gibt es die beste Luft, das beste Trinkwasser, und es lässt sich einfach prächtig leben", sagt Peter Brunnemann, Inhaber des Hotels und Restaurants Ausspann (Holsteiner Chaussee). Als vierte Generation zählt er zu den alteingesessenen Schnelsenern.

Doch es gibt auch andere Stimmen: "Sehr betulich und bieder. Der Schnelsener ist gerne für sich. Für junge Leute gibt's hier eigentlich nichts Spannendes - alles ist unauffällig", sagt zum Beispiel Ikea-Mitarbeiterin Annika Kunert (32).

Stimmt beides. Denn der dörfliche Charakter und das etwas ruhigere Temperament der Bewohner ist überall spürbar. So erinnern alte Bauernhöfe wie der restaurierte Bornkasthof an der Frohmestraße (heute ein Steak-Lokal) oder der Sassenhof (siehe "Erinnernswert") an die Zeit, als Landwirtschaft mit Ackerbau und Viehzucht die Haupteinkommensquelle waren.

Zahlreiche Familien und Betriebe sind hier seit fünf, sechs Generationen. Viele Schnelsener besuchten gemeinsam die Grundschule Frohmestraße, die seit 1749 existiert. Leiter Horst Lüthge unterrichtet hier seit 24 Jahren, er weiß um den Zusammenhalt der Alteingesessenen. Dieser gilt auch im Vereinsleben, das hier großgeschrieben wird - im Freizeit-Zentrum an der Wählingstraße etwa, im Sportverein TuS Germania von 1912, im Männerchor von 1862, beim Kiwanis-Club Hamburg Alster, bei den Billardfreunden Hamburg, im Radfahrverein Germania von 1923 oder den Tennis-, Squash- und Reitvereinen.

Noch nicht genug Superlative? Schnelsen hat allein im Kernbereich 14 Friseure, fast so viele Apotheken, eine Unzahl griechischer Lokale - und es bietet einen Dauer-Megastau wegen der nervtötenden Ampelschaltung am Schleswiger Damm.

Aus Schnelsen berichten: Nataly Bombeck (Text) Michael RauheFotos