07.01.13

Straßenschäden

Wo Gehwege in Hamburg zur Stolperfalle werden

Löcher, Pfützen, lockere Platten: Senioren und Politiker fordern mehr Geld für Reparaturen. Gehwegplatten fehlen an vielen Stellen.

Von Nina Paulsen
Foto: Marcelo Hernandez
Marode Gehwege. Kaputte Gehwege.
Tiefe Pfützen auf dem Gehweg an der Sierichstraße. Vor allem Baumwurzeln drücken die Gehwegplatten in engen Straßen nach oben

Hamburg. Sonja Tesch kennt die Probleme aus eigener Erfahrung: Sie ist 70 Jahre alt, Rentnerin, und wenn sie ihr Zuhause in Altona verlässt, um zu Fuß ihre Besorgungen zu machen oder jemanden zu besuchen, stößt sie schnell auf ein Hindernis. "Immer wieder gibt es abgesenkte Gehwegplatten, Löcher und Schäden auf den Bürgersteigen", sagt sie. "Das ist nicht nur ärgerlich wegen der vielen Pfützen bei dem momentanen Regenwetter, sondern auch, weil die Stolperfallen auf den Hamburger Fußwegen gerade für Senioren eine große Gefahr sind."

Für Tesch, die nach eigenen Worten "schon immer Fußgängerin" war und Hamburger Landessprecherin des Fachverbandes Fußverkehr Deutschland "Fuß e. V." ist, sind marode Gehsteige ein Ärgernis. Vor allem in Wohngebieten, wo es viele Bäume gibt, die abends und nachts das Licht der Straßenlaternen verdecken. Dann seien die Schäden oft kaum noch zu erkennen.

Auch in Hamburg-Nord ist das Problem bekannt. Andreas Schott ist Vorsitzender der dortigen CDU-Bezirksfraktion und sieht ebenfalls vor allem die Gehsteige an den Wohnstraßen betroffen. Für deren Instandhaltung ist nicht wie bei den großen Hauptverkehrsstraßen die Stadt zuständig, sondern der jeweilige Bezirk. "In Wohnstraßen ist es im Gegensatz zu Hauptverkehrsstraßen oft sehr eng, und es stehen dort sehr viele Bäume, deren Wurzeln die Gehwegplatten nach oben drücken", sagt er. "Nicht nur für ältere Menschen ist die Unfallgefahr deshalb hoch." Verwahrloste Gehwege seien dabei nicht nur in seinem, sondern in allen Bezirken zu finden. "Wenn in Hamburg über Verkehrspolitik diskutiert wird, geschieht das oft einfach zu autolastig", meint er. "In einer Großstadt wie Hamburg werden zum Glück viele Wege zu Fuß zurückgelegt", betont er, "es muss deshalb besser dafür gesorgt werden, dass die Gehwege auch intakt sind."

Etwa in der Sierichstraße, wo Gehwegplatten an vielen Stellen völlig fehlen, müssen Fußgänger derzeit gut aufpassen, wenn sie keine nassen Füße bekommen wollen. Werden die Temperaturen bald wieder kälter und das Wasser zu Eis, könnte es wegen drohender Glätte sogar gefährlich werden.

Tiefe Pfützen finden sich auch im Brödermannsweg zwischen Lokstedt und Groß Borstel. In Altona wurden dem Bezirksamt zuletzt Gehwegschäden in der Polostraße, Eggerstedtstraße Ecke Zeiseweg, Bernadottestraße oder Ottenser Hauptstraße gemeldet. Das Bezirksamt beurteilt die Situation der Gehwege insgesamt jedoch als "befriedigend und vor allem verkehrssicher, da durch die regelmäßigen Begehungen der Wegeaufsicht Schäden schnellstmöglich und Gefahrenstellen umgehend behoben werden", wie es auf Abendblatt-Anfrage hieß.

Im Internet hat die Stadt ein Formular für Gehwegschäden eingerichtet, mit dem die Bürger unsichere oder gefährliche Stellen melden können. Auch per Telefon gehen regelmäßig Hinweise ein. "Der Online-Melder wird intensiv genutzt", sagte etwa die Sprecherin im Bezirksamt Wandsbek. In Altona laufen über das Onlinesystem etwa 30 bis 50 Meldungen pro Woche auf, allerdings würden sich diese auf den gesamten öffentlichen Straßenraum beziehen. Das dortige Bezirksamt schätzt, dass etwa ein Drittel davon auf reine Gehwegschäden entfällt. Was als gefährlich eingestuft wird, werde dabei umgehend behoben "Wenn von einem Gehwegschaden eine Gefahr ausgeht, beheben wir diesen Schaden entweder sofort oder sperren die Stelle ab. Bei Gefahr im Verzug handeln wir sofort", sagte etwa eine Sprecherin in Harburg. Auch in Wandsbek wie in anderen Bezirken hieß es: "Als gravierend eingestufte Schäden werden unverzüglich beseitigt." Auch Fußgängerin Tesch ist mit der Reaktion der zuständigen Wegewarte zufrieden - jedenfalls vom Prinzip her: "Wenn man einen Schaden meldet, wird sich da auch schnell drum gekümmert", sagt sie. Allerdings müsste deutlich mehr Personal unterwegs sein, um Schäden selbst zu entdecken. "Nach meinem Gefühl kommen die Wegewarte bei den vielen Schäden mit ihrer Arbeit nicht hinterher." Etwa in Harburg ist ein halbes Dutzend Wegewarte auf den Straßen des Bezirks unterwegs.

Für die Bezirke ist meist neben dem Gefahrenpotenzial der Schäden auch die Art des Bodenbelages für eine Reparatur maßgeblich. Bei den nicht asphaltierten oder gepflasterten Grandwegen seien Schäden schneller und leichter zu beheben, so ein Sprecher des Bezirksamts Mitte. Hochstehende oder defekte Gehwegplatten müssten dagegen umgelegt oder komplett erneuert werden. Löcher in den Bürgersteigen wiederum würden nur bei Frost gestopft. Die CDU-Nord hatte gemeinsam mit den Grünen Ende des vergangenen Jahres einen Sonderfonds "Gehwegschäden" von 150.000 Euro angeregt, der von der Bezirksversammlung jedoch abgelehnt wurde. Ging es nach CDU-Fraktionschef Schott wäre dieses Geld dringend nötig gewesen.

Die meisten Bezirke konnten keine Angaben zur genauen Summe machen, die für die Reparatur und Sanierung der Fußwege aufgewendet wird. In Altona wird die Summe auf rund 200.000 Euro pro Jahr geschätzt. Grundsätzlich müssen die Bezirke die Mittel für die Instandhaltung ihrer Gehwege aus dem gleichen Topf bezahlen, aus dem auch die Instandhaltung der Straßen und Radwege finanziert wird. Gerade im Winter drohen die Bürgersteige so kürzer zu kommen als die Straßen. Im Bezirksamt Hamburg-Mitte hieß es, prioritär sei ab einem gewissen Schadensbild etwa ein sehr großes und tiefes Schlagloch auf der Straße "wegen der daraus folgenden erheblichen Unfallgefahr die Fahrbahn."

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