Motorsport: Der zweite Meisterschaftslauf auf dem Estering
Von der Piste geschubst
In der letzten Runde war für den Belgier Luc Maris das Rennen vorbei, Ralf Volland berührte den Volvo, der in den Wall fuhr.
Buxtehude. Spannender kann ein Finale auf dem Estering in Buxtehude gar nicht sein. Auf der Pole-Position in der Königsklasse, der Division 1, stehen Rene Münnich, der große Favorit aus Neusalza, in seinem Skoda Fabia T 16 4x4. Zwei Positionen daneben - im Finale stehen nur drei Autos in der ersten Reihe, danach zwei und dann wieder drei in der dritten Reihe - Jörg Jockel, der Lokalmatador. Sein Ford Focus T 16 4x4 mit mehr als 500 PS unter der Haube. Die Motoren röhren und heulen. Die meisten der rund 1500 Zuschauer haben sich von ihren Campingstühlen erhoben. Die Ampel springt auf Rot. Die Autos schießen den hang hoch. Beschleunigung: In 2,8 Sekunden können sie auf 100 km/h sein. Und jeder auf dem Estering kennt die entscheidende Frage: Wer lässt den Fuß am längsten auf dem Gas?
Alle halten den Atem an. Applaus und Freudenschreie: Jörg Jockel ist als Erster in der Sparkassenkurve. Rene Münnich nur Zentimeter dahinter. Dann jagen die beiden die Schotterpiste hinunter, schalten hoch, jagen ihre Spezialfahrzeuge auf mehr als 160 km/h hoch. Die Geschwindigkeit spüren die Fahrer, auch wenn die Rennfahrzeuge keine Tachos haben. Sechs Runden lang hat Jörg Jockel seinen Verfolger im Rückspiegel. Meist beträgt der Abstand nur wenige Meter, ein paar Mal spürt er, wie der Skoda ihn antickt. Aber der Bauunternehmer aus Rosengarten, dessen Rennleidenschaft auf dem Estering aufblühte, kennt die Finessen der Strecke, weiß, welche Linie er einschlagen muss, damit der andere nicht an ihm vorbeiziehen kann.
Unter dem Jubel der Zuschauer fährt Jörg Jockel über die Ziellinie. Nach seinem dritten Platz beim ersten Lauf in Oschersleben hat der 45-Jährige vom ACN Buxtehude die Führung in der deutschen Meisterschaft übernommen. "Das war schon ein wundervolles Gefühl", sagte Jörg Jockel, "vor allem auch, weil mich keiner auf der Rechnung hatte."
Denn im Vorfeld sprachen alle nur von Rene Münnich und seinem zweiten Fahrer, der belgischen Motorsport-Legende Marc Duez. Den viermaligen Sieger des 24-Stunden-Rennens vom Nürburgring hatte Münnich verpflichtet, um der Rallyecross-Szene neuen Schwung zu geben. Bei der Premiere in Buxtehude war der belgische Profi im VW Golf mit Motorschaden ausgeschieden.
Jörg Jockel, der als 16-Jähriger erstmals zum Estering pilgerte und dessen Vorbild bis heute der sechsmalige Europameister Martin Shanche aus Norwegen ist, gibt seit 1998 selbst Gas. Vor vier Jahren war Jörg Jockel schon deutscher Meister. Wenn am 10. und 11. Mai in Gründau bei Frankfurt der dritte Lauf gestartet wird, steht Jockel als Favorit am Start. "Man muss vor allem kontrolliert bleiben", weiß der Unternehmer, für den ein Rennen so entspannend wie 14 Tage Urlaub ist. "Man darf nicht um jeden Preis auf Sieg fahren. Entscheidend ist, im richtigen Augenblick Gas zu geben."
Und man muss natürlich Glück haben. Das blieb Andreas Steffen, dem Vorsitzenden des ACN Buxtehude, auf der eigenen Strecke versagt. Im Finale der Division 1 A zertrümmerte ein Stein die Ölwanne seines Peugeot 206 Maxi. "Wir haben bereits den Motor auseinandergenommen", sagte Steffen, "noch steht nicht fest, ob der Schaden bis zum nächsten Rennen in 14 Tagen behoben ist. Wenn nicht, muss ich die Meisterschaft abschreiben."
Neben Lokalmatador Jörg Jockel durfte sich auch Thomas Stark aus Sauensiek als Sieger feiern lassen. Er gewann mit seinem Citroen AX Sport in der Division 5.
Andreas Steffen, als Fahrer im Pech, zog als Vereinsboss eine erfreuliche Bilanz: "So kann es weiter gehen."


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